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Standpunkt Breiter Weg: Neben der Wirklichkeit

Von Thomas Wischnewski

Je häufiger und länger wir auf Bildschirme blicken, umso weniger Gelegenheit bleibt, Aufmerksamkeit für das unmittelbare soziale Umfeld zu entwickeln. Inzwischen sollen Forschungsarbeiten vielfach die negativen Seiten des Online-Universums aufdecken. Konstatiert wurde so auch, dass Pandemie und Ukrainekrieg häufiger Angststörungen verbreitet hätten. Dies wäre jedoch ohne die Echtzeit-Informationsflut via Internet gar nicht möglich. Und noch eines darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden. Die Onlinewelt kann sich nur in so großem Potenzial verbreiten, weil eben so viele Millionen oder weltweit gar Milliarden Konsumenten der geteilten und kommentierten Nachrichten sind. Nun wird empfohlen, solcherlei Angststörungen mit therapeutischen Digitalangeboten zu begegnen. Also den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Egal, welche Inhalte auch immer über Bildschirme huschen. Lösung und Problem von allem sitzt vor dem Gerät und nicht darin. Das scheint oft genug vergessen, wenn darüber diskutiert wird, was alles Verbreitung findet.


Es ist wahrscheinlich, dass noch mehr Informationen im Internet Platz finden und Wege zu Nutzern, die eine Mehrheit als krude, falsch oder besonders manipulierend beurteilen würde. Das liegt auch daran, dass mehr Menschen öfter bzw. länger die Verbreitungskanäle nutzen, nicht ausschließlich an den „Nachrichten-Erfindern“.
Ebenso werden Ursachen für eine fortschreitend politische Spaltung der Gesellschaft in der Medienwelt gesehen. Aber Medien selbst haben in der Regel keine Information erfunden, sondern kommentieren sie, verdrehen sie möglicherweise, reißen sie aus dem Zusammenhang oder reduzieren sie auf einen Kern abseits realer Fakten bzw. blasen eine Information durch Bilder, Wortwahl und Stimmlage auf. Und wer dann in der Glaubensblase der einen oder anderen Sichtweise bleibt, wird eine Gegenposition kaum annehmen. Was helfen dann die täglich tausendfach verbreiteten Argumente, die der eigenen Meinung entsprechen sollen und nur Widerhall bei den Gesinnungsgleichen finden. Weder nutzt das was, noch ändert es etwas. Es verstärkt nur den Eindruck, dass die Welt immer verrückter würde. Schon ist die Online-Wahrnehmung mit der realen Welt verbunden worden.


In dieser Hinsicht hat sich jeder selbst ins Netz eingewickelt, obwohl dann ständig auf das Internet geschimpft wird und die vielen anderen, die dümmer oder unwissender als man selbst durchs Leben gingen. Das ist wie, das TV-Gerät anzuschalten und aufs Programm zu meckern, weil man gerade selbst keine bessere Idee für den Moment hat, als Fernsehen zu schauen.

 

Ohne den Anteil an Selbstverführung sind die Sichtweisen auf die Informationswelt gar nicht möglich. Wer meint, die Welt würde immer „verrückter“, vergisst, dass das schon jede Generation mal so empfunden hatte. Die eigentliche Gefahr von politischer Radikalisierungstendenz geht immer noch vom eigenen Kopf aus, der sich schneller fangen lässt. Weniger Online, mehr bei den Seinen, den täglichen Aufgaben und Herausforderungen und es würde weniger Angst und mehr Wirklichkeit in die Wahrnehmung einziehen. Aber das ist leider neben der Wirklichkeit.

Seite 2, Kompakt Zeitung Nr. 240

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