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Die Vermessung des Gedächtnisses

Wie entsteht eine Erinnerung? Mit dem EEG lassen sich elektrische Potenziale ableiten, die sich beim Lernen und Speichern von Erfahrungen im Gehirn ausbreiten. Foto: 123rf.com

Unser Gedächtnis macht uns aus: Es bestimmt unsere Individualität, verortet uns in der Welt und lässt uns aus Erfahrungen Handlungsstrategien für die Zukunft ableiten. Wir fürchten uns davor, im fortgeschrittenen Alter das Gedächtnis zu verlieren und damit auch unser Wissen, unsere Lebensgeschichte und unseren Erfahrungsschatz einzubüßen. Doch was macht das Gedächtnis aus? Ist es eine Einprägung im Gehirn, eine Art Gravur auf der inneren Festplatte, oder ein zellulärer Automat? Wie ist die langanhaltende strukturelle Veränderung im Hirn, das Engramm, beschaffen?


Die moderne neurobiologische Forschung liefert Antworten auf diese Fragen, indem sie mit elektrophysiologischen und optogenetischen Methoden und mit molekularen Engramm-Technologien die spezifische Spur, die eine Erfahrung im Gehirn hinterlässt, identifiziert. Dadurch ist es möglich, die elektrische und metabolische Aktivität individueller Nervenzellen bzw. kleinerer und größerer Netzwerke von Neuronen bis hin zu komplexen Mustern weit verteilter Gehirnaktivität sichtbar zu machen und so die einzelnen Elemente einer inhaltsspezifischen Gedächtnisspur zu beschreiben. Dabei kam Erstaunliches zu Tage: Selbst an scheinbar simplen assoziativen Erinnerungen können weit verteilte Hirnnetzwerke beteiligt sein, die als komplexes Engramm fungieren. Bei jedem Abruf werden die Gedächtnisinhalte wieder in eine labile und modifizierbare Form überführt und können neu konsolidiert werden. Wenn bei der Bildung einer neuronalen Gedächtnisspur Synapsen zwar miteinander verknüpft, aber nicht durch den Einbau neuer Moleküle verstärkt werden, so spricht man vom „stillen Engramm“ – die Erinnerung ist zwar da, aber nicht abrufbar. Und: Durch gezielte Stimulationen eines solchen Engramm-Netzwerkes im Gehirn von Mäusen kann quasi eine künstliche Erinnerung erzeugt werden.


Auf Einladung des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Magdeburg e. V. wird Frau Prof. Dr. Constanze Seidenbecher aus dem Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg über ihre Forschungsarbeiten berichten. Der Vortrag lädt ein zu einem virtuellen Besuch im neurowissenschaftlichen Labor und thematisiert auf unterhaltsame Weise, wie das Gedächtnis bei Mensch und Tier vermessen werden kann.


Der Vortrag findet am Donnerstag, dem 12. Oktober 2023, um 19 Uhr im Kaiser-Otto-Saal des Naturkundemuseums (Otto-von-Guericke-Str. 68-73) statt. Der Eintritt ist frei.

Seite 18, Kompakt Zeitung Nr. 241

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