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Gedanken- & Spaziergänge im Park: Der Nahe Osten kommt näher!

Paul F. Gaudi

Der Krieg zwischen Israel und der Hamas erschüttert die Welt. Er beschäftigt uns so sehr, dass andere und gleichfalls schlimme Ereignisse wie der Krieg in der Ukraine und die Vertreibung der Armenier aus Berg-Karabach fast in den Hintergrund treten. Dazu kommt die Gefahr, dass diese unseligen Kriege sich weiter ausbreiten. Man fragt sich, welche Ziele mit dem Krieg im Gazastreifen eigentlich erreicht werden sollen. Sicher scheint zu sein, dass die Hamas ihr Kriegsziel schon erreicht hat: nämlich den etwa 75-jährigen oft blutig ausgetragenen Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern wieder in die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit zu tragen. Weder Gerd noch ich können uns nämlich vorstellen, dass das Ziel der Hamas von der Illusion getragen worden wäre, Israel zu besiegen. Das von der Hamas angestellte Massaker unter friedlichen jüdischen Zivilisten hat Israel provoziert, worüber Israel nicht einfach hinweggehen konnte, sondern zu den Waffen greifen musste. Zwangsläufig werden nun Bewohner des Gazastreifens auch unschuldige Opfer, was den Hass der Araber auf Israel und die Juden weiter verstärken wird. Ein zweites Kriegsziel der Hamas könnte sein, die in den letzten Jahren erfolgte Annäherung arabischer Staaten und Ägyptens an Israel zu torpedieren. Auch da zeichnet sich leider ein beginnender Erfolg ab. Insofern hätte die Hamas ihre Kriegsziele schon erreicht. Aber die israelische Politik ist in der Klemme. Sie hat eigentlich keine andere Wahl als den Gazastreifen völlig zu besetzen und die Hamas zu zerschlagen. Ein möglicher Waffenstillstand oder eine Feuerpause würde nur der Hamas nützen. Also muss Israel weiter in den Gazastreifen eindringen. Die dortige Zivilbevölkerung wird riesige Opfer bringen müssen und die Weltöffentlichkeit wird zu einem großen Teil Israel dafür wieder verurteilen. Dabei ist es genau die perfide Strategie der Hamas, ihre Zentralen und Stützpunkte mitten in die städtischen Zentren des Gazastreifens zu platzieren. Dass die Opfer der Zivilbevölkerung so hoch sind, resultiert letztendlich aus der Entscheidung der Hamas, die Einwohner Gazas als Deckung zu missbrauchen.

 

Die deutsche Enthaltung

Die UNO beschloss vor einigen Tagen mit 120 Befürwortern eine von 22 arabischen Staaten eingebrachte Resolution, die eine sofortige Waffenruhe forderte. 14 Länder, darunter die USA, Österreich, Tschechien, Kroatien und Ungarn stimmten dagegen und 45 Nationen enthielten sich der Stimme, darunter auch Deutschland. „Ob das wohl die so lautstark ausgerufene feministische und wertebasierte Außenpolitik ist, die Frau Baerbock so vollmundig postulierte?“, fragte Gerd, „wo sie doch wie auch unser Kanzler stets die unbedingte Unterstützung Israels betont, die, wie von Frau Merkel postuliert, eine unbedingte deutsche Staatsräson sei.“ „Aber was beinhaltet dieses Schlagwort überhaupt? Der Begriff Staatsräson ist weder ein juristisches noch ein völkerrechtliches Faktum, sondern lediglich ein moralisierender politischer Ausdruck, der sich aus unserer faschistischen Geschichte her begründet. Aber gerade, weil in dieser von arabischen Staaten eingebrachten UN-Resolution das Wort Hamas überhaupt nicht vorkommt, hätte Deutschland durchaus auch gegen diese Resolution stimmen können.“


Nach dem Sechstagekrieg 1967 wurde der Gazastreifen von Israel besetzt und von israelischen Siedlern bewirtschaftet. 2005 räumte Israel den Gazastreifen und auch die israelischen Siedler wanderten nach Israel aus. Der Gazastreifen fiel unter die Hoheit der palästinensischen Autonomiebehörde. Allerdings gab es zwischen der palästinensischen Fatah-Partei und der radikalen Hamas unüberwindbare Konflikte, so dass die Hamas im Gazastreifen die alleinige Macht hat, ohne dass sie durch spätere Wahlen jemals demokratisch legitimiert wurde. Seit die Hamas im Gazastreifen regiert, gab es seit 2005 insgesamt schon fünf Gaza-Kriege, ständige kleinere Scharmützel nicht mitgerechnet.

 

Wohin fließt das Geld?

Die wirtschaftliche Basis des Gazastreifens besteht in erster Linie aus handwerklichen Unternehmen und etwas Landwirtschaft. Infolge der seit Jahrzehnten unsicheren Lage konnte sich eine größere und stabile Industrie nie entwickeln. Vor dem Gazastreifen im Mittelmeer befinden sich große Erdgasvorkommen, die natürlich nie näher erkundet oder gar gefördert wurden. Man fragt sich, warum die reichen arabischen Erdölstaaten, die riesige Städte in der Wüste bauen sowie Weltmeisterschaften ausrichten so wenig für ihre arabischen Brüder im Gazastreifen getan haben. Mit der entsprechenden finanziellen Unterstützung und der Verpflichtung zu friedlicher Nachbarschaft mit Israel, wie es am 13. September 1993 von Jitzchak Rabin und Jassir Arafat für Israel und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) in Washington vereinbart wurde, hätte vermutlich auch dieser Landstrich eine gute Zukunft gehabt. Viele Hilfsgelder fließen von der EU, aber auch speziell von Deutschland an die Bevölkerung des Gazastreifens. Gerd bezweifelt, ob diese Millionen, die schon die Milliardengrenze erreichen, wirklich immer so verwendet wurden, wie die Geldgeber es beabsichtigten, nämlich zu Gunsten der Bevölkerung und dem Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur. Nach jüngster Pressemitteilung befindet sich im Gazastreifen und vor allem unter der Stadt Gaza selbst ein riesiges Tunnelsystem von insgesamt etwa 500 km Länge und zum Teil bis zu 40 m Tiefe. Der Bau dieses Tunnelsystems muss über viele Jahre Unsummen gekostet haben und hat sicherlich viele Arbeitskräfte von der Arbeit an der Schaffung einer besseren Infrastruktur abgehalten. Die Frage ist nicht unberechtigt, ob Europa und auch Deutschland unwissentlich diese Anlagen vielleicht mitfinanziert haben. Unwahrscheinlich wäre es nicht, da die Hamas die diktatorische Alleinherrscherin im Gazastreifen ist und es eine Opposition oder Kontrollorgane anscheinend nicht gibt.


Dass der Konflikt, wie in anderen europäischen Ländern, auch auf Deutschlands Straßen ausgetragen wird, davon wurde bereits in der letzten Ausgabe geschrieben. Zu lange wurde der Hass arabischer und muslimischer Mitbürger auf die Juden und auf Israel in den Medien und durch Politiker verleugnet. Viele Vorfälle wurden als „rechtsextremistisch“ und damit als von Deutschen verursacht eingeordnet. Auch jetzt tuen sich viele Politiker schwer damit, einzusehen, dass vor allem in Großstädten muslimische Parallelgesellschaften entstanden sind, für die Judenhass und Israelfeindschaft selbstverständlich sind und deren Kinder diese Haltung natürlich auch in die Schulen tragen. Es gibt durchaus auch andere Stimmen unter dieser Bevölkerungsgruppe, aber diese sind leiser und wurden mit ihren Warnungen überhört und nicht ernst genommen. Gerd erinnerte sich, welche Aufregung es im Blätterwald bei den Kommentatoren gab, als Karl Lagerfeld 2017 in einer französischen Talkshow als Deutscher zu diesem Thema sagte: „Wir können nicht erst Millionen Juden töten und später Millionen ihrer schlimmsten Feinde ins Land holen“ und damit Merkels Einwanderungspolitik von 2015 scharf kritisierte. Man wollte es nicht hören und die es hörten, wurden in die rechte Ecke gedrängt.

 

Brandgefährliche Zeiten

Wir können nur hoffen, dass sich dieser Konflikt, wie die anderen, nicht weiter ausbreitet, denn in vielen arabischen Ländern gibt es radikale und Israel hassende Organisationen, die für kriegerische Aktionen gegen Israel in den Startlöchern stehen. Dazu kommt auch noch der seit fast zwei Jahren andauernde Krieg in der Ukraine. Bei den Großmächten USA und Russland weiß man nie, zu welchen Entschlüssen die Regierenden kommen. Gerd erinnerte daran, dass es an der Zeit wäre, nach 40 Jahren eines stillen Helden zu gedenken, der keinesfalls in Vergessenheit geraten dürfe. Er meint damit den sowjetischen Oberstleutnant Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow (1939 – 2017), der am 26. September 1983 möglicherweise einen dritten Weltkrieg und einen Atomkrieg verhinderte. An diesem Tag war er leitender Offizier in der Kommandozentrale der sowjetischen Satellitenüberwachung. Dieses System meldete kurz nach Mitternacht den Start einer auf die Sowjetunion gerichteten Atomrakete im US-Bundesstaat Montana. Kurz danach meldete das System noch vier weitere Raketenstarts. Es blieb nicht einmal eine halbe Stunde Zeit, um über eine Meldung für einen Gegenschlag zu entscheiden. Unter erheblichem seelischem Druck stehend entschied er, es als Fehlalarm zu interpretieren, da seiner Meinung nach bei einem Erstschlag wesentlich mehr Raketen hätten abgefeuert werden müssen. Am Morgen stellte sich dann heraus, dass das satellitengestützte Frühwarnsystem Sonnenreflexionen auf Wolken in der Nähe einer Basis in Montana, wo in der Tat Interkontinentalraketen stationiert waren, als Raketenstarts fehlinterpretiert hatte. Petrow wurde für seine schwierige Entscheidung weder ausgezeichnet noch bestraft. Eine für sein Handeln erst geplante Ordensverleihung blieb aus, weil die Vorgesetzten, die für die Anfälligkeit des Systems verantwortlich waren, ihr Gesicht wahren wollten. Gerd schloss seinen Bericht mit den Worten: „Beten wir, dass es unter den Offizieren der Supermächte in diesen brandgefährlichen Zeiten auch ein paar Petrows gibt.“

Seite 8, Kompakt Zeitung Nr. 244, 7.11.2023

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