1.FCM: Sind so viele Wünsche

Der 1. FC Magdeburg gerät immer tiefer in den Kampf gegen den Abstieg aus der 3. Fußball-Liga. Zeichen der Hoffnung sind derzeit wenige auszumachen. | Von Rudi Bartlitz

Das weiße Laken flatterte, offenbar eilig an den Zaun gepinnt, am vergangenen Sonnabend ein wenig hilflos im Wind vor der MDCC-Arena. Darauf standen, eilig dahingemalt, in blauen Lettern nur drei Worte: Kämpfen, Siegen, Klassenerhalt. Wer die Situation des 1. FC Magdeburg zu Jahresbeginn umreißen wollte, auf diese Botschaft ließe sich die derzeitige Misere dieses so stolzen ostdeutschen Traditionsklubs gut herunterbrechen. Ja – traurig, aber wahr – das Wort vom Klassenerhalt geistert, je weiter die Saison voranschreitet, immer mehr durch die blau-weißen Reihen. Die wirtschaftlichen Folgen eines solchen Niedergangs mag man sich noch gar nicht ausmalen.

Knapp die Hälfte der Saison ist bereits absolviert, und der FCM hängt immer noch bei 15 Punkten aus 16 Partien fest. Selbst die einst avisierten 45 Zähler, mit denen man am Krügel-Platz glaubte, auf der sicheren Seite zu sein, scheinen nur noch schwerlich erreichbar. Während an der Corona-Front händeringend geringere Inzidenz-Zahlen angestrebt werden, erscheint die Tor-Inzidenz beim FCM geradezu vorbildlich: nur 14 Treffer in 16 Begegnungen. Es mag eine bittere Erkenntnis sein, aber die Gefahr, im Sommer irgendwo im Nirwana des Amateurfußballs zu verschwinden, rückt für den Tabellenvorletzten immer näher. Und ein Impfstoff, der gegen Torflaute und Abstieg wirkt, ist noch nicht erfunden …

Lassen wir kurz noch einige Zahlen sprechen, die die augenblickliche Lage umreißen. In einer gesonderten Tabelle, die alle Teams erfasst, die im Jahr 2020 (also saisonübergreifend) in der Liga mitgemacht haben, sind die Kicker aus der MDCC-Arena Viertletzter. In 33 Begegnungen (sieben Siege, je 13 Remis und Niederlagen / Torverhältnis 35:42) kamen sie auf einen mageren Punkteschnitt von 1,03. Dahinter platzieren sich nur noch Lübeck (1,0) und die beiden Absteiger Großaspach (0,83) und Jena (0,61). Ganz oben stehen übrigens die Würzburger Kickers und Dynamo Dresden (jeweils 2,06 Punkte). Soll heißen: So neu, wie er manchem erscheinen mag, ist der Abwärtstrend längst nicht.

Inzwischen ist Magdeburg für viele Fußballfans in Deutschland ein ernster Abstiegskandidat aus der dritthöchsten Klasse. Bei einer zum Jahreswechsel durchgeführten Befragung nach jenen Vertretungen, die im Sommer wahrscheinlich den Weg in die Regionalliga antreten müssen, nannte die Hälfte der Teilnehmer (!) das Team aus Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt als ersten Anwärter; zusammen mit dem VfB Lübeck und dem FSV Zwickau (ebenfalls je 50 Prozent). Dahinter rangiert Türkgüzü München (45 Prozent).

Natürlich ist rechnerisch noch alles möglich, keine Frage. Allein, die Vorstellungen, die die Blau-Weißen regelmäßig auf dem Rasen abliefern, lassen an einer spürbaren Verbesserung zweifeln. Den Vorwurf, sein Spiel verliere sich in purer Schönheit, können dem Club nur ganz Böswillige machen. „Überzeugend“, urteilte das Portal „3. Liga online“, „waren die Aufritte nicht, stattdessen war oftmals Glück dabei.“ Spielerisch, raunte zuletzt einer auf der Tribüne, schramme das Gebotene zuweilen knapp an einem Offenbarungseid vorbei. FCM-Ikone Joachim Streich schrieb in seiner „Volksstimme-Kolumne“: „Ich sehe keine Entwicklung bei der Mannschaft. Gerade nach vorne kommt nichts.“ Der Jahresauftakt daheim gegen den KFC Uerdingen (1:1) lieferte dafür erneut Belege en masse (keine einzige echte herausgespielte Torchance).

Die Situation ist nicht mehr schönzureden, mag sich die sportliche Leitung noch so sehr dagegen stemmen. Da wurden in der Transferpause zwar drei neue Kräfte für den Angriff verpflichtet, in der Anfangsformation gegen Uerdingen stand keiner. Der als großer Hoffnungsträger geholte Offensivmann Baris Atik (der über ein halbes Jahr kein Spiel absolvierte) brachte es nicht einmal in den Kader. Dabei war bei den Verpflichtungen – wie schon mehrfach in der Vergangenheit – stets die Rede davon gewesen, man hole nur Leute, „die uns sofort weiterhelfen“. Apropos Kader. Mittlerweile ist er beim FCM auf 32 Akteure angewachsen! Soviel besitzt nicht einmal so mancher Bundesligist.

Trainer Thomas Hoßmang sprach in den zurückliegenden Wochen und Monaten oft von einem Matchplan. Auszumachen war er schwerlich. Bleibt nur die Schlussfolgerung: Entweder die Spieler verstehen ihn nicht – oder, vage Vermutung, es gab gar keinen. Zwar regte sich, als noch Zuschauer zugelassen waren, schon Kritik an der Trainer-Arbeit. Einen Wechsel auf dieser Position – es wäre dann der fünfte binnen gut zwei Jahren – hat der Verein bislang nicht vollzogen. Vielleicht auch aus der Erkenntnis heraus, dass man in der Kaderplanung wiederholt danebengelegen hat, die nötige Qualität in der Breite einfach fehlt. Denn traut man den eigenen Profis mehr zu, ist mit dem Coach an der Seitenlinie üblicherweise schnell der Sündenbock gefunden.