Die Drei von der Insel
Bei den SCM-Handballern gehören die Isländer Magnusson, Kristjansson und Jonsson zu den unverzichtbaren Stützen. | Von Rudi Bartlitz
Fragen danach, worin denn das Erfolgsrezept des Magdeburger Handballs liege, haben in zurückliegender Zeit spürbar nachgelassen. Den meisten Mitgliedern der Ballwerfer-Gemeinde – hierzulande und jenseits der Grenzen – ist das von Cheftrainer Bennet Wiegert über Jahre ersonnene System inzwischen nur zu bekannt: ein ultra-schnelles Kombinationsspiel, dass Kontrahenten oft Hören und Sehen vergeht. Dazu eine kompakte Deckung – und beim Werfen so nah wie möglich ran ans gegnerische Gehäuse.
Ein Faktor wird bei dieser Aufzählung gelegentlich übersehen: Im grün-roten Rückraum stehen in der Offensive dafür genau die richtigen Leute. Da wirbelt – neben dem Schweden Felix Claar und dem Deutschen Philipp Weber – ein Dreigestirn nahezu genialer Spieler. Jeder von ihnen ein blendender Individualist, dennoch allesamt Teamplayer. Das Verständnis untereinander scheint zuweilen nahezu blind zu sein. Und jetzt die möglicherweise größte überraschende Gemeinsamkeit: Alle kommen sie von einer kleinen handballverliebten Insel hoch droben im Atlantik. Die drei Isländer Omar Ingi Magnusson, Gisli Kristjansson und Elvar Jonsson bilden, wie gerade wieder in diesen Tagen zu beobachten ist, so etwas wie unverzichtbare Stützen des SCM.
Mit wem aus dem Dreigestirn beginnen? Vielleicht mit dem, der in dieser Spielzeit bisher die meiste Aufmerksamkeit auf sich zog: Omar Ingi Magnusson. Dass die Magdeburger in Meisterschaft und Champions League ungeschlagen sind, liegt auch an diesem zielsicheren Linkshänder. Er rangiert in der Torschützenliste der Bundesliga hinter des Berliner Mathias Gidsel – mit nur drei Treffern Rückstand, aber einem Spiel weniger. Im ersten Spiel warf er 15 Tore, danach elf, neun und neulich noch einmal 15 in Hamburg. In der vorvergangenen Woche steuerte er elf Treffer zum 39:30 bei GOG im dänischen Svendborg bei. Bei 89,5 Prozent liegt seine Quote vom Strafwurf-Strich. Keiner ist besser in der Liga. Mit Urgewalt zischen seine Bälle ins Netz, auf attraktive Dreher oder Heber, wie sie andere zelebrieren, verzichtet er. Addiert man die Würfe unter Gegner-Einwirkung hinzu, landet Magnusson bei 84,7 Prozent. Ein Traum-Wert!
Der 28-Jährige ist neben dem schnellen Kieler Spielmacher Elias Ellefsen á Skipagötu so etwas wie der Hingucker dieser jungen Saison. Dennoch, der Teamerfolg ist ihm, wie er sagt, wichtiger als persönlich zu strahlen. „Wir haben gerade einen Flow“, meint er trocken. „Dann fällt es auch mir leicht.“ So ist er. Schweigsam, immer auf das Wesentliche bedacht. Bloß nicht zu viel sagen.
Seit 2020 lebt er in Magdeburg. Als die ersten Sprechchöre mit seinem Namen seinerzeit durch die Arena schallten, glaubten Unkundige noch, die Fans riefen laut nach „Oma Inge“. Das hat sich schnell gelegt. Inzwischen hat man sich an seine spektakulären Auftritte gewöhnt. Für die ersten großen Titel der neuen Ära stand er stellvertretend. „Ballsicher, clever, umsichtig, abwehrstark“, lobt ihn dieser Tage die „Frankfurter Allgemeine“. Er sei wie gemacht für den SCM. „Denn hier ist die Gier nach mehr zu Hause, vorgelebt von Trainer Wiegert.“ In einem solch fordernden Leistungsumfeld fühlt sich Magnusson so wohl, dass er seinen Vertrag jüngst bis Juni 2028 ausdehnte.
Nicht alles war jedoch so leicht, wie es aussieht, wenn seine Bälle in die Maschen fliegen. 2023 machten ihm Herzprobleme zu schaffen. Die Ungewissheit nagte mental an ihm. Ende 2024 ließ ihn eine Fußverletzung pausieren. Doch der immer so humorbefreit und emotionslos wirkende Profi kam beide Male gestärkt zurück. Natürlich steht solch ein Musterprofi in der Hackordnung oben; wenn es eng wird, spielt er immer – Ausdruck höchster Wertschätzung seines Trainers. Insider berichten jedoch, dass er gern feiere, einen trockenen Humor besitze, aber bewusst in die Rolle des Stoikers schlüpfe, damit die Öffentlichkeit ihn in Ruhe lässt.
Mit Alfred Gislason und Olafur Stefansson hatten zwei Isländer großen Anteil an der ersten gesamtdeutschen Meisterschaft des SC Magdeburg 2001, knapp ein Vierteljahrhundert später schrieb zunächst mit Magnusson und seinem Kollegen (und Freund) Kristjansson ein anderes Duo von der Vulkaninsel das nächste Kapitel in der Meister-Saga des SCM.
„Wenn ich das mit meiner Zeit in Kiel vergleiche, dann merke ich, wie gut es tut, einen Landsmann in der Mannschaft zu haben“, hat Kristjansson einmal erzählt. „Das hat mir auf jeden Fall sehr geholfen, mental, aber auch spielerisch. Da kommt viel zusammen”, weiß er aus eigener Erfahrung. Mit 19 Jahren war er 2018 aus Hafnarfjördur zum THW Kiel gewechselt, 2020 ging es weiter nach Magdeburg, wo im gleichen Sommer Magnusson aus Aalborg ankam. „Bei dem, was wir tun, sind wir einfach immer ‚All In‘. Und kämpfen, machen unser Ding, so gut es eben geht.” Kristjansson nickt zustimmend: „‚All in‘ zu gehen, das trifft es!”
Zu einer Legende wurde Kristjansson beim Final4 der Handball Champions League. Ja, da war doch was! 2023 hatte der Isländer sich im Halbfinale die Schulter ausgekugelt, spielte dann aber überraschend im Finale und führte den SCM als wertvollster Spieler (MVP) zum Titelgewinn – 2025 wiederholte sich die Geschichte nahezu. „Das sind die Geschichten, die nur der Sport schreibt”, so Wiegert damals.
Seit Saisonbeginn ergänzt nun ein dritter Isländer das Erfolgsduo. Elvar Jonsson kam aus Melsungen an die Elbe. Ein Mann für vorn oder doch eher für die Abwehr? Wiegert („Elvar spielt jetzt schon 40 bis 45 Minuten hinten.“) zieht einen Vergleich zum spanischen Abwehrspezialisten Antonio Serradilla (jetzt TVB Stuttgart), der in der letzten Saison eine wichtige Rolle beim SCM spielte: „Antonio hat auch Zeit gebraucht. Das ist bei Elvar noch ein bisschen einfacher, weil er zwei Isländer hier hat, weil er die Liga kennt, weil er sehr, sehr gute Deutsch-Kenntnisse hat.”
Jonsson ist ein „absoluter Alleskönner”, formulierte es Ex-Nationalspieler und Dyn-Experte Pascal Hens. Der Neuzugang könne im Innenblock decken und vorne sowohl auf halblinks als auch auf der Mitte spielen. Noch Ende August hatte Wiegert erklärt: „Er hat eine zentrale Rolle bei uns, die einfach Zeit benötigt.“ Man habe einen breiten Kader und gebe ihm diese Zeit.
Doch Jonsson scheint mit seinen jüngsten Offensiv-Attacken die Zeitplanungen seines Chefs über den Haufen werfen zu wollen. Selbst wenn er respektvoll sagt: „Ich spiele dort, wo mich der Trainer hinstellt.“ Auf die Reporter-Frage, was er denn lieber mache, zu verteidigen oder Tore zu werfen, grinst er nur: „Beides.“
Nr. 290 vom 22. Oktober 2025, Seite 24/25
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