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Salongeflüster:
Superhelden und der Mittelscheitel

Wort-Coiffeur Lars Johansen

Mittelscheitel ist out. So etwas trägt man 2024 nicht mehr. Ach ja, sind Sie gut rübergekommen? Also in das neue Jahr, meine ich. Alle Welt hat sich ja darüber beschwert, wie teuer alles geworden ist und hat gleichzeitig so viel Knaller eingekauft, dass ich nicht weiß, wer nun der größere Knaller ist, die Regierung mit ihrem Hin und Her oder die Beschwerdeführer. Denn wer so viel Geld für Feuerwerk hat, dem kann es finanziell nicht gar so schlecht gehen. Aber das geht mich nichts an, auch wenn es mich nervt. Trotzdem bin ich da gegen ein Verbot. Wenn sich einer mit Lärm umgeben muss, um sich im neuen Jahr gut zu fühlen, von mir aus. Sind doch erwachsen genug, um selber zu wissen, was sie tun. Und wem es um das Tierwohl geht, der sollte sich fragen, was schlimmer ist: Ein paar Stunden Lärm oder ein ganzes Jahr lang Hunde oder Katzen in kleinen Wohnungen ohne Balkon in einer Großstadt zu halten? Wie einsam ihr auch sein mögt, zieht da keine Tiere mit rein.


Egal, jedenfalls trägt man keinen Mittelscheitel mehr. Der Mittelscheitel ist das frisurentechnische Pendant zu den Superheldenfilmen. Denn diese haben im letzten Jahr so ziemlich alle erbarmungslos gefloppt. Oder können Sie die immer gleiche Handlung noch ertragen, in der die Welt oder das Universum stets kurz vor dem Untergang steht, um dann endlich von einem Superhelden oder einer Superheldin, die jedes Mal persönliche Probleme haben, im letzten Moment gerettet zu werden? Und das mit immer schlechteren Tricks. Die letzten Filme von Marvel bewegten sich tricktechnisch nicht mal mehr auf Mittelscheitelniveau, das war Dauerwelle. Mit kaputter Trockenhaube und schlechten Strähnchen. Bitte, von mir aus, wer’s mag, aber es mag eben keiner mehr. Und so blieben die Kinos dabei leer, denn der Mittel- wurde nun mal zum Seitenscheitel. Oder die Frau trägt gleich den pflegeleichten Bob. Der ist die Barbie unter den Frisuren. Da waren die Kinos nämlich voll. Weil man endlich mal wieder eine feministische Haltung serviert bekam, die sich zugleich überaus unterhaltsam gestaltete. So müssen Frisuren sein. Und Filme sowieso.


Na, in diesem Sinne, der nächste bitte.

Seite 22, Kompakt Zeitung Nr. 247, 10. Januar 2024