2020 – Wohin geht die Reise?

Reisen und Ausflüge, wie wir sie bislang gewohnt waren, sind aufgrund der Corona-Krise vorerst nicht denkbar. Nach anfangs düsteren Aussichten für den Sommer und drastischen Maßnahmen wurden die Einschränkungen inzwischen gelockert. Alles bereit für den Strandurlaub? | Von Tina Heinz

Unterwegs sein gehört wohl zu den Lieblingsbeschäftigungen der Bundesbürger – die Deutschen verreisen gern und oft. Tendenz steigend … bislang. Wie einer Grafik des Statistischen Bundesamtes zu entnehmen ist, unternahmen die Bundesbürger 2009 64,8 Millionen Urlaubsreisen mit einer Dauer von fünf Tagen oder länger. Im vergangenen Jahr waren es sogar 70,8 Millionen. Die Anzahl der Kurzurlaubsreisen (zwischen zwei und vier Tage) im selben Jahr ist ebenfalls beachtlich: circa 88 Millionen. Etwa 73,1 Milliarden Euro gaben die Deutschen dabei laut Statistischem Bundesamt 2019 für ihren Urlaub aus – durchschnittlich 1.033 Euro pro Person und pro Reise. Nach den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie werden die Zahlen für dieses Jahr sicher ganz anders aussehen. Das seit Mitte März geltende Beherbergungsverbot für Privatreisende wirkte sich drastisch auf den Monat aus: Die Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland nahmen im Vergleich zum März 2019 um 67 Prozent auf 2 Millionen ab. Die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem Inland verringerte sich um 50 Prozent auf 13,6 Millionen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Jetzt, da die Bestimmungen allmählich gelockert werden, könnten die Zahlen für die Sommermonate deutlich besser aussehen – zumindest besser als im März, April und Mai. Doch wohin soll die Reise gehen? Sind die Deutschen vorsichtiger geworden und bewegen sich lieber in heimischen Gefilden? Oder sind sie froh, die kurzzeitig eingebüßten Freiheiten bald auch wieder im Ausland – natürlich unter Umsetzung der geltenden Hygienevorschriften – genießen zu können? Das beliebteste Reiseziel der Bundesbürger im vergangenen Jahr war: Deutschland. 26 Prozent der Urlauber (Statistisches Bundesamt) verbrachten die schönste Zeit des Jahres innerhalb der Landesgrenzen. An erster Stelle in Mecklenburg-Vorpommern (5,1 Prozent), gefolgt von Bayern (4,6 Prozent), Schleswig-Holstein (4,2 Prozent), Niedersachsen (3,4 Prozent) und Baden-Württemberg (2 Prozent). Nach Deutschland als beliebtestes Reiseziel steht Spanien an zweiter Stelle (12,7 Prozent). Es folgen Italien (8,7 Prozent), die Türkei (6,3 Prozent) Österreich (4,7 Prozent) und Griechenland (4,1 Prozent).

Ob es empfehlenswert ist, die erstbeste Gelegenheit zu nutzen, um mit dem Flieger Richtung Süden zu starten, bleibt fraglich. Zumindest besteht die Möglichkeit, da zahlreiche Anbieter bereits in den Startlöchern stehen – so auch TUI. „Ab Ende Juni wollen wir pünktlich zu den Sommerferien wieder fliegen“, erklärte Vorstandschef Fritz Joussen im Gespräch mit der „Rheinischen Post“. So soll der Flugverkehr nach Mallorca wieder aufgenommen werden. Österreich, Griechenland, Zypern, Kroatien, Bulgarien seien ebenfalls vorbereitet. „Die Hotel-Saison soll dort spätestens am 1. Juli starten“, sagte Joussen, der auch mit günstigen Preisen rechnet. „Grundsätzlich haben alle Länder viel freie Kapazität 2020. Das sorgt für günstige Angebote. Aber einige Regionen wie Deutschland sind jetzt in den ersten Wochen besonders begehrt, da sieht es also umgekehrt aus“, so Joussen gegenüber der „Rheinischen Post“.
Sowohl die Statistik als auch die Entwicklungen in der Corona-Krise sprechen für einen Urlaub in heimischen Gefilden. Noch bis zum 14. Juni gilt die vom Auswärtigen Amt erlassene weltweite Reisewarnung – Stand: 25. Mai 2020. Was danach kommt, ist ungewiss. Auch wenn die Ferienflieger pünktlich zur Sommerreisezeit den Transport ermöglichen, variiert die Situation von Land zu Land. Das betrifft die Hygienemaßnahmen wie auch die Öffnung gewisser Einrichtungen und touristischer Attraktionen sowie die Quarantänebestimmungen. Also doch lieber Urlaub an der deutschen See, in der Sächsischen Schweiz, im Schwarzwald oder in den bayrischen Bergen?

Hotels, Ferienwohnungen und Pensionen konnten sich schon in den vergangenen Jahren nicht über Gästemangel beklagen. Das wird sich 2020 noch verschärfen, denn die Unterkünfte dürfen nicht voll belegt sein. Damit die Hoteliers, Pensionsbetreiber und Vermieter von Ferienwohnungen im Zuge der Corona-Krise nicht noch mehr Geld verlieren, ist davon auszugehen, dass die Preise für die Unterkünfte deutlich steigen werden. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet, wurden bei HomeToGo, einer Suchmaschine für Ferienwohnungen, die Preisentwicklungen an beliebten deutschen Reisezielen seit Jahresbeginn untersucht. Demnach seien die Durchschnittspreise seit Januar um zehn Prozent gestiegen, wobei deutliche Aufschläge an der Küste zu verzeichnen sind. „Um fast 90 Prozent stiegen die Preise für ein Ferienhaus im Juni für vier Personen auf der Nordseeinsel Spiekeroog“, heißt es in dem Beitrag vom 3. Mai 2020. Auch auf den anderen Ostfriesischen Inseln, auf der Insel Poel, auf Norderney und in weiteren Orten an Ost- und Nordsee seien die Preise für Unterkünfte um 10 bis 15 Prozent gestiegen. Ein Preis, den man gern zahlt, wenn man aufgrund der Corona-Abstandsregeln ein paar Quadratzentimeter mehr Platz um das Handtuch, die Liege oder den Strandkorb hat?

Vielleicht gefällt dir auch