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Ex-Reichsbahndirektion seit 10 Jahren „Demenz Centrum“

Karl-Heinz Kaiser

Vor zehn Jahren bekam das einstige Funktionsgebäude der ehemaligen Reichsbahndirektion eine neue Bestimmung. Als „Demenz Centrum“ erhielt das denkmalgeschützte Haus eine neue Nutzung.

Im September vor zehn Jahren nahm der Berliner Pflegekonzern Vitanas das nach Umbau der ehemaligen Reichsbahndirektion in der Materlikstraße entstandene Demenz Centrum Am Schleinufer offiziell in Betrieb. Das Unternehmen präsentierte damit die erste spezielle Einrichtung dieser Art in Sachsen-Anhalt – ein Meilenstein in der Pflegestruktur der Landeshauptstadt. 127 Plätze für Menschen mit schwerer, mittlerer und leichter Demenz stehen seitdem in 51 Einzel- und 38 Doppelzimmern zur Verfügung.


Unser modernes Haus bereichere seit 10 Jahren die Pflegelandschaft, fülle eine Lücke für den Bedarf Magdeburgs und darüber hinaus, sagte der langjährige Centrumsleiter Heiko Nötzold.  „Die rund 500 stationären Aufnahmen seit 2013 zeigen, dass Vitanas mit dem Projekt auf dem richtigen Weg war und ist. Seit 2017 beträgt die Auslastung mindestens 95 Prozent, oft sei Vollbelegung“, fügte er hinzu. Nötzold hatte 2015 das Haus von Christel Dost übernommen, die sich bei der Etablierung des Hauses Verdienste erworben hatte.  


Zur 10-jährigen Bilanz gehört die enge Vernetzung des Hauses, das sich mit Konzerten und einem Café ins öffentliche Leben einbrachte und auch dadurch Ansehen erlangte. Zusammenarbeit wird mit der Otto-von-Guericke-Universität und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) am Standort Magdeburg gepflegt und im Interesse der Demenzforschung weiter fortgesetzt. Der Centrumsleiter verwies in dem Zusammenhang auf ein drängendes Problem in der überalternden Gesellschaft: Wurden 2013 bundesweit rund eine Million demenziell Erkrankter registriert, sind es heute bereits 1,8 Millionen. Für 2050 werden laut Alzheimergesellschaft 2,8 Millionen Demenzfälle prognostiziert.


„Wir favorisieren das europäisch anerkannte psychobiografische Pflegemodell nach dem österreichischen Pflegeprofessor Erwin Böhm“, ging Heiko Nötzold auf das Alleinstellungsmerkmal der Betreuung in Magdeburg ein. Wie anderen Pflegeeinrichtungen macht dem Demenz Centrum der eklatante Fachkräftemangel zu schaffen. Das Haus steuert eigenständig so gut es geht dagegen an. Nötzold: „Jedes Jahr hatten wir bis zu sechs Azubis in der Ausbildung, 2023 sogar neun.“ Allerdings gebe es zunehmend Fluktuation, auch altersbedingt kommt es zu Fehlstellen. Das große Problem sehe er darin, dass sich zu wenig Jugendliche für den gut bezahlten und anerkannten Pflegeberuf entscheiden, sagte er.


Für den Ausbau des jahrelang leerstehenden repräsentativen Bauwerks für rund 16 Millionen Euro hatte der Investor des Demenz Centrums zu über 90 Prozent Firmen aus Magdeburg und der Umgebung eingebunden. Der Umbau erfolgte unter Federführung der Magdeburger Architektin Ingetraut Kossel. Das sanierte historische Gebäude bereichere auch das Stadtbild, sagte Nötzold, der auf die Geschichte der spätklassizistischen Prachtimmobilie nahe dem Elbufer einging. Um 1840 erster Großbahnhof Magdeburgs, auf dem selbst der Märchendichter Hans Christian Andersen auf den Zug gewartet haben soll, wurde das Haus später Reichsbahndirektion. Nach der Wende stand der Prachtbau leer, weil zu Beginn der 2000er Jahre ein geplantes ehrgeiziges Musical-Projekt scheiterte. Mit den baulichen Aktivitäten von Vitanas hat sich ein optischer Wandel zum Guten in der Stadtsilhouette vollzogen.

Seite 28, Kompakt Zeitung Nr. 242

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