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„Evita ist mehr als die Frau auf dem Balkon“

Birgit Ahlert

Wenn am 11. November „Evita“ am Opernhaus Premiere hat, ist es nicht die erste Aufführung des Musicals, doch die erste unter der Regie des gebürtigen Magdeburgers Matthias Reichwald. Nach 25 Jahren kehrt er an den Ort seiner künstlerischen Anfänge zurück. Mittlerweile ist der Schauspieler und Dozent ein gefragter Regisseur, der für seine frischen Inszenierungen bekannt ist. Eine davon erlebte ein Teil der Magdeburger Intendanz im vorigen Herbst in Dresden („Die Dollarprinzessin“ von Leo Fall). Daraus folgte das Angebot, am Theater Magdeburg „Evita“ zu übernehmen. Eine recht kurze Zeit für so eine Arbeit, betont Matthias Reichwald, und doch freut er sich immens. Evita, so erzählt er, kannte er bereits gut und seit seiner Jugend mochte er die Musik, die über die populären Stellen hinaus komplex, rhythmisch interessant und modern ist. Es gibt ihm aber auch einen „gewissen emotionalen Kick, nach 25 Jahren wieder in diesem Haus zu arbeiten“.


Geboren 1981, wuchs Matthias Reichwald in Magdeburg auf, ging hier zur Schule, in die Musikklasse, sang im Chor, erhielt über zehn Jahre Unterricht in Klavier, Komposition und Chorleitung am Konservatorium, sammelte erste Bühnenerfahrungen im Jugendtheaterklub, bei den Freien Kammerspielen und auf der Bühne des jetzigen Opernhauses. Seinen Zivildienst absolvierte er im Krankenhaus, was ihn emotional sehr geprägt hat, da dort „Freud’ und Leid sehr nah beieinander waren, bis zum Tod“. Danach studierte er an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin und arbeitete ab 1999 als Darsteller u.a. in Magdeburg, Weimar, Halle, am Opernhaus Zürich sowie in Berlin an der Schaubühne, dem Maxim-Gorki-Theater und dem Deutschen Theater. Seit 2009 ist er neben seiner Tätigkeit als Regisseur Ensemblemitglied am Staatsschauspiel Dresden.


In seinem Geburtsort ist der Vater von vier Kindern mittlerweile selten, besucht die Eltern und die Großmutter, manchmal auch das Theater. Die Stadt genauer angesehen hat er erst jetzt, in der Zeit der Vorbereitung auf „Evita“. Sie hat ihn angenehm überrascht, erzählt er. „Es hat sich kulturell, atmosphärisch, auch architektonisch und in der Lebensqualität viel verändert.“ Ebenso Spielorte wie Opern- und Schauspielhaus, das für ihn von Kindheit an ein wichtiger Ort war. „Es ist ein angenehmes Gefühl, wieder da zu sein.“


Mit „Evita“ gibt er sein Magdeburg-Debüt als Regisseur. Das Musical ist ein sehr komplexes Stück, das in Text und Musik vorgegeben ist. Daraus dennoch eine individuelle Inszenierung zu machen, stellt eine Herausforderung dar. Sie variiert von Kos­tümen, Licht bis Bühnenbild, das schnelle Ortswechsel ermöglichen muss, und natürlich in der Choreografie. Szenenweise sind bis zu 80 Personen auf der Bühne zu erleben. Dabei muss der Regisseur den Blick des Publikums auf die jeweils wichtige Handlung leiten. „Zwei Takte können einen wesentlichen Unterschied machen“, erklärt er. In seiner Inszenierung geht es ihm um die vielschichtige Betrachtung der Hauptfigur. „Bei Evita geht es ja immer um diesen Personenkult, sie wird fast als Heilige betrachtet. Aber es gibt viele andere Seiten in ihr, die nicht unbedingt im Fokus stehen, aber im Musical auch auftauchen.“ Neben der politischen Aktivistin ist da die humorvolle junge Frau, die herrschsüchtige, launische, arrogante Frau, die Mode-Ikone, liebende Ehefrau, die kinderlos eine Gebärmutterkrebs-Diagnose bekommt. „Ich möchte eine Geschichte erzählen, bei der zu erleben ist: Evita ist mehr als die Frau auf dem Balkon, die ,Don’t cry for me’ singt.“     

    

Evita: Musical von Andrew Lloyd Webber (Musik) und Tim Rice (Text), Premiere am 11.11.23 am Theater Magdeburg.

Seite 17, Kompakt Zeitung Nr. 244, 7.11.2023

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