Mögen die Tore mit uns sein
Der 1. FC Magdeburg absolviert bisher die schwächste Saison, seit er in die 2. Fußball-Bundesliga aufgestiegen ist. | Von Rudi Bartlitz
Man wird im dicken Geschichtsbuch des Fußballs lange blättern müssen, einen Klub zu finden, der offiziell den Abstieg als Saisonziel erklärt. Dafür auf eine ganze Reihe anderer, die selbstbewusst vom Aufstieg reden. Und dann ist da noch die große schweigende Mehrheit, die am liebsten kein Ziel ausgeben möchte, eher gern im Vagen bleibt. Zu letzteren gehörte jüngst stets der FCM. Als Sportchef Otmar Schork im Sommer zu den Intentionen des Vereins befragt wurde, beschrieb er seinen Wunsch so: auch in der nächsten Saison der zweiten Liga anzugehören. Und das, obwohl die Blau-Weißen im vergangenen Jahr nur knapp am Aufstieg vorbeigeschrammt waren. Ahnte der alte Fahrensmann da schon etwas?
Nun, wer jetzt, nachdem gut ein Drittel der Spielzeit absolviert ist, auf die Tabelle blickt, dem wird ein leichter Schauer über den Rücken laufen. Die Magdeburger sind Letzter. Mit ernüchternden Zahlen:
- Die Elf von Trainer Petrik Sander holte in zwölf Partien nur magere sieben Punkte.
- Es ist damit zugleich die bisher schwächste Saison, seit der FCM 2018 erstmals in die 2. Liga aufstieg. Damals waren die Blau-Weißen zum selben Zeitpunkt wie jetzt Fünfzehnter (neun Punkte).
- In den letzten zehn Ligaspielen der jetzigen Spielzeit sprang nur ein Sieg heraus.
- Mit lediglich neun Toren in den insgesamt zwölf Partien stellt der FCM den mit Abstand schlechtesten Angriff im Unterhaus. Zwei davon gehen übrigens noch aufs Konto des mittlerweile abgewanderten Martijn Kaars.
- Wie zur Bestätigung all dessen folgte im Test gegen den Drittliga-Vorletzten Schweinfurt am Donnerstag ein blamables 0:1. Nach dem Motto: In schlechten wie in schlechten Zeiten.
Trotz dieser miesen Bilanz wird die Mannschaft von der Konkurrenz zuweilen sogar gelobt – und lobt sich selbst. Wie zuletzt bei der 0:1-Heimniederlage gegen Spitzenreiter Elversberg. Freilich, Magdeburg erarbeitete sich da Chancen, nach 90 Minuten lag der FCM in der Torschussstatistik mit 17:12 vorn. Doch wie so oft brachte man den Ball nicht im gegnerischen Gehäuse unter, bereits zum achten Mal in dieser Saison stand vorn die Null. Sander: „Es fehlt einfach nur das Letzte und das Schwierigste: ‚Diesen verdammten Ball über die Linie zu drücken”.
Klar sollte aber sein, allein mit „Kobra” Wegmanns legendären Bundesliga-Spruch „Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu” kommt der Verein nicht weiter. Das Problem steckt tiefer. Qualität heißt das große Zauberwort. Selbst wenn Kapitän Dominik Reimann bestreitet, dass sich hier ein Problem auftue. „Gegen jeden Gegner sind ja die Chancen da. Das liegt nicht an der Qualität.”
Dennoch, die Schwächen sind nicht wegzureden. Das gilt, wie gesagt, vor allem für die Offensive. Torjäger Kaars (FCM-Legende Christian Beck: „Er fehlt uns auf dem Platz.”) wird schmerzlich vermisst. Er erzielte in der vergangenen Saison 19 Liga-Treffer, mittlerweile stürmt er für St. Pauli eine Etage höher. Ein adäquater Nachfolger wurde nicht gefunden. Die drei gegenwärtigen Kandidaten für diese Position (Alexander Ahl-Holmström, Maximilian Breunig, Ado Onaiwu) präsentieren sich derzeit eher als ein Schatten ihrer selbst.
Ob gerade die Angreifer über ansprechendes Zweitliga-Niveau verfügen, da kommen bei Beobachtern inzwischen Zweifel auf. Zumal auch vom Mittelfeld kaum Torgefahr ausgeht. Stellt sich also die Frage, ob im Sommer zielgerichtet eingekauft wurde. Bei einem Kader von 36 Spielern – immerhin dem größten im bezahlten deutschen Fußball! – umso bedauerlicher. „Soll ich sagen, wir brauchen zwei neue Stürmer? Wir müssen mit dem Personal auskommen, das wir haben”, sagt Sander über den Kader. „Wir müssen die Situation so annehmen, wie sie ist.” Der 64-Jährige weiter: „Wir haben Spieler X und Spieler Y da und mit diesen müssen wir arbeiten und versuchen, es hinzukriegen.”
Aber, daran ließ der Trainer keinen Zweifel, dieses Vertrauen ist nicht unendlich. „Dann muss man einschätzen, ist der Mehrwert für die Mannschaft da oder nicht.” Sollte ebendieser Mehrwert fehlen, fuhr er fort, „dann muss man eine andere Personalie probieren”. Klingt ganz danach, als müsse in der Winterpause unbedingt nachgelegt werden. Sollte es bis dahin nicht gelingen, die Zahl der Akteure – die immerhin alle einen sicher nicht allzu schlecht dotierten Zweitliga-Vertrag besitzen – zu verringern, würde der Kader weiter aufgebläht.
Doch die Offensive ist nicht die einzige Baustelle. Es geht, so schwierig das angesichts der aktuellen Situation sein mag, darum, endlich so etwas wie eine Stammformation zu finden. Selbst wenn das angesichts schwankender Leistungen und der gegenwärtigen Personalsituation in der Innenverteidigung nur zu einem gewissen Teil möglich erscheint. Fakt ist jedoch: Diese Suche läuft nun schon seit Saisonbeginn, damals noch unter dem Mitte Oktober beurlaubten Markus Fiedler. Bis zum elften Spieltag gab es, wie der TV-Sender Sky vorrechnete, beim FCM 30 Wechsel in der Startelf – das ist Rekord in diesem Jahr in der 2. Liga. Allerdings ein zweifelhafter.
Bliebe noch die Trainerfrage. Zwar darf (oder soll) das Duo Petrik Sander/Pascal Ibold zunächst weitermachen. Ein langfristiges Bekenntnis verweigert Otmar Schork allerdings noch. „Die mittelfristige Zukunft wird zeigen, wie es weitergeht”, so der Sportchef. Angesprochen auf das Vertrauen, reagierte Trainer Sander zurückhaltend: „Ich bin da ganz hinten in der Kette. Also ich bin nicht derjenige, um den es geht, sondern es geht darum, dass wir die 2. Liga für den Verein erhalten wollen.”
Spätestens da weiß er sich einig mit Mannschaftsleiter Heiko Horner. Der bekam zuletzt gegen Elversberg – anlässlich seines 25. Dienstjubiläums – eine derart herzergreifende Ehrung im Stadion, wie sie wohl die wenigstens seiner Zunft je in deutschen Arenen erlebt haben. „25 Jahre Heiko – vom Ehrenamt zur Ikone” verkündete eine Choreografie quer über die Nordtribüne. Auch wenn das passende Punkte-Geschenk fehlte, betätigte sich Horner später in den Katakomben nebenberuflich als Orakel: „Wir werden die 2. Liga halten. Wir werden uns da rauskämpfen.”
Nr. 292 vom 19. November 2025, Seite 31
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