Kaffeeklatsch: Der neue Schmuck im Advent

Es wird Ihnen nicht entgangen sein, dass wir mit schnellen Schritten auf den Jahreswechsel zu eilen. Davor kommt natürlich erstmal die Adventszeit, in der sich Magdeburg ein Lichterkleidchen anzieht. Gut – dass Weihnachten vor der Tür steht, weiß man ja spätestens seit Ende August, weil da schon die ersten Lebkuchenherzen und Schokoladenweihnachtsmänner die Supermärkte belagerten. Über den ganzen Schlamassel um die Öffnung des Weihnachtsmarktes auf dem Alten Markt müssen wir hier nicht reden. Das ist schon alles peinlich genug.

 

Da lob ich mir meine Kaffeehaus-Atmosphäre in der Grünen Zitadelle. Da braucht es keine angemalten Betonklötze und Polizeibewachung, um bei einem leckeren Glühwein über die Kuriositäten der Zeit herzuziehen. Ich muss heute immer breit grinsen, wenn jemand die Bemerkung raushaut, wir ließen uns unsere Art zu leben, nicht durch irgendwelche extremistischen Gewaltchaoten kaputtmachen. Vielleicht sollte der Bundeskanzler mal über das Weihnachtsmarktbild sprechen. Und da wären gewiss nicht Menschen gemeint, die nicht wie alteingesessene Magdeburger aussehen, sondern nur die Advents-Sicherheits-Ketten und all das neumodische Beiwerk, das allerorten aufgebaut wird, um sich vermeintlich sicher in einen Glühweinrausch bringen zu können. Vielleicht ist mit der wundervollen Advents-Sicherheitsbeschmückung auch das neue bunte Deutschland gemeint, das uns vor zehn Jahren prophezeit wurde. Wer sich ausreichend Punsch hinter die Binde gekippt hat oder wer eventuell einfach nicht mehr so gut zufuß ist, muss aufpassen, nicht über die Weihnachtsmarktbauklötze zu stolpern und sich den Schädel daran aufzuschlagen. Auf die Haftungsklage bin ich dann mal gespannt.

 

Wenn dann die letzten übriggebliebenen Christen die Geburt Jesus feiern – allein 2024 traten über 666.000 Menschen aus der Kirche aus –, soll mir mal jemand erklären, welche christliche Traditionen wir zu Weihnachten wirklich pflegen? Ich kann Ihnen versichern, in unserem Café wird in den nächsten Wochen jede Menge Traditionspflege zu schmecken sein. Diesbezüglich bleiben wir verlässlich stur. Selbst an der Bewirtungsfreundlichkeit und am besten Kuchenduft werden wir keinen Cent sparen, selbst wenn draußen die Preise und Abgaben weiter in die Höhe klettern. Ich weiß, Sie möchten jetzt einwenden, dass Freundlichkeit und Düfte ja keine zusätzlichen Kosten verursachen würden. Da haben Sie gut reden. Bei der Lage der Nation kann einem jedes Adventslächeln und jeder Weihnachtsspaß vergehen. Die Weihnachtsgeschichten der Regierung in Berlin kommen uns alle teuer zu stehen. Deshalb wird Freundlichkeit nämlich unbezahlbar.

 

Erinnern Sie sich ein wenig daran, welchen Stress die Vorweihnachtszeit früher machte! Geschenke besorgen, Weihnachtsbraten suchen – und da gab es Mangelzeiten, in denen gegessen wurde, was der Lebensmittelhandel so hergab. Da war Weihnachten noch kein Wunschkonzert. Den Konsum-Mangel von damals haben wir jetzt umdefiniert in eine Not an Unbeschwertheit. Wenn Sie unser Café besuchen, finden Sie aber noch manches aus der guten alten Zeit.

 

Bis bald bei einem netten Plausch in der Gemäldestube oder im Café Alt Magdeburg, Ihre Manuela Bensch

Nr. 292 vom 19. November 2025, Seite 26

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