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Serie zur Entstehung des Gebäudes am Breiten Weg.

Teil 7: Das „Ottonianum“

Das ehemalige Reichsbankgebäude am Breiten Weg während der zweijährigen Umbauphase. Foto: Andreas Lander

Durch den spektakulären Fund des Bleisarges mit den Gebeinen von Ottonen-Königin Editha kam die Idee auf, ein spezielles Museum für verschiedene Domfunde einzurichten. Aber wie und wo? Die Idee zu einem Dommuseum im direkten Umfeld des Domes entsteht und gleichzeitig werden in Magdeburg Forderungen laut, dass eine solche Einrichtung ein vom Land getragenes Museum sein sollte. Tatsächlich fasst die damalige Landesregierung im Januar 2010 einen Beschluss, der finanzielle Zuweisungen verspricht.


Seit Mitte der 2000er Jahre hatte die Bundesbank versucht, das nicht mehr benötigte Staatsbankgebäude zu veräußern. 2009 wurde es der Stadt als auch dem Land angeboten. Damals lehnten beide mangels einer Verwendungsidee ab. Erst die Idee zum Dommuseum lässt das Interesse wieder aufflackern. Das scheinbar perfekte Haus vorm Dom hatte nur einen Haken. Bereits Ende 2009 hatte die Bundesbank einen Kaufvertrag mit dem bayerischen Unternehmer Andreas von Schuttenbach geschlossen, der das Gebäude für seine Ikonensammlung aus dem 13. bis 17. Jahrhundert nutzen wollte.  Deshalb macht das Land Sachsen-Anhalt sein Vorverkaufsrecht der öffentlichen Hand für die denkmalgeschützte Immobilie geltend. Der Käufer klagt dagegen. Das Verwaltungsgericht gesteht dem Land kein Vorverkaufsrecht zu. Ein angeordnetes Mediationsverfahren scheitert im Herbst 2012.


Bei einer im Dom laufenden archäologischen Grabung kommen inzwischen weitere bedeutsame Funde ans Licht. Oberbürgermeister Lutz Trümper möchte sich mit den gescheiterten Verhandlungen nicht zufriedengeben. Er schreibt persönlich an von Schuttenbach. Und es gelingt ihm während eines Besuchs des Unternehmers in Magdeburg, ihn von seinen Plänen abzubringen. Bekannt wird dann auch, dass der vereinbarte Kaufpreis in Höhe von 670.000 Euro bisher nicht entrichtet wurde. Von Schuttenbachs Rechtsanwalt erklärt, man habe dem Kultusministerium angeboten, es könne in den Kaufvertrag mit der Bundesbank eintreten. Die Einrichtung eines Landesdommuseums wäre möglich gewesen. Das Ministerium räumt 2013 ein, dass das Geld für anderweitige Zwecke gebunden war. Der Kauf war zum Zeitpunkt nicht möglich. Als Reaktion darauf fasst der Magdeburger Stadtrat im Mai 2013 den Beschluss, in den Kaufvertrag einzutreten und erwirbt die Immobilie.


Eineinhalb Jahre später legt die Stadt ein Konzept vor, wie das Dommuseum in städtischer Regie, aber in enger Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und der Stiftung Dome und Schlösser Sachsen-Anhalt geführt werden könne. Per Immobilientausch gehen Grundstück und Gebäude an die kommunale Wohnungsbaugesellschaft, die schon länger mit ihrer Unternehmenszentrale in die Innenstadt ziehen möchte und im Obergeschoss ihre Hauptverwaltung einrichten will. Die Stadt wiederum benötigt die alte WOBAU-Zentrale am Wilhelm-Höpfner-Ring für die Zusammenführung des Sozialamtes. Das war eine glückliche Fügung.


Peter Lackner, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft, erinnert sich noch gut an das Grau in der Stadt in den Wendejahren. „Wenn man Magdeburg von heute mit damals vergleicht, dann kann man nur feststellen, dass sich gewaltig etwas verändert hat“, sagt Peter Lackner. Sichtbar wird diese Veränderung in der Innenstadt beispielhaft mit der Umnutzung des ehemaligen Bankgebäudes.
Mit der Erteilung der Baugenehmigung am 26. Mai 2015 beginnt der Umbau. Und das war eine knifflige Angelegenheit. „Es ging darum, die bisherige Funktionalität umzudrehen. War es früher ein geschlossenes Haus, bei dem die Sicherheit im Vordergrund stand, musste es nun ein offenes werden“, so Peter Lackner. Im Gebäude steckt erhebliches ingenieurtechnisches Knowhow. Fahrstühle wurden eingebaut, um Barrierefreiheit zu gewährleisten. Ein Ideenwettbewerb sollte die pfiffigsten Lösungen bringen. Es gab sogar den Vorschlag für einen unterirdischen Eingang mit Tunnel in den Tresorbereich. Auch über einen Anbau wurde nachgedacht. Den überzeugendsten Entwurf lieferte das Architekturbüro Dr. Ribbert, Saalmann und Dehmel, das bereits bei der Umnutzung des „Haus des Handwerks“ eine gute Referenz vorzuweisen hatte.


Zu den offensichtlichsten Änderungen gehört die neue Konferenzetage, die sich als futuristischer Aufsatz über dem Südflügel deutlich vom Baukörper absetzt. Der Konferenzraum verfügt über die größte Panoramaglasscheibe in Magdeburg. Sie eröffnete einen Premiumblick auf die Turmfront des Doms. Die Konferenzetage verfügt über einen separaten Eingang am Domplatz und kann dadurch auch für externe Veranstaltungen genutzt werden.


Ebenfalls eine sichtbare Änderung: Über dem Eingangsportal hat seit Anfang 2017 wieder die ursprüngliche Reichsadlerfigur ihren Platz. Die ursprünglich 1,4 Meter große Figur aus Basalt wurde nach 1945 entfernt und stand jahrelang auf dem Wirtschaftshof im Zoo und anschließend auf der Wiese vor dem Magdeburger Tierheim.

 

Im Dommuseum und dessen Depot wurde eine moderne Lüftungsanlage eingebaut, mit der auch die Luftfeuchtigkeit in den Räumen kontrolliert und geregelt werden kann. Dass das Ottonianum heute als öffentliches Gebäude historische Schätze zeigen und bewahren kann, ist den Ideen und dem Engagement vieler zu verdanken. Den kommunalen Akteuren, den WOBAU-Mitarbeitern und den Mitgliedern des Fördervereins. Am 3. November 2018 wurde die Eröffnung des Dommuseums gefeiert, pünktlich zum 1.050-jährigen Jubiläum der Gründung des Erzbistums Magdeburg.


(Auszüge aus dem Heft „Breiter Weg Nr. 1“, herausgegeben von der Wobau; Text- und Fotoabdruck mit freundlicher Genehmigung)

Seite 9, Kompakt Zeitung Nr. 235

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