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PIRATENMOLLY oder wie aus Irrsinn Großes entsteht

Von Tina Beddies-Heinz

Molly? Oder Olly? Ach … egal! Hauptsache zur See fahren. Und wenn das nicht als Molly geht, weil die Seefahrt ein hartes Geschäft ist, das von ebenso harten Kerlen bewältigt wird, muss Molly eben als Schiffsjunge Olly anheuern. Schließlich gehen Träume nur in Erfüllung, wenn der Mensch bereit ist, etwas dafür zu tun. Und welchen Weg Molly dabei beschreitet, erzählt das Puppentheater Magdeburg Mitte Februar in der Inszenierung „Piratenmolly, Ahoi!“ für Menschen ab 6 Jahren, die auf dem gleichnamigen Werk von Eva Maria Stüting basiert. 2002 am Volkstheater Rostock uraufgeführt, fand das Stück 2011/2012 seinen Weg ans Theater Altenburg Gera und reiste mit Sabine Schramm (Bild oben), ehemalige Intendantin des Puppentheaters in Gera und seit 2023 neue Intendantin des Magdeburger Puppentheaters, in die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt. Regisseur Tim Heilmann, der die Inszenierung vor mehr als 20 Jahren mit Sabine Schramm konzipierte, sagt, es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis „Piratenmolly“ die Magdeburger Bühne entert. „Das ist Sabines Signature Piece und ebenso beeindruckend wie ihre Solostücke ‚Gefährliche Liebschaften‘ oder ‚Nathans Kinder‘“, meint der 1977 in Bielefeld geborene Germanist und Kunsthistoriker.


„In meiner Heimat hatte ich früh Verbindung zum Theater, habe selbst gespielt und vor dem Abitur den Drang verspürt, in Richtung Regie zu gehen.“ Seine Theaterlaufbahn startete Tim Heilmann als Regieassistent am Theater Aachen.  Nach einer Gastdramaturgie am Deutschen Schauspielhaus Hamburg folgten weitere Lehrjahre als Regieassistent am Landestheater Tübingen und am Volkstheater Rostock. „Das war um die Jahrtausendwende“ erinnert er sich und fügt an: „2003 habe ich als Regisseur und Ausstatter den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt.“ Nach weiteren Stationen – darunter das Theater Regensburg, das Theater der Altmark in Stendal und das Bayerische Staatsschauspiel München – wurde Tim Heilmann 2023 als Leiter der Sparte Puppentheater am Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen berufen.


Anfang der 2000er Jahre habe er viel Kinder- und Jugendtheater inszeniert. „Meine Begeisterung für das Puppentheater habe ich schließlich auch dank Sabine entdeckt. Die erweiterten Möglichkeiten, die das Spiel mit der Puppe bringt, und das Spannungsfeld zwischen Mensch und Puppe – das hat mich besonders fasziniert.“ Dies gelte ebenso für die Inszenierung von „Piratenmolly, Ahoi!“ Als Tim Heilmann von der Entstehung des Stücks erzählt, fällt das Wort „Irrsinn“. Er hält kurz inne und lacht. „Der Irrsinn war dem zeitlichen Druck geschuldet. Die Regisseurin am Rostocker Theater fiel aus, ich bin eingesprungen und habe erfahren, dass wir nicht mal einen Monat bis zur Premiere Zeit haben. Texte wurden gewälzt, Puppenbauerin und Bühnenbauer engagiert – in der ersten Woche hatten wir weniger als fünf Stunden Schlaf. Das Spinnen zahlreicher Ideen hat extrem viel Spaß gemacht und am Ende haben wir ein großartiges Stück auf die Bühne gebracht.“ Es gebe kaum etwas, das er aus heutiger Sicht anders machen würde. Lediglich kleine Anpassungen, schließlich sei Theater ein laufender Prozess und auch die Spieler veränderten sich. „Und natürlich braucht es nicht diesen Irrsinn, um etwas Großes zu schaffen“, schildert Tim Heilmann. „Das ist nicht unser Alltag. Doch die Situation hat mir gezeigt, dass man auch unter bescheidenen Voraussetzungen großartige Leistungen erbringen kann, wenn man gut und auf Augenhöhe miteinander arbeitet.“     

Seite 11, Kompakt Zeitung Nr. 249

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