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Römers Reich:
„Gutes“ Energiegewissen?

Axel Römer

Die Lösung all unserer Energieprobleme heißt heute Windkraft. Jedenfalls wird das Thema schneller Ausbau der Windkraftanlagen permanent in Politik und Medien hoch und runter dekliniert. Es geht um die kohlendioxidfreie Energiegewinnung. Von Kritikern wird beispielsweise gern die CO2-intensive Betonproduktion angeführt. 590 Kilogramm Kohlendioxid fallen pro Tonne Zement-Herstellung an. Am Rande sei bemerkt, dass man für ein Megawatt Leistung mit über 1.000 Kubikmetern Stahlbeton-Fundament rechnet. Das entspricht etwa 2.400 Tonnen Zement. Die Leistung heutiger Windräder liegt zwischen 3 bis 6 Megawatt. Man kann schnell ausrechnen, wieviel CO2 für den Bau eines solchen Fundaments in die Atmosphäre geboostert werden.

Der Flächenverbrauch ist ein weiteres Kritiker-Argument gegen den angeblich alternativlosen Windkraftausbau. Was bisher kaum an die Öffentlichkeit kam, ist der Einsatz des Schlüsselelements Neodym. Rund 560 Kilogramm dieser Substanz sind in einem zwei Tonnen schweren Magneten einer Drei-Megawatt-Windanlage verbaut. Neodym gehört zu den Seltenen Erden. 90 Prozent des Neodyms kommt übrigens aus China. Und dass die Förderung und Aufbereitung der Seltenerdmetalle hohe Gesundheitsrisiken bergen, ist hierzulande kaum bekannt. Solche Erzählungen wären wenig populär, will man doch mit Nachdruck die angeblich so umweltschonende Windenergieerzeugung durchsetzen.

Die Mineralien der Erden enthalten Bastnäsit, Monazit und hohe Konzentrationen an Uran und Thorium. Beim Zermalen der Erze werden die Radionuklide als feiner Staub freigesetzt und können über die Atemluft in die Lunge gelangen. Inzwischen wissen Forscher der Universität Hannover, dass die Strahlenbelastung der Menschen rund um die chinesischen Abbaugebiete weit über dem hierzulande geltenden Grenzwert liegt. Den stärksten Belastungen sind natürlich die etwa 6.000 Beschäftigten im Tagebau sowie die 23.000 Bewohner der Bayan-Obo-Minendistrikts ausgesetzt. Selbst in der rund 150 Kilometer entfernten Stadt Baotou atmen die 1,5 Millionen Einwohner radioaktiven Staub ein.

Wie steht es nun wegen der radioaktiven Strahlung bei Abbau und Verarbeitung um die saubere Windkraft? Hierzulande sind natürlich in den Magneten keine radioaktiven Substanzen mehr enthalten. Allerdings müssen wir ehrlicherweise sagen, dass wir, um bei uns „sauberen“ Ökostrom herzustellen, Umwelt- und Gesundheitsrisiken beispielsweise aus dem Rohstoffland China exportieren. Und würde man das neue Lieferkettengesetz konsequent anwenden, dürften wahrscheinlich gar keine Magnete, die mit den Substanzen aus China in Elektromotoren verbaut sind, eingeführt werden. Die Magnete in E-Mobilen müssten auch noch unter die Lupe genommen werden. Mir schwant ein übles Erwachen. Aber so ist das mit den zwei Seiten einer Medaille. Jeder vermeintliche Fortschritt bringt immer auch eine dunkle Erscheinung mit. Mit dem guten Wind-Gewissen sollte man vorsichtig sein, wenn andere Menschen dafür „bluten“ müssen.

Seite 3, Kompakt Zeitung Nr. 242

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