Vergiss das Fitness-Studio!
Hyrox heißt der neueste Clou aus der großen weiten Welt des gehobenen Gesundheitssports.
Auf den ersten Blick gleicht es einer riesigen Maschinenhalle, in der schweißglänzende, oft muskelstrotzende Körper verschiedenste Geräte malträtieren. Und sich dabei, im Kampf mit dem Metall, scheinbar elend quälen. Um anschließend, als wäre nichts geschehen, über eine Laufstrecke zu jagen. Auf den zweiten Blick dann wird schon klarer, dass es sich hier um ein Sport-Event handelt. Und nicht um irgendeines. Nein, versichern seine Erfinder, es sei das Nonplusultra, das Spektakulärste, was die Fitness-Welt gegenwärtig weltweit zu bieten hat. Sein Name: Hyrox.
Ein bisschen übertrieben gesagt: Fitness-Studio war gestern, heute ist Hyrox. Einige Experten sprechen sogar davon, dass es sich mittlerweile zu einem weltweiten Phänomen entwickelt habe. Die Zahl derjenigen, die sich ihm widmen, explodiere in den letzten Jahren regelrecht. Die Leute vom Fach haben eine einfache Erklärung dafür: Es macht süchtig. Weil Fitness-Enthusiasten immer auf der Suche nach der nächsten großen Herausforderung seien, habe Hyrox „die Welt der funktionellen Fitness verändert“. Ob das so ist, sei dahingestellt. Fakt ist: Der Sport wächst derart schnell, dass sich in der vergangenen Saison die Zahl seiner Veranstaltungen weltweit verdoppelt hat. Weil es für viele als ein ultimativer Test für Kraft, Ausdauer und Entschlossenheit gilt.
Wie aber nun sieht Hyrox konkret aus? Ein kluger Mensch hat es einmal so erklärt: Es ist so etwas Ähnliches wie der (zumindest Älteren) aus den sechziger und siebziger Jahren bekannte Trimm-dich-Pfad. Also ein Rundkurs, auf dem einst einfache und robustes Turngeräte aufgestellt waren. Heute tritt an dessen Stelle eine große Indoor-Arena. Ein Hyrox-Race ist ein Hindernisrennen mit acht Stationen. Nach jeder Station steht ein Lauf über 1.000 Meter an. Der findet in der Regel am Rande der Halle statt. Danach begeben sich die Athleten wieder in die Mitte der Arena, um weitere Übungen zu absolvieren. Es gibt verschiedene Leistungs- oder Altersklassen, Divisionen genannt. Die Zeit wird mithilfe eines Chips gemessen.
Bei den Workouts wird es interessant: Es handelt sich im Einzelnen um 1.000 Meter auf dem Ski-Ergometer, es folgen Schlitten schieben (Sled Push / 2 x 25 Meter mit einem beschwerten Schlitten), Schlitten ziehen (Sled Pull)/ 2 x 25 Meter) und Burpee Broad Jump (bedeutet: 80 Meter mit sogenannten Burpees zurücklegen, einer Kombination aus Kniebeuge, Liegestütz sowie Streck- und Weitsprung). Es folgen Sandbag-Lunges (100 Meter Ausfallschritte mit einem Sandsack auf der Schulter), Farmer’s Carry (200 Meter Tragen von zwei Kettlebells-Gewichten), Wall Balls (75 bis 100 Mal einen Medizinball gegen eine Wand werfen). Zum Abschluss geht es aufs Ruder-Ergometer (1.000 Meter).
Ziemlich happig, würde man sagen. Theoretisch können sich die Teilnehmer allerdings so viel Zeit lassen, wie sie brauchen – es gibt kein Zeitlimit. Elite-Athleten absolvieren die Strecke in weniger als einer Stunde. Die Durchschnittszeiten für das offene Rennen liegen bei einer Stunde und 35 Minuten für Männer und einer Stunde und 38 Minuten für Frauen. Aber auch hier betonen die Organisatoren, dass es sich dabei um Durchschnittszeiten handelt und es keine Schande sei, länger für den Wettkampf zu benötigen. Was ihnen wichtig ist herauszustellen: Eine Person, die an Hyrox teilnimmt, ist fitter als eine „Durchschnittsperson“ aus der Allgemeinbevölkerung.
Der zweifache deutsche Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste, inzwischen Geschäftsmann, gilt hierzulande als einer der Vorreiter der Hyrox-Welle. „Jeder Mensch”, sagt er, „der ins Fitnessstudio geht, ist auch kompetitiv und will sein Training unter Beweis stellen.” Bislang gab es laut Fürste dafür aber keinen Ort: „Wir haben diesen Ort erschaffen.” Das Mindestalter für Teilnehmer liegt bei 16 Jahren. Bei einer Veranstaltung in London im vergangenen Jahr gab es jedoch zum ersten Mal einen „HYROX Youngstars”, einen Wettbewerb, der sich ausschließlich an Kinder im Alter von 8 bis 15 Jahren richtet –dieser wurde jedoch bisher bei keiner anderen Veranstaltung ausgetragen.
Da Hyrox bisher kaum wissenschaftlich untersucht wurde, führten Forscher der Bundeswehr-Universität in München in diesem Jahr eine erste Untersuchung durch. Ihr Fazit: Es handelt sich um ein intensives, aber gut planbares Format, das sowohl für den Wettkampfsport als auch für gesundheitsorientiertes Training geeignet ist.
Die Crux besteht gegenwärtig darin, dass sich die neue Disziplin, was reguläre Wettkämpfe betrifft, in Deutschland vorerst noch auf die Großstädte konzentriert. In Sachsen-Anhalt ist sie noch nicht weit verbreitet, aber das Format gewinnt zunehmend an Popularität. Einzelne Studios hier werben inzwischen damit, zumindest Hyrox-Trainingsinhalte in ihr Programm aufgenommen zu haben. Aktuell gibt es noch keine regelmäßigen Events in größeren Städten wie Magdeburg oder Halle. Wer jedoch an einem Wettbewerb teilnehmen möchte, findet Veranstaltungen in angrenzenden Bundesländern, zum Beispiel in Leipzig oder Berlin.
Ob Hyrox nun eine „richtige“ Sportart ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) jedenfalls zeigt sich nicht abgeneigt. Was ursprünglich als Fitnesswettbewerb begann, habe 2025 „auch verstärkt Einzug in den Vereinssport gefunden“. Ob als regelmäßige Trainingseinheit oder als Vorbereitung auf Events – viele Sportvereine schaffen laut DOSB mit Hyrox ein „attraktives Angebot für fitnessbegeisterte Erwachsene“. Einige Verwegene sprechen derzeit schon davon, ihren Sport eines Tages ins olympische Programm aufgenommen zu sehen. Wer den geradezu manischen Zwang sieht, den sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) selbst auferlegt hat, Trends der Zeit und vermeintlich modernen Sportarten hinterher zu hecheln, vermag das nicht einmal auszuschließen.
Rudi Bartlitz
Nr. 291 vom 5. November 2025, Seite 25
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