Das Überflüssige ist gerade das Notwendige!

Das Forum Gestaltung beginnt gemeinsam mit dem Bauhaus Dessau mit der Würdigung der Deutschen Theaterausstellung Magdeburg 1927 – Auftakt mit Tanz-Company aus Chicag

Anlässe zum Feiern bietet die Gegenwart kaum. Und die Geschichte? – Doch, einige, darunter unumstrittene. Wie den Erfolg der „Deutschen Theaterausstellung Magdeburg 1927“, dem das Forum Gestaltung 2007 und 2012 bereits explizit mit vielbeachteten Ausstellungen und Publikationen nachspürte. Und auch das Jahrhundert-Jubiläum dieser grandiosen Ausstellung wird das Forum zu würdigen wissen, auch und vor allem, um sich Gedanken zur Gegenwart zu machen: Immerhin im zwanzigsten! Jahr seines Bestehens.

 

Ende August dieses Jahres also beginnt der Reigen von Veranstaltungen. Ein MASKE BALL wird ihn eröffnen. Maske Ball? Kein Sprach- oder Schreibfehler. Auf Deffke geht die Benennung zurück, dem Pionier des modernen Logos, wie ihn nicht nur amerikanische Designer bezeichnen. Wilhelm Deffke trat als Direktor der Magdeburger Kunstgewerbe- und Handwerkerschule 1925 seinen „Dienst“ an und leistete Außerordentliches für die Stadt. Er sorgte, nachdem „seine“ Zuckerausstellung“ (die mit der Biene) bereits 1925 eine schier unglaubliche Resonanz und überregionale Aufmerksamkeit hervorrief, auch für eine sehr moderne werbliche und architektonische Vorbereitung der Deutschen Theaterausstellung Magdeburg, die er mit dem Slogan: Das Überflüssige ist gerade das Notwendige! einleitete. Und: Warum soll man nicht tun, was andere nicht machen? Eben.

 

MASKE MAGDEBURG sollte sie heißen, diese Ausstellung, die später, so kann man den zeitgenössischen Medien entnehmen, als Weltausstellung rezipiert wurde und deren 100. Jubiläum in wenigen Jahren allerkunstundkulturorten zu feiern sein wird. Und eben vorbereitet sein will. Ganz in diesen Dienst will das Forum Gestaltung sein eigenes Jubiläum stellen: den 20. Jahrestag seiner Gründung.  Das, was man in zwanzig Jahren geschaffen hat, viele große Ausstellungen, internationale Festivals, Konzert- und Filmreihen, Aufbau zweier Archive, Theaterinszenierungen und -vorstellungen, Konzerte, Diskussionsforen in selbstgeschaffenen Formaten, Magdeburger Reden, Neue Mittwochsgesellschaften und, und, und. Vor allem aber, dass die Kunstschulgeschichte wieder ins urbane Bewusstsein gerückt ist, identitätsstiftend für Magdeburg und dass wir auf dieser Basis kulturell-künstlerisch gegenwärtiges Sein gestalten, soll gebührend gefeiert werden, mit einem wunderbaren Partner, dem Bauhaus Dessau, dessen Umzug von Weimar ebenso 100 Jahre zurückliegt.

 

Zunächst der erwähnte MASKE BALL (29. August 2025 um 20:00 Uhr): Eingeladen ist die Chicagoer Company Hedwig Dances, die mit ihrer Tanzperformance „META/MOR/PHOS“ Oskar Schlemmers „Triadisches Ballett“ ins 21. Jahrhundert holt. Zwei Miniaturen aus Futura erkunden erst das Verhältnis von Körper und Architektur; danach entfaltet das 45-minütige Hauptstück eine Insekten-Metamorphose als Bild für Wandel und Koexistenz. Schlemmer-Rekonstruktionen erscheinen wie „Fossilien“ der Moderne und weichen weicheren, hybriden Kostümen. Musik von Patricia Taxxon, Sounddesign und zusätzliche Kompositionen von Richard Woodbury rahmen den poetischen Bauhaus-Echo-Abend.

 

Vorher, um 17.30 Uhr, erinnern Torsten Blume (Bauhaus Dessau), Helge Kramer (Lettre International) und Norbert Pohlmann (Forum Gestaltung) in einem Podiumsgespräch die „Neuanfänge 1925 in Magdeburg und Dessau“ und daran, wie diese nicht nur durch einen ähnlichen modernen Aufbruchsgeist verbunden gewesen sind. Tags zuvor bereits wird mit „Neuigkeiten von Gestern. Magdeburg auf dem Weg zur großen Deutschen Theaterausstellung 1925-1927” eine wachsende Installation mit Fotos, Figurinen und Dokumenten eröffnet, die als begehbare Mixed-Media Installation bis 2027 stetig ergänzt und weiterentwickelt wird und sich der Erinnerung an die Ideen, Visionen, Hoffnungen, aber auch Konflikte, die in Magdeburg die Vorbereitungen für die „Deutsche Theaterausstellung“ geprägt haben, widmet.                       

 

Norbert Pohlmann

Nr. 285 vom 6. August 2025, Seite 30

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