Sieben Mal probiert, sieben Mal ist nichts passiert
Trotz schlechter Erfahrungen fasst der deutsche Sport eine erneute Olympia-Bewerbung ins Auge. In München bringt ein Bürgerentscheid jetzt ein überraschendes Ergebnis hervor. | Von Rudi Bartlitz
Dass die Deutschen olympiamüde geworden seien, galt seit längerem als keine besondere intellektuelle Erkenntnis mehr. Anno 1972 war es, dass sich, wie Kommentatoren gern schreiben, letztmals die Sportjugend der Welt auf hiesigem Boden traf. In München wars. Sieben Mal hat der schwarz-rot-goldene Sport seither seinen Hut in den (olympischen) Ring geworden. Wollte wieder Gastgeber sein. Sieben Mal ist nichts passiert. Zum Teil scheiterte man kläglich. Zuletzt sprach sogar die Bevölkerung (so in München und Hamburg) in Bürgerentscheiden unüberhörbar ihr „Nein” aus.
Nun plötzlich offenbar ein Stimmungswandel. Nachdem Deutschland sich entschieden hatte, die Austragung der Spiele 2036, 2040 oder 2044 anzustreben, war in der ersten der vier Bewerberregionen (München, Berlin, Hamburg, Rhein/Ruhr) ein Bürgerentscheid angesetzt. Und siehe da, in Bayerns Landeshauptstadt feierte die Pro-Olympia-Fraktion einen unerwartet deutlichen Erfolg. Es gab 66,4 Prozent Ja-Stimmen bei einer Rekord-Wahlbeteiligung von 42 Prozent. Der Stadt ist etwas gelungen, das in Deutschland kaum noch vorstellbar war: Die Bevölkerung hat sich für eine Bewerbung ausgesprochen.
Schnell waren die Meinungsforschungsinstitute dabei zu erkunden, ob es sich vielleicht um einen einmaligen Ausrutscher handelt. Nein, lautet die klare Antwort. Der olympische Wind zwischen Nordsee und Alpen ist offensichtlich dabei, sich zu drehen. Laut den Ergebnissen einer repräsentativen Forsa-Umfrage, die vom „Stern”-Magazin in Auftrag gegeben wurde, wünschen sich 72 Prozent der Deutschen die Sommerspiele in ihrem Heimatland. Eine phänomenale Zahl! Nur 22 Prozent lehnen das Sportgroßereignis ab, sechs Prozent äußerten sich nicht. Die Unterstützung für Olympia sei laut „Stern” quer durch alle Altersgruppen und politische Lager hoch. Die Olympia-Befürworter unter den Befragten favorisierten mit 39 Prozent München. Dahinter folgen Rhein/Ruhr mit 24 und Berlin mit 19 Prozent. Hamburg bildet mit 11 Prozent das Schlusslicht.
Eine Umfrage des Meinungsinstituts INSA im Auftrag der „Bild” ergibt: 40 Prozent der Deutschen unterstützen eine Bewerbung für die Olympischen Spiele. 29 Prozent lehnen sie ab. 24 Prozent interessiert das Thema nicht. Und was eine mögliche Ausrichterstadt betrifft, weist die Erhebung einen deutlichen Abstand für München aus. 48 Prozent der Befragten sprachen sich für diesen Standort aus. Für Berlin stimmten 21 Prozent, für Rhein-Ruhr 14 Prozent. Zehn Prozent votierten für Hamburg.
Noch rätseln Experten, womit der gemessene Meinungsumschwung zu erklären ist. Zwei Tendenzen deuten sich an. Zum einen die ebenso heiteren wie glanzvollen Spiele im vergangenen Jahr in Paris. Das hat gewiss abgefärbt, auch in der Politik. Hinzu kam, dass hierzulande alles zeitgleich (und nicht wie zuvor in Tokio oder Rio zu meist nachtschlafener Zeit) mitzuerleben war. Zudem hat München 2022 bei den sogenannten European Games bewiesen, dass die Deutschen – trotz oft berechtigter Kritik – immer noch in der Lage sind, Großveranstaltungen zu organisieren und zum Erfolg zu führen.
Die Entscheidung über den Bewerber soll im Herbst nächsten Jahres fallen. Aber eine Mehrheit in Deutschland hat, siehe obige Zahlen, schon einen Favoriten auserkoren: München! Für die Stadt sprechen die vorhandenen Spielstätten (einschließlich Olympiastadion, letzteres fehlt in Hamburg und Rhein/Ruhr) und die Erfahrung mit olympischer Rendite (siehe 1972). Dass andere die Zustimmungswerte der Bayern erreichen, erscheint inzwischen fraglich. Im schuldengeplagten Berlin gilt die Olympiaskepsis als groß. Nordrhein-Westfalen müsste jede einzelne beteiligte Kommune ein positives Votum erreichen. Und in Hamburg hat eine (nicht repräsentative) NDR-Umfrage eine breite Ablehnung von 60 Prozent ergeben.
Mit Hamburgs Downgrade schwinden allerdings auch die Hoffnungen der Olympiafreunde in Sachsen-Anhalt, selbst direkt in den Bann der fünf Ringe gezogen zu werden. Denn die Hanseaten wollen laut ihrer Planungen auch Orte im Osten einbeziehen. So ist das Magdeburger Stadion für Fußball-Vorrunden-Partien vorgemerkt. Kanuslalom fände im sächsischen Markkleeberg statt, Schießen im thüringischen Suhl.
Sicher erscheint gegenwärtig die breite Unterstützung der Bewerbung durch die Politik. Die Sportminister der Länder zeigten sich zuletzt überzeugt, welcher Segen dieses Projekt für alle habe. Für Spitzen- wie Breitensport, für Erwachsene wie Kinder, für die Sanierung maroder Sportstätten, für die Bewegungskultur und nicht zuletzt für die Seele eines Landes, das ob seiner miesepetrigen Stimmung nach einem erfreulichen Gemeinschaftserlebnis dürste.
Doch so weit ist es längst noch nicht. Für 2036 kommt ein europäisches Land wahrscheinlich kaum in Frage. Bisher hat nur Katar eine offizielle Bewerbung für Doha eingereicht. Wie die führende arabische Macht Saudi-Arabien (der Katar schon die Fußball-WM wegschnappte) reagiert, ist noch offen. Indien bekundete ebenso großes Interesse und gilt in IOC-Kreisen als Favorit. Mit den Spielen liebäugeln auch Madrid, Istanbul und Kapstadt. Aus dem Dreieck Arabien/Asien/Afrika werden, so prognostizieren Kenner, am Ende mindestens zwei der drei Ausrichter bis 2044 kommen.
Blieben noch die heiklen Finanzen. Keiner kann sagen, was die Versprechungen von heute angesichts der weltpolitischen Wirrnisse morgen noch wert sind. In Deutschland rechnet man nach Ansicht von Fachleuten jedenfalls derzeit mit Olympiakosten jenseits der Zehn-Milliarden-Euro-Marke; Paris kostete der Spaß nach jüngsten Berechnungen des Rechnungshofes 6,6 Milliarden Euro.
Angesichts des zuletzt hierzulande praktizierten Weges, Finanzklippen zu umschiffen: Wie wäre es mit einem „Sondervermögen Olympia“? Es müssen ja nicht gleich 100 Milliarden sein.
Nr. 292 vom 19. November 2025, Seite 32
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