Das Pretziener Wehr und seine Geschichte

Das Pretziener Wehr ist ein monumentales Bauwerk der Wasserwirtschaft, das seit über 150 Jahren als lebenswichtiger Schutzmechanismus für die Stadt Magdeburg und ihre Umgebung dient. Mit einer Länge von 163 Metern und einer Höhe von 3,7 Metern schützt das Bauwerk mit seinen 9 Jochen mit jeweils 36 Wehrtafeln die Städte Schönebeck und Magdeburg und angrenzende Gebiete vor Hochwasser. Als größtes Schützenwehr Europas gilt es als eindrucksvolles Zeugnis der Ingenieurskunst des 19. Jahrhunderts und steht für den erfolgreichen Kampf gegen die Fluten der Elbe. Seit seiner Inbetriebnahme wurde das Pretziener Wehr insgesamt 64 Mal geöffnet, jeweils in Situationen, in denen die Gefahr von Hochwasser bestand.

 

Die Entscheidung zum Bau des Pretziener Wehrs fiel in einer Epoche, in der technische Innovationen und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein aufeinandertrafen. Das Wehr wurde zwischen 1871 und 1875 im Zuge großer wasserbaulicher Projekte errichtet und war Teil einer umfassenden Strategie zur Regulierung und Beherrschung der Elbe. Die Planungen und der Bau des Wehrs wurden von renommierten Ingenieuren geleitet, zu denen auch Hermann Theodor Reinhard Wurffbain gehörte. Der preußische Wasserbauingenieur und Geheime Königliche Regierungs- und Baurat leitete und plante Flussregulierungen und Meliorationen. Wurffbain wurde wahrscheinlich 1805 (weitere Quellen geben das Jahr 1804 an) in Breslau geboren. Nach dem Studium bestand er 1828 die Prüfung vor der königlich-preußischen Oberbaudeputation. Damit war er berechtigt, als Baumeister in den Staatsdienst einzutreten. Seine Tätigkeit führte ihn zunächst nach Pommern und Westpreußen sowie später in die preußische Provinz Sachsen. Zu seinen wichtigsten Projekten gehörte unter anderem der Boker-Heide-kanal zwischen Paderborn und Lippstadt, die Regulierung der Unstrut und die Melioration des Unstruttals zwischen Sachsenburg und Nebra sowie der Bau des Anfangs erwähnten Pretziener Wehrs. Ab 1862 lebte Herrmann Wurffbain mit seiner Familie in Arnstadt, wo er im Hinblick auf sein 50. Dienstjubiläum und aus Dankbarkeit für seine geleisteten Dienste die Arnstädter Ehrenbürgerwürde verliehen bekam. Wurffbain erlag am 24. Oktober 1889 einer Lungenlähmung und fand neben seiner Frau Auguste in Arnstadt seine letzte Ruhestätte.

 

Zum Jubiläum gab es ein Fest mit Führungen, Mitmachaktionen und dem Konzert „Rock am Wehr”. Zudem ist mit der erfolgten Gründung des Vereins „Weltkulturerbe im Salzlandkreis e. V.“ ein entscheidender Meilenstein auf dem Weg zur Anerkennung als UNESCO-Welterbe gelegt worden, um das Pretziener Wehr bis 2034 in das Welterbe der Menschheit einzutragen.

 

Ronald Floum

Nr. 287 vom 10. September 2025, Seite 10

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