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Schneewittchens Tanz in Fantasy

Ein Märchen für die ganze Familie steht zum Start in die zweite Spielzeit des Balletts unter Leitung von Jörg Mannes am Theater Magdeburg auf dem Spielplan. In neuer Fassung und mit einigen Überraschungen wird „Schneewittchen“ auf die Bühne gebracht.

Chiara Amato (l.) ist als Königin zu erleben und Louise Curien als Schneewittchen im Ballett um die Märchenprinzessin. Foto: Andreas Lander

Jörg Mannes ist für zeitgenössische Inszenierungen bekannt, wie modern wird seine Version vom klassischen „Schneewittchen“-Märchen werden? Bereits in Hannover hatte er es in spektakulärer Weise auf die Bühne gebracht. Doch die Magdeburger Aufführung wird noch einmal eine ganz andere, verrät er im Kompakt-Gespräch. Die Uraufführung ist angekündigt mit einer komplett anderen Musik (von Giovanni Sollima, Elena Kats-Chernin und Michael Nyman), einer anderen Choreografie, Konstellation und anderen Ideen.


Es wird märchenhaft-modern, kündigt Jörg Mannes an. „Wir wollen eine Märchenwelt, die Bezüge zum Jetzt hat“, sagt er, „aber nicht offensiv und nicht direkt.“ Das Märchen bietet sich dafür an, mit den Bezügen zur Gegenwart zu spielen. War es früher der Spiegel, in dem sich die Königin immer wieder Selbstbestätigung holte, so sind es heute die Selfies im Handy, sieht Jörg Mannes Parallelen. Das gehörte zu den Gründen, warum er dieses Märchen für seine Familieninszenierung auswählte. Sie ist geeignet für Besucher ab 6 Jahre. Für sie wird „es eine lustige Geschichte, die für Kinder nachvollziehbar ist und ihre Fantasie anregt“. Gleichzeitig enthält sie Details, die für Erwachsene interessant sind und Platz für Assoziationen bieten. „Es wird verspielt und enthält Slapstickartiges, gleichzeitig Träumerisches, in der Welt der Königin“, macht Jörg Mannes neugierig.


Es gibt Bekanntes ebenso wie Neues zu erleben. So geht die Choreografie der Frage nach, wer die Zwerge heute sind. Wirklich knuffige Kerlchen oder eher Outlaws? Für Jörg Mannes sind es „Außenseiter, die nicht so einfach ins normale Leben passen und sich ihre eigene Welt geschaffen haben.“ Das kann sehr lustig sein, verrät Jörg Mannes, denn „sie sind Robin-Hood-mäßig unterwegs“. Außenseiter – das sind im Hofstaat der Königin ebenso wie heute nicht nur Männer, und so wird auch gender-gemischt getanzt.


„Wir übersetzen die Geschichte auf unsere Art“. Dabei wird dem Prinzen mehr Platz gegeben als im bekannten Märchen, in dem er nur am Ende kurz erscheint. Im Ballett kommt er bereits früher ins Spiel – weil ihm die „Zwerge“ die Krone klauen. Auf der Suche danach gerät der Prinz an den Hof der Königin, die ihn verführen will … Und so wird das klassische Märchen ergänzt durch neue Situationen, die eine unterhaltsame Komik einbringen.


Die Inszenierung verspricht Charme und Witz, märchenhaft Bekanntes ebenso wie Überraschungen. Das Gesamtwerk von Bühne, Kostüm und Videoprojektionen soll die Besucher in eine Fantasiewelt entführen. Dazu hat Jörg Mannes den Videokünstler Philipp Contag-Lada ins Team geholt und die Kostüme sind von Louise Flanagan, die u. a. für den Märchenfilm mit Julia Roberts Kostüme nähte.


Mit großer Ernsthaftigkeit und Präzision wird die Uraufführung vorbereitet. Damit sie auf der Bühne locker und unterhaltsam präsentiert werden kann. Jörg Mannes kündigt an: „Es wird ein unterhaltsamer Spaß.“

 

„Schneewittchen“, Ballett von Jörg Mannes, Uraufführung am Samstag, 30. September 2023,
19.30 Uhr, Opernhaus. Tickets an der Theaterkasse oder unter www.theater-magdeburg.de

Seite 14, Kompakt Zeitung Nr. 241