Auf der Suche nach Abstraktheit

Künstlerinnen und Künstler durchlaufen in der Regel eine Stilentwicklung, bei der sie viel über sich selbst und die Kunst lernen. Doch kaum jemand hat einen so vielfältigen und wandlungsvollen Entwicklungsprozess erlebt wie sie. Von Aktzeichnung bis hin zur künstlerischen Zensur – Pegah Gohlke durchlebt seit ihrer Kindheit einen künstlerischen Prozess, der bis heute anhält.

 

Geboren im Iran wuchs die Künstlerin in einer kreativen Familie auf, die ihr die Kunst nahebrachte. Kunst war schon immer Teil ihres Lebens.  Daraufhin entschied sie sich, mit 14 Jahren Aktzeichnungskurse zu besuchen, bei denen sie viel Lob erhielt und durch die sie Stück für Stück ihr Talent entdeckte. Es folgte eine Grafikausbildung und viel Investition in ihre Kunst, bis sie mit 26 Jahren ihre erste Solo-Ausstellung machte, bei der sie ihre Malerei zeigte. Mit 30 Jahren kam sie schließlich nach Deutschland und war von der deutschen Kunstszene begeistert, sie beschreibt sie als „verrückt”.

 

Im Iran wurde Gohlke künstlerisch eingeschränkt. Mit fortschreitenden Krisen und innenpolitischem Druck wurde die Kunst bis auf wenige Ausnahmen verboten. Da sich die Künstlerin besonders für westliche Kunst begeisterte, wollte sie den Zustand allerdings nicht akzeptieren. Die Situation führte zu versteckten Galerien und geheimen Treffen mit Gleichgesinnten. Als sie den Iran verließ, um nach Deutschland zu kommen, stieß sie auf einen offenen Kunstmarkt, der nahezu jeden Stil repräsentiert.

 

Nachdem Gohlke eine Kunstakademie in Wien und ein Bildhauer-Studium in Nürnberg hinter sich ließ, kam sie schließlich nach Magdeburg und wurde Zeugin einer der ersten KUNST/MITTE Ausstellungen. Im Laufe der Jahre lernte sie Magdeburgs Kunstszene kennen und hatte unter anderem 2018 ein Atelier in Buckau. Diese Zeit war zusätzlich von einigen Künstlerpausen geprägt. Schließlich kehrte sie zur Kunst zurück und “kann jetzt völlig anders künstlerisch aktiv sein”, so Gohlke. Ihr abstrakter Stil bildet kindlich bunte Gegenstände ab, die einen großen Interpretationsspielraum geben. Sie bringt Farbspiele auf die Leinwände und entdeckt parallel ihren Abstraktionsgrad, indem sie experimentiert.  Inspiriert wurde sie von Künstlerinnen wie Katharina Grosse oder Malerinnen und Malern aus New York.

 

Als Erstausstellerin auf der diesjährigen KUNST/MITTE setzt Pegah Gohlke auf den Austausch mit anderen Austellern und mit Besucherinnen und Besuchern. Besonders gespannt können wir allerdings auf die Abstraktheit ihrer Werke sein und welche Botschaft dahintersteckt.                                                                       

Soraya Damer

Nr. 285 vom 6. August 2025, Seite X

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