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125 Jahre Opernchor

Im Herbst 1898, vor genau 125 Jahren, begann offiziell die Geschichte des Magdeburger Opernchors als Chor des Stadttheaters. Seitdem besteht er ohne Unterbrechung auch über Kriegszeiten, manche Notlagen und politische Umbrüche hinweg bis zum heutigen Tag. Opern von Wagner, Verdi, Mozart und Puccini gehörten zum gängigen Repertoire. Seit 17 Jahren leitet Martin Wagner den Chor und dessen Geschicke. Gisela Begrich sprach mit ihm.

Herr Wagner, was schätzen Sie besonders am Magdeburger Opernchor?
Eine Wandlungsfähigkeit, die auch das Publikum bemerkt. Da steht nicht immer derselbe Opernchor auf der Bühne, sondern Künstler und Künstlerinnen, die in der Lage sind, in die jeweilige szenische Situation hineinzuspringen.

 

Haben sich die Anforderungen an Chorsänger im Laufe der Zeiten verändert?
Die Musik entwickelt sich und damit auch der Anspruch an die Singenden. Von der Barockoper über die klassische Oper bis hin zur modernen Oper hat jede dieser Stilistiken ihre eigenen Anforderungen. Denken Sie auch an die Entwicklung der verschiedenen Operettenstile bis hin zum Musical, an unserem Theater demnächst „Evita“. Heutzutage sollten Chormitglieder möglichst authentische Darsteller sein, die bestenfalls auch noch tanzen können.

 

Gibt es eine extra Ausbildung für Chorsänger?
Chorsänger werden wie Solisten ausgebildet. Das Studium dauert insgesamt fünf Jahre, also Bachelor und Master. Es gibt aber spezielle Fortbildungsmaßnahmen in Richtung Chorgesang. Der Anspruch ist ein anderer. Niemand könnte den Tannhäuserchor solistisch singen. Das wissen natürlich auch die Komponisten. Eine Gruppe von Berufssängern erschließt andere Möglichkeiten. Unser Opernchor ist eine Gruppe von vielen einzelnen Solist:innen. Die persönlichen Klangvorstellungen wirken sich aus. In den Proben fahnden wir nach einem gemeinsamen Chorklang. Dabei suchen wir die Besonderheiten jedes einzelnen Werks hervorzuholen.

 

Wie entscheiden Sie bei Bewerbungen?
Die Bewerber stellen sich einem sogenannten Vorsingen. In erster Runde bieten sie solistisch zwei Arien. Da zeigt sich auch die Bühnenwirksamkeit der Persönlichkeit. In einer weiteren Folge kommen die Chorstellen dran. Da setze ich mich selbst ans Klavier, um die Affinität fürs Chorfach zu erspüren und wie man miteinander harmoniert.

 

Studieren Sie die unterschiedlichen Stimmlagen getrennt ein?
Das hängt vom Schwierigkeitsgrad des Werks ab. Manchmal fange ich getrennt nach Stimmlage an, manchmal genügt es, Damen- und Herrenchor getrennt einzustudieren.

 

Wie verläuft so ein Probenprozess?
Die Kenntnis des Notenmaterials ist Voraussetzung. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Stück perfekt einstudiert ist. Dann hätten alle schon eine eigene Interpretation im Kopf. Entscheidend sind die ersten drei, vier Proben. Da sitze ich allein am Klavier. Wir gehen dann gemeinsam von Phrase zu Phrase. Ich versuche, meine Begeisterung für das Werk auf die Gruppe zu übertragen. Wenn das gelingt, ist die Grundlage gelegt. Später kommt ein Repetitor bzw. eine Repetitorin dazu und gegebenenfalls auch Sprachmittler. Heute singen wir viele Opern in Originalsprache. Der Text ist das A und O. Er verändert sich durch das Singen. Wenn alle im Text sicher sind, ist es leichter, in die Musik einzusteigen.

 

In welcher künstlerischen Beziehung steht der Chordirektor zum Regisseur?
Ich mache die Einteilung für die Chorgruppen.  Aber wir beraten miteinander. Manchmal wünscht sich die Regie einen besonderen Typ für eine bestimmte Position. Wir überlegen dann gemeinsam. Beim Arrangement spielen auch klangliche Aspekte eine Rolle, z. B. wenn der Chor in verschiedene Richtungen singt. Um dem Publikum von jeder Richtung her den vollen Klang zu bieten, muss man unter Umständen zwei Gruppen bilden.

 

Haben Sie dafür genügend Chorsänger?
Unser Chor besteht aus 34 Sängerinnen und Sängern sowie drei Praktikanten. Für schwere Partien holen wir Profichorgäste aus Mitteldeutschland für die entsprechende Inszenierung. Für manche Produktionen, z. B. der 9. Sinfonie, benötigen wir weitere Verstärkung. Dafür steht die Singakademie, die ich ebenfalls leite, als Extrachor zur Verfügung.

 

Ist ein Vorsingen die Voraussetzung für eine Mitgliedschaft in der Singakademie?
Das wird landauf, landab so gehandhabt und als selbstverständliche Bedingung akzeptiert.

 

In einigen Inszenierungen wie z. B. „Hänsel und Gretel“ oder „Evita“ agieren und singen Kinder auf der Bühne?  Wie finden Sie diese Kinder?
Sie gehören zum Opernkinderchor, den das Telemann Konservatorium in enger Zusammenarbeit mit dem Theater und mir als Chordirektor für Jungen und Mädchen im Alter von 7 bis 12 Jahren anbietet. 

 

Gibt es Probleme, entsprechend den Stimmgruppen Sänger zu engagieren, etwa Tenöre?
Unser Chor besteht aus 10 Sopranen, 8 Altistinnen, 8 Tenören, 8 Bässen. Bis jetzt konnten wir unsere Stellen immer besetzen.

 

Sind die Anforderungen an den Chor bei einer Aufführung der 9. Sinfonie andere als z. B. bei „Fidelio“?
Die 9. Sinfonie gilt in allen Stimmlagen als eine der herausforderndsten Chorpartien überhaupt, weil Beethoven den Text um äußere und innere Freiheit des Menschen mit den maximalen musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten in Bezug auf den Text verbindet. Man muss hoch singen und jubeln, sonst würde man dem Inhalt nicht gerecht. Aber für Opernchöre gehört die Neunte zum Repertoire. Wir brauchen nur wenige Auffrischungsproben. Zur weiteren Verstärkung neben der Singakademie gründen wir seit einigen Jahren einen speziellen Projektchor für die Neunte: Wir laden Sangesfreudige ein, die das Stück schon mal gesungen haben und es mit wenigen Proben bewältigen.
Seit 1961 ist es in Magdeburg Tradition, immer am 16. Januar, dem Jahrestag der Bombardierung der Stadt, die 9. Sinfonie aufzuführen. Die erste Aufführung der Neunten in der Stadt fand übrigens 1855 unter Leitung von Franz Liszt statt.

 

Welche Oper fordert diese Spielzeit den Opernchor besonders heraus?
Das sind Beethovens „Fidelio“, „Der Liebestrank“ von Donizetti, Prokofjews „Die Liebe zu den drei Orangen“ und „Grete Minde“ von Eugen Engel.

Seite 14, Kompakt Zeitung Nr. 244, 7.11.2023

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