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Standpunkt Breiter Weg: Die Büchse der Pandora

Die Vorteile des Internets werden längst von dessen Nachteilen überschattet. Gesellschaftspolitische Debatten enden immer öfter in Massen-Beschimpfungstiraden. Die Dialogfähigkeit bei unterschiedlichen Positionen scheint zu schrumpfen. Manches artet in Hass und Hetze aus – und zwar auf allen politischen Seiten. Die Gewalt unter Jugendlichen nimmt zu. Bei Angriffen auf Unterlegene filmen sich Täter selbst und posten die Videos gar. 59 Prozent der über 50-Jährigen äußern, dass ihre Bedürfnisse bei der Entwicklung neuer digitaler Technologien nicht berücksichtigt werden. Über sinkende Bildungsniveaus in der Schule wird dauernd berichtet. Während man in Schweden und Dänemark längst von digitalen Lernmitteln Abstand nimmt, wird in Deutschland gefordert, diese stärker einzusetzen. Aktuelle Erkenntnisse über die Zunahme von Einsamkeit, gerade unter jungen Menschen, finden ebenfalls Ursachen im digitalen Nutzungsverhalten. 16- bis 19-Jährige sind bis zu 50 Stunden pro Woche online.


Während man sich an zahlreichen Stellen in Sprachsensibilität übt, grassiert auf Social-Media-Plattformen Sprachverrohung. Frauenrechte und Gleichberechtigung werden fast täglich eingefordert sowie dem Sexismus der Kampf angesagt, währenddessen ist Deutschland Weltmeister im Porno-Gucken. Rund ein Viertel aller Anfragen im Internet drehen sich um Pornografie. Das sind etwa 68 Millionen Anfragen pro Tag. Die Liste der Internet-Auswüchse wird immer länger. Kriegsvideos, die das Töten und Zerstören auf russischer und ukrainischer Seite zeigen, finden permanent Verbreitung. Wahrheit und Lüge sind oft kaum noch zu unterscheiden. Die Techgiganten in den USA und China sammeln Daten über alles und jeden, der sich wo auch immer online bewegt. Hat das alles mit der Freiheit zu tun, die sich Menschen mit dem Internet versprochen hatten? Wussten Sie eigentlich, dass in den Weltmeeren inzwischen rund 1,4 Millionen Kilometer Datenkabel liegen, damit die Verbindungen zwischen den Kontinenten gewährleistet bleibt. Wäre das Internet ein Land, läge es beim CO2-Ausstoß weltweit auf Platz 6, hinter Japan und noch vor Deutschland. Die Serverfarmen, die für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz gebraucht werden, fressen das 30-fache an Strom gegenüber bisherigen Cloud-Servern. Allein der deutsche Stromverbrauch liegt dafür bei 13 Terra-Watt-Stunden pro Jahr. Das ist mehr als der fünffache Strombedarf aller Münchner Privathaushalte zusammen.


Urheberrechte und Quellenhinweise lösen sich auf. Obwohl sich fast 90 Prozent der Eltern einig sind, dass Smartphones für Kinder eine Gefahr darstellen, hat jedes zehnte Kind zwischen zwei und fünf Jahren bereits ein solches Gerät, sogar jedes Dritte ein Tablet. Ein Drittel der Eltern stellt Bilder und Informationen ihrer Kinder ins Netz. Und dann existieren gar sogenannte „Kidfluencer“. Eltern drehen Videos mit ihren Kindern und setzen sie für Produktwerbung zu ihrem Broterwerb ein. Außerdem breiten sich Betrug und Abzocke aus.


Diese durch die virtuelle Welt erzeugten Folgen und Ergebnisse können kaum mit den Ansprüchen in Deckung gebracht werden, die wir uns selbst geschaffen hatten bzw. die permanent politisch gewollt sind. „Die Büchse der Pandora“ ist offen und es sieht nicht danach aus, dass sie irgendwie wieder geschlossen werden könnte. Die Onlinewelt ist ein Abbild von Anarchie. Manche finden das ja gut. Ich sehe da eher Tendenzen einer sozialen Zerrüttung. 


Thomas Wischnewski

Nr. 258 vom 26. Juni 2024, Seite 2

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