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Römers Reich: Alles unter Strom

Axel Römer

 

Künstliche Intelligenz (KI) – aus diesem Stoff wird die Zukunft gemacht. So wird es landauf und landab gepredigt bzw. gar weltweit. Nun will ich hier gar nicht die Vorteile der Technologie infrage stellen, sondern viel mehr einen Blick auf die Folgen werfen. Das Wort Energiewende wird ähnlich oft betont, um das eingeläutete Zeitalter der Abkehr von fossilen Brennstoffen hervorzuheben.


Seit dem Ausbau von Serverfarmen, um Cloud-Systeme zu betreiben, ist der Strombedarf für Server enorm gestiegen. KI-Technologie soll den Bedarf nun noch einmal um mehr als das 30-Fache steigern. In den USA rechnet man mit einem Anstieg des gesamten Energieverbrauchs um rund 3 Prozent. Die Zeit des Stromsparens und der Energieeffizienz scheint also vorüber. Noch komplizierter wird die Sicherung des Strombedarfs durch die Umstellung auf eine Energieerzeugung durch Wind und Sonne.


Die größten KI-Akteure wie Google, Microsoft, Amazon und Meta sind bereits dabei, ihren Energiebedarf durch Verträge mit Erzeugern zu sichern. Amazon schloss beispielsweise einen Vertrag mit dem Kernkraftwerksbetreiber Talen Energy über die Abnahme von mehr als 1 Gigawatt (GW) Strom ab. Gegenüber dem bisherigen Preis mit einem Aufschlag von 50 Prozent. Die Schattenseite der Stromsicherung für KI-Systeme ist dagegen die Netz- und Versorgungssicherheit für die Normalverbraucher. Zugespitzt hieße das: Amazon kann zwar seine Dienstleistungen jederzeit bereithalten, aber Verbraucher könnten möglicherweise gar nichts bestellen, weil sie zeitweise stromlos dastehen. Gleichzeitig treiben die Internetgiganten mit der Stromnachfrage den Preis nach oben. Vor allem an sehr heißen und sehr kalten Tagen steigt der Strombedarf enorm. Im schlimmsten Fall drohen Stromausfälle. Der steigende Energiebedarf, der in den USA bereits absehbar ist, wird auch vor Europa nicht haltmachen. Und besonders anfällig wird das deutsche Netz sein, dass sich politisch forciert vorrangig aus den sogenannten Erneuerbaren Energie speisen soll.


Ein weiterer Einfluss – egal wie viel Strom wir hierzulande einsparen, beispielsweise durch Rückbau der deutschen Industrie – lässt den Stromverbrauch in anderen Regionen der Welt anschwellen. Auch hier hilft ein Blick auf die USA. Weil man sich dort von China wirtschaftlich unabhängiger aufstellen möchte, verlagern sich Produktionen nach Mexiko. In den vergangenen Wochen war es in verschiedenen Regionen des Landes und auch in Teilen der Hauptstadt Mexiko-Stadt zu Ausfällen gekommen. Der Norden des Landes erlebt geradezu einen Boom des sogenannten Nearshorings. Damit wird der Trend bezeichnet, das Unternehmen ihre Lieferketten näher an den Absatzmarkt USA verlegen. Ähnliche Entwicklungen kann man in Europa beobachten. Allen Voraussagen, dass die Welt Energie einsparen würde, werden sich wohl nicht erfüllen. Denn alles steht unter Strom.

 

Nr. 257 vom 11. Juni 2024, Seite 3

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