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Film verrückt: Tipps von Lars Johansen

In dieser Rubrik möchte ich Filme oder Serien empfehlen, die Sie im Kino oder auf dem Bildschirm zu Hause einmal anschauen sollten. Dabei möchte ich Ihren Blick auf eher Ungewöhnliches lenken. Es wird abwechslungsreich. Der russische Science-fiction-Klassiker „Aelita“ (1924) erscheint dieser Tage in einer sehr wertigen Veröffentlichung des Magdeburger Labels Ostalgica. Dieser äußerst einflussreiche Film beruht auf einer Vorlage von Alexei Nikolajewitsch Tolstoi, dessen Pinocchio- Adaption Burratino vermutlich in den meisten ostdeutschen Haushalten bekannt ist. Aber auch „Aelita“ sollte diesen Status haben, denn der Film ist für seine Entstehungszeit sensationell, auch „Metropolis“ (1927) ist sichtbar beeinflusst durch dieses Werk. Das Bonusmaterial ist sehr informativ geworden und für Fans des Genres gewiss ein zusätzlicher Kaufanreiz. „Heiße Hölle Acapulco“ (1979) dagegen ist, wie der deutsche Titel dezent andeutet (das Original heißt „Sunburn“), ein netter kleiner komödiantischer Unsinn voll vergnüglicher Nichtigkeiten. Wenn Farrah Fawcett, einer der Stars aus „Drei Engel für Charlie“ gegen das Biest aus dem „Denver Clan“, Joan Collins, antritt, dann wissen die Fans, dass es eher nicht so intellektuell zugeht. John Hillerman übt hier schon mal für seinen Higgins aus „Magnum“ und auch sonst kann man viel Spaß haben. Einfach den Kopf ausschalten und man kann viel Freude haben, aber eingeschaltet irgendwie auch.


Und ein Buch ist auch mal wieder dabei, nämlich Daniel Kehlmanns unbedingt lesenswerte Romanbiografie „Lichtspiel“ über einen nahezu vergessenen, aber sehr bedeutenden deutschen Filmregisseur. G.W. Pabst hat in den 20er und 30er Jahren einige Klassiker wie „Die freudlose Gasse“, „Die Büchse der Pandora“ oder „Die Dreigroschenoper“ gedreht. Kehlmann hat sich auf seine Spuren begeben und wer den deutschen Film jener Jahre und die Weimarer Republik verstehen will, der kann sich da einlesen.


Im Kino empfehle ich diesmal „Ein ganzes Leben“, einen deutschen Film, der tatsächlich ein Leben erzählt. Es geht um das Altern und August Zirner spielt einfach richtig gut einen Mann, der sich auf den letzten Weg macht. Ein wenig melancholisch, aber schön anzusehen. Und das im vorweihnachtlichen Moritzhof.

Seite 24, Kompakt Zeitung Nr. 245, 22. November 2023