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Römers Reich:
Im Licht wird Finsternis

Axel Römer

Geht das Christentum seinem Ende entgegen? Sie meinen, das wäre weit hergeholt. Nun, im US-amerikanischen Bundesstaat Utah wird die Bibel aus den Grund- und Mittelschulen entfernt. Ein Elternteil hatte darin pornografische und unanständige Inhalte beanstandet. Außerdem würde mit der Heiligen Schrift „sexuelle Amoralität“ verbreitet. Wehret den Anfängen, möchte man ausrufen.


Nun sehe ich mich eher als Agnostiker oder Atheist. In der Schulzeit hatte man mir und meinesgleichen eingebläut, dass Religion laut Karl Marx Opium fürs Volk sei. Mit Hexenverbrennungen, Kriegen im Namen des wahren Gottes, Missbrauchsskandalen und Wissenschaftsleugnung hat sich die christliche Kirche historisch wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Auch hing sie immer am Rockzipfel der weltlichen Macht. Über die Endphase des Niedergangs der   Christenkirche, der vielleicht im Aussortieren der Bibel seinen Anfang nimmt, müsste man aus meiner Sicht gar nicht traurig sein. Doch was ist, wenn eines Tages wegen der grausamen Geschichte Aktivisten einen Abriss der Symbole, der Dome, Kathedralen und Kirchen fordern würden?


Ein Widerspruch in dieser Entwicklung schürt meinen Widerspruch. Im Koran stehen keine besseren Inhalte als in der Bibel. Das Alte Testament, als Bibel-Bestandteil und Buch des Judentums, wäre ebenso Teil eines Verbotes. Man müsste das Vorenthalten des Alten Testaments als Antisemitismus verurteilen. Was also „besorgte Eltern“ ihren Kindern nicht zumuten möchten, wäre bei uns ein Eingriff in die durch die Verfassung garantierte Religionsfreiheit. Wer aus Furcht vor schlimmen Bibel-Texten das Buch verbannen möchte, sollte gleichsam Pornoseiten im Internet ausmerzen und gegen Gewaltdarstellung in Filmen und Videos, die im Kino, TV oder online laufen, eintreten. Krieg führt man heute im Namen von Demokratie und Freiheit. Ob das Töten dadurch besser wird?


Mit dem Argument, für sexuelle Aufklärung zu sein und Vielfalt sozialer Geschlechterrollen zu vermitteln, wollen einige im Grundschulalter sexuelle Vorstellungen vermitteln, die Kinder in diesem Alter ohne Erfahrungswelt nur sehr abstrakt aufnehmen können. Der Aufklärungsgedanke kann in spätere Ablehnung einer Geschlechterrolle münden und damit genau das Gegenteil des Wollens hervorrufen.


Der Glaube daran, dass die Menschheit heute mehr wissen würde, ist weit verbreitet. Mir scheint, es gibt da eine gegenteilige Entwicklung. Über Marken, Influencer, Unterhaltungsinhalte und andere lebensunwichtige Dinge wird offenbar mehr gewusst als über den geschichtlichen Fortgang. Doch ohne das Wissen über historische Zusammenhänge, die zeigen, woraus Progressives oder Destruktives entsteht und dass das Eine ins Andere münden kann, werden die Konflikte zunehmen. In Sachen destruktiver Ergebnisse sind wir indes ein gutes Stück vorangekommen. Deshalb wiederhole ich: Wehret den Anfängen. Die dunklen Kapitel der Menschheit und deren Dokumente müssen verteidigt werden, sonst proklamiert Gott eines Tages im Licht von moralischen Verboten: Es werde Finsternis!

Seite 3, Kompakt Zeitung Nr. 234

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