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Dom, lebenslänglich: Zum Ruhestand von Domküster Uwe Jahn

Wer hat schon das Glück, am größten, schönsten und ehrwürdigsten Bauwerk Magdeburgs mit dem Schlüsselbund seines Vaters zu allen Türen, Gängen und Galerien aufzuwachsen! Uwe Jahns Vater war schon vor seinem Sohn Küster am Magdeburger Dom. 1969 war die Familie mit den vier Kindern aus der Malche nach Magdeburg gekommen, da war Uwe Jahn gerade neun Jahre alt. Die Malche bei Berlin ist ein evangelisches Missionshaus mit einer Bruder- und Schwesternschaft, die von tiefer Frömmigkeit und Glaubensverantwortung geprägt ist. Hier hat Uwe mit seinen Geschwistern seine geistlichen und musikalischen Einflüsse bekommen. Jedes der Kinder spielte wie der Vater im Posaunenchor mit und musste noch ein weiteres Instrument lernen. Aber der Weg zur Musikschule war weit, und so haben ihm die Geschwister als Jüngstem diesen Weg erspart – sehr zu seinem Bedauern, weil er das erst mit 20 nachgeholt hat.


Der Dom in Magdeburg wurde sein neuer Spielplatz. Mit den passenden Schlüsseln des Vaters hat er heimlich alle Räume, Gänge, Dächer und Türme erkundet. Niemand kennt den Dom wahrscheinlich so gut wie Uwe Jahn. Und wenn im Dom ein Film gedreht wurde, dann hat er sich auch gerne mal heimlich die Krone aufgesetzt: „Klein-Otto“! 1969 war gleich mehrfach ein Neuanfang. Im Dom wurde die Querhausorgel fertig. Domkantor Hoff begann seinen Dienst und begeisterte die Domchorsänger, auch den kleinen Uwe. Aber wie das bei Kindern und Jugendlichen so üblich ist: Am Ende blieben die Erlebnisse und Anekdoten auf den Konzertfahrten mehr in Erinnerung als das sonntägliche Gottesdienstsingen!


Nach der Schule machte Uwe eine Lehre zum Maschinen- und Anlagenmonteur und wurde ein richtiger SKLer. Doch nach der Armee stand ein ganz anderes Zukunftsbild vor seinen Augen: Er wollte Musik machen, lernte Bass-Gitarre nun endlich in der Musikschule, fand seine erste Band, die Orakel-Blues-Band und wurde, wie er sagt, kein Musiker, sondern ein „Mugger“. Denn auf der Bühne stand er immer nur zu seinem Vergnügen. Die größeren Spuren hat er im Dom hinterlassen. Da man von den Muggen nicht leben konnte, wurde er Hilfskraft bei seinem Vater am Dom, dann Dreiviertelküster und später 2. Domküster. Er war der Sunnyboy nicht nur der Familie, sondern auch in der Mitarbeiterschaft, wo ich ihn als Domprediger seit 1979 erlebte. Im Dombüro ging die Sonne auf, wenn Uwe Jahn morgens der Sekretärin einen Handkuss gab und sich anschließend bis zum Oberarm durchschmatzte! Und er hat sie alle erlebt – und sie ihn: die tollen Konzerte, die berühmten Musiker, die Politiker, die alle nach der Wende den Dom besuchten und die er zum Teil durch seinen geliebten Dom führte. Nicht zu vergessen die fünf Bischöfe, sieben Domprediger, drei Domkantoren, diversen Vikare, fünf Katechetinnen und jede Menge Küsterkollegen in den 44 Jahren, mit denen Uwe Jahn zusammengearbeitet hat! Eine große Dom-Familie. „My Dom is my Home“, war immer seine Devise, die wir gerne von ihm übernommen haben.


Sein eigentliches Arbeitsgebiet war der technische Bereich, nicht nur, weil er schon zu DDR-Zeiten im Besitz eines „Schweißerpasses“ war, was ein entscheidender Grund für seine Einstellung war: vom Rasenmähen bis zur Uhrenreparatur, vom Domfegen bis zum Schneeschieben hunderte Meter weit, vom Kohlenschippen bis zur Wartung der Lautsprecheranlage, vom Anbringen des riesigen Adventssterns im Gewölbe bis zum Aufstellen der Weihnachtsbäume auf dem Lettner – das waren alles seine Leistungen! Und wieviel Überstunden sind da zusammengekommen, wenn tagsüber der Dom offengehalten werden musste, am Sonnabend Trauungen und Konzerte waren, sonntags der Gottesdienst betreut werden sollte und an vielen Abenden zusätzliche Veranstaltungen, die alle vorbereitet und technisch abgesichert werden wollten. Da war die Musik für ihn immer ein Ausgleich. Und wenn er dann das Privileg hatte, seine Geburtstage im Domgarten zu feiern, dann kam seine Band „Charlies Crew“ und rockte den Dom! Mit der Crew vereinte Uwe Jahn das Faible für Musik mit weiteren Lebensgefährten. „Uns Uwe“ hieß er in der Band und fürs Publikum. In den 1980er Jahren hatte er bereits mit der Band „Die Brüder“ musiziert und zu Songs von Neil Young und anderen die Bassgitarre bedient. Im Dom war in einem Nebengelass sogar manches Equipment von „Charlies Crew“ gelagert. Das ersparte zwischen Küster- und Musikerpflichten Zeit und Wege.


Nun geht Uwe Jahn nach 44 Jahren Küsterdienst in den wohlverdienten Ruhestand. Wird ihm der Dom fehlen? Seine gesundheitliche Situation nach den vielen Jahren anstrengenden Dienstes hat ihm das Loslassen schon ein bisschen leichter gemacht. „Alles hat seine Zeit“, zitiert er aus dem Alten Testament. Auch die Musik! Was bleibt, sind seine Verbundenheit mit seiner Ehefrau Walentina und seinen Kindern, seine Liebe zum Garten und seine „Arschruhe“, wie er sagt. Die ist für ihn durchaus ein Ausdruck seines Glaubens seit Kindertagen, den er sich gerne irgendwie zurechtbiegt: Denn wo kommt diese Ruhe und Gelassenheit her, wenn nicht von dem Gefühl, dass da einer ist, der seine Hände über Uwe Jahn hält! Wir wünschen Uwe Jahn zu seinem Ruhestand, dass der Dom immer sein Home bleibt und diese Hand über ihm immer sein Schutz!


Giselher Quast, Domprediger i. R.

Nr. 258 vom 26. Juni 2024, Seite 13

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