Gedanken- und Spaziergänge im Park: Belémertes
Der große Klimagottesdienst, man könnte auch Klimagötzendienst sagen, hat in Belém begonnen. Gerd kann sich nicht vorstellen, dass bei 50.000 Teilnehmern irgendetwas Entscheidendes rauskommt. „Was kann bei dieser Masse Vernünftiges besprochen werden? Wenn man wichtige Entschlüsse fassen will, dann nach Möglichkeit mit höchstens 100 Leuten. Eher noch weniger. So wird wahrscheinlich nur viel geschwätzt und es wird ausgehen wie das berühmte Hornberger Schießen.“ „Das zeigt sich vielleicht auch daran, dass die Oberhäupter der drei Länder, die am meisten Emissionen in die Atmosphäre blasen, China, Indien und die USA, nicht erscheinen. Schon die Wahl des Ortes ist ein Verstoß gegen die Ziele der Klimaschützer. Belém ist eine Stadt nahe der Amazonasmündung, am Rande des Regenwaldes. Eine Eisenbahnstrecke dahin gibt es nicht und so hat man ein Stück Autobahn gebaut und dafür über 70 Hektar des schützenswerten Regenwaldes abgeholzt! Das ist schon ein Widerspruch in sich für eine Klimakonferenz. Der Flugplatz musste um das Doppelte vergrößert werden. Aber die Stadt verfügt auch nicht über die Beherbergungskapazität für die 50.000 Konferenzteilnehmer. Also hat man von Europa zwei große Kreuzfahrtschiffe leer über den Atlantik dampfen lassen, die in der Amazonasmündung vor Anker gingen und Herberge für rund 6.000 Menschen geben sollen. Während des Aufenthalts müssen natürlich dauernd die Motoren mit dem besonders dreckigen Schiffsdiesel laufen, damit die Schiffe die nötige Elektrizität haben.
Wie das in der Marktwirtschaft üblich ist, stiegen die Hotelpreise entsprechend dem Ungleichgewicht von geringem Angebot und massiver Nachfrage ins Unermessliche. Auf den einschlägigen Buchungsseiten verlangten private Anbieter von Unterkünften für zehn Nächte 30.000 bis 50.000 Euro und mehr.“ „Und wer bezahlt das?“ fragte Gerd. „Natürlich die braven Steuerzahler aller Staaten, denn die Tagungsteilnehmer sind doch fast alle Dienstreisende, egal ob sie Staats- und Regierungschefs, Regierungsbeamte, UN-Vertreter, Journalisten, NGO-Mitarbeiter oder sogenannte Aktivisten sind.“ „Auf der Webseite von t-online.de las ich, dass auch die Sex-Motels zu Hotels umfunktioniert wurden. Genannt wurde da ein Yorann Costa, der solche Geschäfte in Belém betreibt. Eine Million US-Dollar will Costa während der COP30 verdienen, was bei drei Wochen Aufenthalt und rund 400 Dollar pro Nacht und Kopf durchaus realistisch erscheint.“ „Dabei wird überhaupt nicht von dem berüchtigten ökologischen Fußabdruck geredet, den die 50.000 hinterlassen, da fast alle mit dem Flugzeug anreisen, wobei die Regierungsmaschinen dazu noch sehr unterbesetzt sind.“
„Der ökologische Fußabdruck gilt doch nur für uns gewöhnliche Menschen, nicht für die Erleuchteten, die nach Belém fliegen.“ „Ist doch alles reichlich belémert“, kalauerte Gerd. „Das ist vielleicht das richtige Wort dafür“, entgegnete ich. „Brasiliens Präsident Lula, der seit Januar 2023 im Amt ist, plädierte stets dafür, dass die reichen Industrieländer für die Kosten des Erhaltens des Regenwaldes aufkommen müssten, aber er verschweigt, dass allein während seiner Amtszeit 2023 und 2024 insgesamt über 3 Millionen Hektar Regenwald legal und illegal gerodet wurden!“
Das können nur Bürokratenhirne
Mit Freuden nahmen wir zur Kenntnis, dass unser Weihnachtsmarkt doch stattfinden kann, nachdem das auf Grund einer Stellungnahme des Landesverwaltungsamtes auf der Kippe stand. Ein entscheidender Satz in besagter Stellungnahme lautete, dass mit dem Weihnachtsmarkt „ein potentielles Anschlagsziel“ geschaffen würde. Gerd konnte sich über diesen Satz kaum einkriegen: „Die Schaffung eines potenziellen Anschlagzieles! Welches Bürokratenhirn hat das ausgebrütet? Die Welt besteht aus „potenziellen Anschlagszielen“! Alle großen Fußballspiele, jedes Sportereignis, alle Musikfeste, jedes Opernhaus, alle Rosenmontagsumzüge und alle Karnevalsfeiern sind dann potentielle Anschlagsziele. Aber auch alle Brücken, alle Bahnhöfe – es könnte noch Stunden dauern, alle aufzuzählen. Muss man dann alle absagen oder schließen? Das ist doch Schwachsinn.“ „Da hast du recht“, stimmte ich ihm zu. „Außerdem ist es im Grunde eine Täter-Opfer-Umkehr. Nicht der Täter ist schuld, sondern die Menschen, die solche Veranstaltungen organisieren und besuchen. Das ist fast so, als würde die Polizei zu einem Bestohlenen sagen: Sie sind schuld, weil Sie Geld und Schmuck mit sich tragen.“ „Es gibt nun mal keine absolute Sicherheit, leider. Auch wenn eine Zufahrt mit einem Auto unmöglich wäre, was hätte den Täter daran gehindert, mit einem Sprengstoffgürtel unter dem Mantel sich im Gedrängel in die Luft zu sprengen. Ich könnte mir vorstellen, dass der Verantwortliche in der Behörde sich gedacht hat: Da es keine absolute Sicherheit gibt, lassen wir es lieber nicht zu, dann kann uns niemand für eine eventuelle Katastrophe verantwortlich machen.“
Wenn die Falschen mitstimmen
„Wir Deutschen mögen es, uns gegenseitig das politische Leben schwer zu machen“, meinte Gerd. „Das nimmt manchmal schon groteske und lächerliche Züge an. So wie kürzlich in Kiel. Die Grünen hatten im Bauausschuss einen Antrag zur Umgestaltung einer Straße eingebracht, der von SPD und CDU abgelehnt wurde. Dafür stimmten Ausschussmitglieder der Linken, des SSW und – jetzt kommt es – auch das Ausschussmitglied der AfD, womit der Antrag angenommen wurde. Dank der AfD! Eine Sünde wider den Heiligen Geist! Vor allem die CDU tat besonders empört. Und die Grünen? Sie geben sich als reuige Sünder. Ihre Fraktionschefin sagte: Das war eindeutig ein Fehler. Das darf nicht passieren. Das darf uns nie wieder passieren.“ „Ist das nicht irre“, antwortete ich. „Da setzen sie ihren Willen durch und bereuen es, weil die AfD dieses Vorhaben auch gut fand! Etwas Richtiges wird also falsch, weil die Falschen es für richtig halten. Auf so etwas kann man doch nur kommen, wenn Ideologie den Verstand umnebelt.“ „Oh“, sagte Gerd, „an so was ist die Politik nicht arm. Das Bundesinnenministerium hat nun endlich am 5. November die Vereinigung „Muslim interaktiv“ verboten, weil Zweck und Tätigkeit dieser Organisation sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung richten. U. a. fordern dieser Verein die Errichtung eines Kalifats, was zwangsläufig die Abschaffung unserer Staatsform bedeutet! Das Irre dabei ist, dass die AfD bereits Mitte Juni 2024 einen entsprechenden Antrag im Bundestag eingebracht hatte, der natürlich von allen anderen Parteien abgelehnt wurde. Was wäre gewesen, wenn die CDU ihn eingebracht hätte?“ „Das wäre wohl als ein Anschlag auf das Heiligtum Brandmauer betrachtet worden, da die AfD sicher mit der CDU für das Verbot gestimmt hatte.“
Das EU-Parlament scheint dagegen nicht mehr so sehr auf die Brandmauer zu achten, sondern entschied sich letzte Woche mehr für die Vernunft, als über die deutliche Abschwächung des wirtschaftsschädlichen Lieferkettengesetzes abgestimmt wurde. Die EVP, wozu die CDU gehört, erreichte zusammen mit den drei rechten Fraktionen einschließlich der AfD eine große Mehrheit für diese Änderung. Dass das bei grünen und sozialdemokratischen Parteien Empörung auslöste, war zu erwarten. Die Kluft zwischen der EVP und den rechten Parteien ist in Wahrheit nicht so groß, wie bei uns immer gepredigt wird. Einige Länder Europas haben auch schon seit längerem bewiesen, dass ohne Brandmauer weder die Welt noch die Demokratie untergeht.
Gesinnungsklima
„Dafür wird aber bei uns der Toleranzspielraum immer enger“, meinte Gerd, „man könnte es kleinkariert nennen, aber das wäre schon eine Verharmlosung. Da war doch vor wenigen Tagen der parteilose Potsdamer Baubeigeordnete, Dipl.-Ing. Bernd Rubelt, in seiner Freizeit in der Kulturscheune Marquardt zu einer Lesung von Uwe Tellkamp, einem namhaften Schriftsteller („Der Turm“), der einen konservativen Standpunkt vertritt. Schon ging eine Hexenjagd los! Zeitungen schrieben darüber, SPD und Linke verlangen von Rubelt eine Distanzierung und selbst Potsdams frisch gewählte Oberbürgermeisterin Noosha Aubel kritisierte die Teilnahme als „stille Billigung“ und rückt die Veranstaltung in die Nähe von politischem Extremismus. Man muss befürchten, dass er um seinen Posten bangen muss.“ „Das finde ich schlimm. Aber ich hörte von einem Freund, dass Potsdamer Bürger in der Märkischen Allgemeinen gegen diese ideologische Verengung der Meinungs- und Handlungsfreiheit öffentlich auftreten. Die Initiative Mitteschön veröffentlichte eine Erklärung, die von einer Reihe Unterstützern unterzeichnet wurde. Darin heißt es: „Die Angriffe auf unseren Baubeigeordneten Bernd Rubelt wegen seiner privaten Teilnahme an der Tellkamp-Lesung in der Kulturscheune Marquardt sind ein Tiefpunkt der politischen Kultur in Potsdam. Die pauschale Verurteilung einer literarischen Veranstaltung mit einem Buchpreisträger als ‚neurechts‘ und die moralische Erpressung unseres Baubeigeordneten sind Ausdruck eines Gesinnungsklimas, das Meinungsfreiheit nur noch unter Vorbehalt zulässt.“
Wir fanden, dass diese Erklärung Hoffnung macht für den politischen Diskurs zwischen uns Bürgern. Aber, da waren wir uns einig, wir sollten uns mal wieder über den Begriff Toleranz und seine Bedeutung austauschen.
Paul F. Gaudi
Die Kolumnen von Paul F. Gaudi sind als Buch unter dem Titel „Der Spaziergänger“ Teil I (Nr. 1 bis 54) und Teil II (Nr. 55 bis 100) erhältlich. Erschienen ist inzwischen Teil III. Die Bücher können im KOMPAKT Medienzentrum erworben oder online unter www.kompakt.media bestellt werden.
Nr. 292 vom 19. November 2025, Seite 7
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