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Römers Reich:
Forderungs-Paradoxien

Axel Römer

Der menschengemachte Klimawandel ist in aller Munde. Firmen überschlagen sich, auf ihre nachhaltigen und klimafreundlichen Produkte hinzuweisen. Die EU will jetzt allerdings gegen irreführende „grüne Werbung“ vorgehen. Denn wer Gutes predigt, muss noch lange nichts Gutes tun. Wir sollten auch wissen, dass die Lebens- und Produktionsweisen der reichen Industrienationen auf dem Rücken der Menschen auf der südlichen Erdhemisphäre stattfinden. Für die Klimafolgeschäden im Süden sollen die Länder im Norden nun Ausgleichszahlungen leisten. Allein solche Beeinträchtigungen in Geldwert zu berechnen – da wird wohl nur eine Lösung in einer Gleichung mit vielen Unbekannten aufgehen.


Ich möchte hier noch auf eine andere Logik solcher Forderungen aufmerksam machen. Es erscheint richtig, dass der Reichtum des Nordens für den ärmeren Süden aufkommen sollte. Nur würde das Einlösen dieser Zahlungen erfordern, dass der Norden reich bliebe. Das wiederum würde heißen, dass wir – zumindest was die Kapitalmechanismen beträfe – weiterhin hohe Überschüsse produzieren müssten. Gleichzeitig müssen gewaltige Investitionen in Energieerzeugung und Produktionsweisen geleistet werden.


Noch ein weiterer Aspekt müsste in der Rechnung von Klimafolgeschäden berücksichtigt werden. Schon jetzt wird manche Migration häufig mit der Klimaentwicklung in Zusammenhang gebracht. Und natürlich stellt sich der Westen verschiedentlichen menschlichen Wanderungsbewegungen aus dem Süden in den Norden. Vor allem wegen der demografischen Entwicklung sei ja schon Zuwanderung wichtig. Schließlich verschärft sich die Suche nach Fachkräften.


Das erste Paradoxon, das inzwischen sichtbar ist: In Deutschland leben durch Zuwanderung so viele Menschen wie nie zuvor in der Geschichte. Die Fachkräftenachfrage indes steigt weiter. Zweites Paradoxon: Menschen, die hierzulande leben, haben ein Recht auf eine angemessene Existenzgrundlage. Diese wiederum ist, wie am Anfang schon benannt, wesentlich umfangreicher als in den meisten Ländern auf der Süderdhalbkugel und folgt völlig zurecht statistisch aus dem Lebensstandard hierzulande. Um diesen Standard, die sozialen Leistungen gegenüber Migranten und anderen Menschen, die Unterstützung benötigen, aufrechterhalten zu können, muss die Gesellschaft enorme Überschüsse produzieren. Hoffentlich schaffen wir das unter den hehren Zielen zu Verzicht.
Nun könnten wir enorm viel Geld freimachen, indem die Ausgaben für Rüstung eingestellt würden. Wie allerdings kann dann dem Kriegsherrn Putin Paroli geboten werden? Die Forderungen für Waffen- und Munitionslieferungen erscheinen einer Menge Menschen moralisch geboten. Ich gebe zu, gegenüber den gedanklichen Paradoxien fühle ich mich ziemlich hilflos und habe auch keine Lösung parat. Ich weiß nur, dass eine wohlmeinende Forderung nicht zwangsläufig zur besten Lösung führt.

Seite 3, Kompakt Zeitung Nr. 225