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Magdeburger Gesichter: Vorreiter der Denkmalpflege

Von Sabine Liebscher

Samuel Friedrich Heinrich Wiggert, Sohn eines Kaufmanns, wurde 1791 in Möckern geboren. Über seine Familie ist nicht viel bekannt. Er muss verheiratet gewesen sein, denn namentlich sind zwei Töchter, Adelheid Wiggert und Laura Johanna Wiggert, erwähnt. Er besuchte bis 1810 das Magdeburger Domgymnasium und studierte dann in Halle Theologie. 1814 begann er als Lehrer am Domgymnasium in Magdeburg und 1823 ist er als Oberlehrer des Gymnasiums, wohnhaft in der Fürstenwallstraße 17, im Magdeburger Adressbuch aufgeführt. 1835 wurde er zum Professor befördert. 1845 wohnte er in der Domstraße 12, einer Straße, die damals auf das Westportal des Doms hinführte und heute dem Standort des Dommuseums Ottonianum entspricht.


Von 1848 bis zur Pensionierung 1860 war Wiggert als Nachfolger Carl Funks (1781–1857) Direktor des Magdeburger Domgymnasiums. Unter seiner Leitung steigerte sich das Ansehen der Schule. Die Schülerzahl war auf über fünfhundert angewachsen, als Wiggert wegen Schwerhörigkeit in den Ruhestand trat.
Gemeinsam mit dem Maler Carl Sieg, dem Oberbürgermeister August Francke und einigen anderen Magdeburger Persönlichkeiten gründete Wiggert 1835 den Magdeburgischen Kunstverein und war ab 1851 dessen erster Vorsitzender. Zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen des Kunstvereins beendete er diese Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen, und als Dank für seine Amtsführung beschloss das Direktorium, den Magdeburger Maler Edmund Wodick mit einem Porträt des Professors zu beauftragen. Das Bildnis Wiggerts war schon damals für das Magdeburger Museum vorgesehen, kam aber erst 1901 durch Beschluss der Generalversammlung des Vereins in die städtische Sammlung.


Der Pädagoge und Historiker war zunächst Mitglied im 1819 in Schulpforte gegründeten Thüringisch-Sächsischen Althertumsverein, dessen ambitionierte Ziele zur Geschichtspflege in der Region Halle zum Vorläufer der Denkmalpflege wurden. 1865 war Wiggert Initiator für einen gleichartigen Magdeburger Verein. Er war 1866 Mitbegründer und erster Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Altertumskunde des Herzogtums und Erzstiftes Magdeburg. Die Ergebnisse der Forschungen wurden in der Vereinsschrift „Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg“ veröffentlicht. In beiden Vereinen erwarb er große Verdienste um die Förderung regionalgeschichtlicher Forschung. Er widmete sich der altdeutschen Sprachforschung, der Numismatik, der Architektur des Mittelalters, der Siegelkunde sowie der Erforschung der älteren Geschichte der Stadt und Region Magdeburg. Ein im Stadtarchiv teilweise erhaltener schriftlicher Nachlass Wiggerts belegt den regen überregionalen Schriftverkehr mit Wissenschaftlern und Vereinen und seine wissenschaftlichen Auskünfte zu historischen Fundstücken. Er hinterließ eine bedeutende und umfangreiche Sammlung zur Geschichte und Altertumskunde Deutschlands, insbesondere zum Erzstift Magdeburg.


Das Porträt zeigt Prof. Wiggert im Arbeitszimmer inmitten von Büchern und Kunstwerken, wie es von anderen Sammler- und Gelehrtenporträts des 18. und 19. Jahrhunderts bekannt ist. Riesige Folianten füllen den Hintergrund. Zu seinen Füßen liegt eine wertvolle Handschrift mit einem Elfenbeineinband, der in das 12. Jahrhundert datiert werden kann. Wodick setzt den Wissenschaftler eingeengt zwischen die zahlreichen Objekte und vermittelt dadurch einen Eindruck der Aufgabenfülle und der Vielfalt der Forschungen Wiggerts. Seine Sammlungsobjekte kamen als Erbe in den Besitz des Vereins und der Stadt Magdeburg. Durch die Verluste im Zweiten Weltkrieg ist im Kulturhistorischen Museum nichts mehr erhalten.

 

Das Kulturhistorische Museum Magdeburg erinnerte 2021 an Magdeburger Gesichter de­s 19. Jahrhunderts. Die Porträts der Sonderausstellung sind weiterhin in der Kompakt Zeitung zu finden.

Seite 16, Kompakt Zeitung Nr. 249

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