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Salongeflüster: Wunderland der Wirtschaft

Wort-Coiffeur Lars Johansen

Sie haben es natürlich mitbekommen, 60 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt sind weg. Das sind 7,50 Euro für jeden Menschen auf dieser Erde. Diese Erdbewohner könnten sich bei mir zu dritt damit einen Haarschnitt teilen. Davon könnten alle Friseure der Welt ganz ordentlich leben. Aber um uns geht es ja dabei nicht, wir haben ja auch noch den weltweiten Hunger und natürlich Kriege ohne Ende. Trotzdem wundert sich die Politik, warum die Zahl der Flüchtlinge steigt. Würden wir für weltweiten Frieden sorgen und allen genug Essen zur Verfügung stellen, dann gäbe es vielleicht viele Gründe weniger, auszuwandern.


Für jeden Deutschen wären das übrigens 732 Euro, also 36 Haarschnitte pro Person. Dreimal im Monat könnte jeder bei mir vorbeikommen, Männer, Frauen, Kinder, alle. Wir wären das bestfrisierte Land der Welt. Reicht ja einmal pro Monat; dazu noch einmal ordentlich essen gehen und das Geld wäre gut angelegt. Da hätten alle was davon: Gastronomie und Friseure würden keine Zukunftsängste mehr haben und die Menschen wären satt und würden gut aussehen. Aber das will das Bundesverfassungsgericht nicht. Denn glückliche Menschen klagen nicht, und sie wären bald arbeitslos.


Na gut, ehrlich gesagt hätte die Ampel das Geld so auch nicht verteilt, sondern nur wieder Intel gefördert. Das fällt jetzt weg. Aber das geht natürlich nicht und so wird es anderswo weggenommen. Das wird sicher nicht der Verteidigungshaushalt sein. Also werden Kultur und Bildung dran glauben müssen. Die Goethe-Institute schließen ja schon in einigen Ländern. Oder, wie sie nach diesen Einschnitten heißen werden, die Göte-Intuten. Denn Bildung können wir uns nicht mehr leisten. Die wird Luxus, so wie Haarschnitte und essen gehen. Und so machen erst die Salons, dann die Gaststätten und am Ende die Bildungseinrichtungen zu. Dumm, hungrig und schlecht frisiert, so könnte die Zukunft aussehen. Da werden die Alten sagen, dass das nach dem Krieg nicht anders war und dass wir jetzt mal sehen können, wie es ihnen damals ging. Na toll. Immerhin kam danach das Wirtschaftswunder, jedenfalls im Westen. Und Westen sind wir ja seit ’89. Da freu ich mich doch und vielleicht mache ich einen Frisiersalon auf.


In diesem Sinne, der Nächste bitte.

Seite 20, Kompakt Zeitung Nr. 245, 22. November 2023

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