1.FCM: Augen durch und zu

Der 1. FC Magdeburg erwischte keinen guten Start in die neue Fußball-Drittligasaison. Aus zwei Partien wurde nur ein Punkt geholt. | Von Rudi Bartlitz

Das Schöne am Fußball sei doch, lautet eine alte Weisheit des Kicker-Gewerbes, dass sich nur ein paar Tage nach einer schlimmen Pleite meist die Chance bietet, ein ande­res Gesicht zu zeigen. Genau das tat der 1. FC Magdeburg am Wochenende beim 1:1 gegen den Münchner Traditionsverein 1860. Genau das musste er aber auch tun, weil das 0:2-Auftakt-Desaster gegen Halle tiefe Spuren hinterlassen hatte. Mut- und Führungslosigkeit mussten sich die blau-weißen Akteure (zu Recht!) vorhalten lassen, die Körpersprache stimmte vorn und hinten nicht. Nach dem 0:1-Rückstand ergab man sich dem Schicksal. Spielerisch war es, kurz gesagt, ein Offenbarungseid. Es schien sich alles das zu bewahrheiten, was Kritiker im Vorfeld moniert hatten: Dieser Mannschaft fehlen vor allem konstruktive Kräfte.

folgt uns für weitere News

Nun, zumindest vom Ergebnis her, in Sachen Einstellung rehabilitierten sich die Magdeburger bei 1860, das durchaus Ambitionen auf die 2. Liga besitzt, einigermaßen. Vor allem die noch gegen den HFC wackelige Abwehr ließ wenig zu. Nicht übersehen werden darf allerdings weiterhin die limitierte fußballerische Linie. „Die Magdeburger müssen mehr Fußball zeigen. Da muss mehr passieren“, monierte MDR-Fußballexperte Lutz Lindemann. „Es kann für einen Verein wie den FCM nicht nur darum gehen, zu laufen und zu kämpfen.“

Da kommen auf Cheftrainer Thomas Hoßmang in den nächsten Wochen erhebliche Aufgaben zu, zumal auch ein halbes Dutzend Akteure verletzt fehlen. Der Mann, der den Club im Juni übernahm und ihn vor dem bitteren Abstieg in den Amateurbereich bewahrte, hatte im Sommer das Pech, mitten in einen langsamen Prozess der Dekon­struk­ti­on hinein­ge­ra­ten zu sein. Obwohl er als ein Typ gilt, der auf Spieler zugeht, viel mit ihnen kommuniziert, sollten seine Worte nach dem Halle-Spiel nicht überhört werden. Er stellt seine Profis vor die Wahl: „Der Trainerstab gibt die Art und Weise vor, welcher Fußball gespielt wird. Wer das nicht spielen kann, der kann eben nicht mehr mitspielen.“ Eine unüberhörbare Warnung an alle, auch seine Führungsspieler! Hoßmang: „Wir wollen anlaufen, in die Zweikämpfe gehen und Führungsqualitäten auf dem Platz sehen. Das ist die Basis für den Erfolg. Das war nicht der 1. FC Magdeburg, der da gegen Halle aufgelaufen war. Und so etwas können wir den Fans nicht noch mal anbieten.“

Apropos Fans. Sie, die für ihr Team ansonsten durch dick und dünn gehen und in Scharen in die MDCC-Arena strömen, üben sich vorerst in diskreter Zurückhaltung. Obwohl das letzte Pflichtspiel mit Publikum fast ein halbes Jahr zurücklag und zum Punktspielauftakt 2020/21 das attraktive Sachsen-Anhalt-Derby lockte, war die Arena, für die 7.500 Plätze zur Verfügung standen, mit 5.200 Anhängern nicht ausverkauft. Beim wichtigsten Test, immerhin gegen Bundesligist VfL Wolfsburg, wollten statt der möglichen 2.500 Besucher nur gut 1.000 die Begegnung sehen. Einzig im DFB-Pokal gegen Darmstadt waren die 5.000 angebotenen Tickets abgesetzt worden.

Obwohl man mit Prognosen nach nur zwei Spieltagen sehr vorsichtig umgehen muss, etwas scheint sich zu bestätigen: Das für die Vorsaison typische Auf und Ab der Vereine, die hohe Unausgeglichenheit des Feldes, in dem eigentlich jeder jeden schlagen kann – all das setzt sich offenbar fort. Dass die beiden Aufsteiger Türkgücü München und SC Verl auf den Rängen zwei und drei thronen, muss dennoch als gelinde Überraschung bezeichnet werden. Gerade unten im Klassement sind Mannschaften zu entdecken, die sich dort auf gar keinen Fall wiederfinden wollen. Selbst der Drittligameister 2020, der FC Bayern München II, der nur wegen einer DFB-internen Regelung nicht aufsteigen durfte, grüßt aktuell mit nur einem Punkt aus dem Keller. Ambitionierte Vereine wie Duisburg, Kaiserslautern und Uerdingen befinden sich allesamt im unteren Tabellenviertel wieder.

Dort sitzt zunächst ebenso erst einmal der FCM fest. Selbst wenn man es sich mittelfristig anders wünscht, wird den Blau-Weißen wohl nichts anderes übrigbleiben, als sich zunächst weiterhin auf die weiter oben beschriebenen Grundtugenden zu besinnen: Aggressivität, Kampfgeist, Laufbereitschaft. In dieser Situation möchte man dem Team eigentlich nur eine Devise zurufen, die da, leicht verballhornt, heißen könnte: Augen durch und zu.

Spielplan unter Corona
Wegen der Corona-Pandemie hat die 3. Fußball-Liga erst am 18. September begonnen. Im Vergleich zur vergangenen Saison gibt es sechs neue Vereine in der aus 20 Teams bestehenden Spielklasse. Erstmals dabei sind die Aufsteiger VfB Lübeck, SC Verl und Türkgücü München. Dazu kommt mit Aufsteiger 1. FC Saarbrücken ein Rückkehrer in die dritthöchste Liga Deutschland. Außerdem neu sind Wehen Wiesbaden und Dynamo Dresden, beide stiegen aus der 2. Bundesliga ab. Bei den Buchmachern galten vor dem Start beide Absteiger sowie FC Ingolstadt, Hansa Rostock und der 1. FC Kaiserslautern als Favoriten. Der FCM folgt auf Platz sechs (!). In der ersten Saisonhälfte sind drei Wochenspieltage vorgesehen, zudem wird die 3. Liga während der Nationalmannschafts-Termine im Oktober und November keine Pause einlegen, sondern an den jeweiligen Wochenenden (9. bis 12. Oktober und 13. bis 16. November) spielen. Nach dem 17. Spieltag (18. bis 21. Dezember) geht es in eine verkürzte, dreiwöchige Winterpause, ehe die Saison ab 8. Januar 2021 fortgesetzt wird. Auch die Rückrunde beinhaltet drei Wochenspieltage. Das Saisonfinale ist für Samstag, 22. Mai, terminiert. (rb)

Vielleicht gefällt dir auch