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Geschichtsorte:
Der Calbenser Bismarckturm
auf dem Wartenberg

Michael Ronshausen

Manchmal liegen sie versteckt im Wald, manchmal sind sie nur auf verschlungenen Wegen zu erreichen. Doch auch unter dem Niveau der großen und bekannten Touristenmagnete finden sich in unserer Region zahlreiche Orte, bei denen sich ein Besuch lohnt. In den kommenden Monaten wird die KOMPAKT ZEITUNG einige dieser oft stiefmütterlich behandelten Ausflugsziele vorstellen. Diesmal führt uns unsere Tour in die Nähe von Calbe (Saale), wo sich seit genau 120 Jahren einer der beeindruckendsten der noch zahlreich vorhandenen Bismarcktürme erhebt.

 

Erinnerungsort und Landmarke, der Calbenser Bismarckturm.
Foto: Paasche

 

Vier Kilometer westlich von Calbe wurde der Turm von 1903 bis 1904 im Stil der damaligen Erinnerungskultur zu Ehren des langjährigen Reichskanzlers Otto von Bismarck auf dem Wartenberg errichtet. Von Bismarck, der 1898 verstorben war, galt bereits zu seinen Lebzeiten als herausragende Gestalt der jüngeren Geschichte und erfreute sich auch nach seinem Tod in nationalkonservativen Kreisen einer großen Beliebtheit. Überall im Deutschen Kaiserreich etablierten sich Bismarckvereine und bald entwickelte sich die Idee, mit im Land verteilten Turmbauten an den verstorbenen Staatsmann zu erinnern. Im Laufe weniger Jahre entstanden im Reichsgebiet 184 Türme unterschiedlicher Bauart, von denen heute noch 146 vorhanden sind. Auch in Calbe, genau genommen im gleichnamigen Landkreis, fand sich bald eine Gruppe von Personen aus Wirtschaft und der regionalen Politik, die das Projekt mit großer Geschwindigkeit vorantrieb.


Hinter dem Projekt standen jedoch nicht nur die üblichen Honoratioren. Wie in Calbe wurden die Bismarcktürme reichsweit fast ausschließlich mit privaten Spendengeldern errichtet. An einer öffentlichen Sammlung hatten sich fast 3.000 Bürgerinnen und Bürger aus 61 benachbarten Orten beteiligt. Mit einer Spendensumme von über 22.000 Mark stand dem Baubeginn nichts mehr im Weg. Noch im Frühjahr 1903 wurde durch den Nienburger Maurermeister Bielitz das Fundament errichtet. Und in Jahresfrist erbaute Bielitz mit seinem Unternehmen auch den Turm, der im März 1904 seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Errichtet wurde der Turm größtenteils mit regional gebrochenem Kalkstein aus der Umgegend von Glöthe. Er erhebt sich – zusätzlich zur Höhe seines Standorts auf dem Wartenberg – mit 30 Metern Bauhöhe und ist dadurch eine bis heute weithin sichtbare Landmarke. Dabei geht der Blick bis zum knapp 80 Kilometer entfernten Brocken und auch der Petersberg nahe Halle ist in 40 Kilometern Entfernung gut zu sehen.


Zur Geschichte des Calbenser Bismarckturms gehört jedoch nicht nur die Erinnerung an den früheren Reichskanzler. Nach dem Zweiten Weltkrieg – und in der Gesamtbetrachtung darf man diesen Umstand durchaus feiern – war Otto von Bismarck in der SBZ/DDR nicht mehr die verehrenswerte Person der vorangegangenen Jahrzehnte. Den Turm auf dem Wartenberg hätte das Schicksal des Abbruchs oder der Sprengung treffen können. Stattdessen wurde er umgewidmet und firmierte für mehr als 40 Jahre als Gedenk- und Erinnerungsstätte der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Inzwischen baulich stark in Mitleidenschaft gezogen, fanden in den späten DDR-Jahren erste Erhaltungsmaßnahmen statt. Diese setzten sich nach der Wendezeit fort, und über etliche Jahre verdiente der Turm als Antennenmast sogar Geld. Zu besichtigen ist das komplett begehbare Bauwerk vom 1. Mai bis zum 3. Oktober, sonnabends von 14 bis 17 und sonn- sowie feiertags von 10 bis 17 Uhr. Weitere Termine vermittelt die Stadtverwaltung in Calbe unter der Rufnummer (039291) 563. Ebenso sehenswert ist der – wenn auch deutlich kleinere – Bismarckturm auf dem Bierer Berg bei Schönebeck. Er liegt nur acht Kilometer entfernt.  

 

Nr. 254 vom 23. April 2024, Seite 38

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