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Väter und Söhne

Von Rudi Bartlitz

Die Dzemskis gegen die Schusters – ein durchaus reizvolles Duell zweier Box-Familien aus Sachsen-Anhalt.

 

Vor einem doppelten Vater-Sohn-Duell: Vater Dirk und Marlon Dzemski, Philipp und Vater Uwe Schuster (v.l.). Foto: Peter Gercke

Wenn der Vater mit dem Sohne … Die folgende Geschichte handelt allerdings nicht vom rührseligen Heinz-Rühmann-Film aus den goldenen Fünfzigern, sondern ist im knallharten Box-Geschäft angesiedelt. Und es geht auch nicht um eine Zweier-Beziehung, sondern um einen, wenn man das sagen darf, flotten Vierer. Doch der Reihe nach.

 

Im Sport sind Vater-Sohn-Geschichten eigentlich gar nicht so selten anzutreffen. Zum Beispiel, wenn der Filius in derselben Disziplin in die Fußstapfen des Erzeugers tritt. Nicht ganz so oft passiert es allerdings, dass der Ältere der Trainer des Jüngeren ist. Was hingegen demnächst in Magdeburg über die Bühne gehen wird, dürfte schon einen gewissen Seltenheitswert für sich reklamieren können. Da stehen sich nämlich im Boxring gleich zwei Vater-Sohn-Paare gegenüber.

 

Passieren wird das alles bei der SES-Gala am 24. August (verschoben vom 28. Juni) in der Landeshauptstadt. Dann treffen im Kampf um die deutsche Meisterschaft im Super-Weltergewicht Marlon Dzemski vom Magdeburger SES-Team und Philipp Schuster vom Boxcamp Halle aufeinander. In ihren Ecken werden sie sekundiert von ihren Vätern. Dirk Dzemski, der für Ostdeutschlands ersten Profistall schon zahlreiche Champions formte, und Uwe Schuster, den alle nur den „Commander“ nennen und der in Halle eine Art alternativen Boxstall betreibt. Martialische Eigenwerbung: „In diesem Ausbildungscamp trainieren und überleben nur die Härtesten. Weicheier haben hier keine Zukunft!“

 

Belastet von der ungewöhnlichen Kampfkonstellation zeigen sich beide Väter nicht. „Der Commander und ich kennen uns schon so lange und nun steht für uns als Väter ein reines Familienduell an“, sagt Dirk Dzemski. „Marlon (in neun Gefechten ungeschlagen, d. Red.) mit gerade 21 Jahren hat schon seinen ersten Titelkampf und dazu gleich eines mit dieser Brisanz.“ Uwe Schuster: „Alt gegen Jung, Erfahrung gegen Frischling, zwei Jungs aus Mitteldeutschland – Philipp weiß, was auf ihn zukommt. Wir trainieren wieder sehr, sehr hart und unterschätzen Marlon nicht.“ Dann folgt ein Warnruf, typisch „Commander“: „Dzemskis, zieht euch warm an!“

 

Und noch etwas ist ungewöhnlich an diesem Fight: Einer der beiden Kombattanten stand acht Jahre nicht im Ring. Im Boxen eigentlich ein Unding. Aber dafür gibt es gute Gründe. Philipp Schuster war im April 2016 im sachsen-anhaltischen Spergau im Gefecht um die deutsche Meisterschaft im Weltergewicht gegen den SES-Kämpfer Felix Lamm schwer angeschlagen worden. In der 10. Runde beendete der Ringrichter den Fight vorzeitig. Der Hallenser brach anschließend in der Kabine zusammen. Bei einer Untersuchung in Merseburg wurde ein Blutgerinnsel in Schusters Gehirn diagnostiziert, noch in der Nacht wurde er in die Klinik nach Halle verlegt. Die wichtigste Nachricht für Vater und Sohn: Lebensgefahr bestand nicht. Die Fortsetzung der Box-Karriere schien für den damals 26-jährigen Filius allerdings ein für alle Mal beendet.

 

Der Traum vom Boxen hat „Panzer“, wie sie ihn in Halle nennen, jedoch nie so richtig losgelassen. Der heute 34-Jährige, so erzählte er dieser Tage, will sich unbedingt noch einmal im Ring beweisen. Nach einem Aufbaukampf vor einigen Wochen kam das Angebot, um die vakante deutsche Meisterschaft zu boxen, gerade recht. „Wer meinen Vater kennt, weiß, dass ich durch die ganz harte Vorbereitung muss. Aber, genau das wollte ich wieder und unbedingt noch einmal im Ring auf diesem Niveau angreifen!“ Um jegliches gesundheitliches Risiko auszuschalten, bestand Promoter Steinforth darauf, dass Schuster ein entsprechendes ärztliches Zertifikat vorlegt.

 

Für das Duell Magdeburg gegen Halle – noch so ein Reizthema an diesem Abend – hat sich Veranstalter Ulf Steinforth einen neuen Austragungsort ausgeguckt: die gerade eröffnete Wolfgang-Lakenmacher-Sporthalle an der Steinkuhle. „Wir freuen uns“, so der Promoter, „sie mit einem größeren Event quasi einweihen zu können.“ 2.000 Zuschauer finden in der Arena, die die alte Hermann-Gieseler-Halle ersetzt, bei Box-Wettkämpfen Platz. „Für SES“, so Steinforth, „bedeutet sie in der Landeshauptstadt nach der Getec-Arena, der Seebühne, dem Maritim-Hotel und der Stadthalle, wenn die Renovierung abgeschlossen ist, eine weitere Veranstaltungsstätte. Gerade im mittleren Zuschauersegment.“

 

KOMPAKT

Wie der Vater, so der Sohn

 

Es gibt zahlreiche Beispiele der Kategorie „Wie der Vater, so der Sohn“. Prädestiniert zu sein scheint dafür die Formel 1: Keke und Nico Rosberg wurden beide Weltmeister, Max Verstappen übertrifft Vater Jos längst, und Mick Schumacher (4 Saisonpodeste in der Formel 2) machte sich auf, die großen Fußstapfen seines Vaters Michael auszufüllen. Auch im Ski-Zirkus lassen sich etliche Beispiele aufzählen: Felix Neureuther etwa, der die Ski-DNA gleich von beiden Seiten („Gold-Rosi“ Mittermaier und Christian Neureuther) erbte. Oder Ernst und Hansi Hinterseer – Olympiagold-Gewinner und Gesamtweltcupsieger. Im deutschen Fußball stehen als ein Beispiel die Sammers aus Dresden. Für Sohn Matthias begann die erfolgreiche Karriere bei Dynamo Dresden unter Vater Klaus, Ex-Nationalspieler der DDR und langjähriger Trainer. Später wurde der Sohn 1996 Europameister, spielt beim VfB Stuttgart, bei Inter Mailand und Borussia Dortmund, ehe er selbst Trainer (Meister mit Borussia Dortmund) wurde.

Nr. 257 vom 11. Juni 2024, Seite 30

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