Glück und Glas
Für die SCM-Handballer steht am kommenden Wochenende der erste Saisonhöhepunkt bevor: das Final-Four-Turnier um den DHB-Pokal.
Die weiß Gott nicht billigen Tickets (zwischen 74 und 329 Euro) liegen längst parat, Hotelzimmer sind gebucht, die Fahrtroute abgesteckt: Für knapp 1.200 Magdeburger Handball-Enthusiasten ist das bevorstehende Wochenende seit Monaten DAS Event schlechthin. Darauf wird regelrecht hingefiebert. Einige ganz Vorausschauende haben sogar schon Plätze in den stets überfüllten Restaurants der Kölner Altstadt reservieren lassen …
Denn am 18. und 19. April ruft die Domstadt zur Finalrunde um den Pokal des Deutschen Handballbundes (DHB). Das sogenannte „Final Four“ der besten vier Mannschaften der Cup-Saison läutet die Wochen der Entscheidungen im nationalen und internationalen Handball ein. Es ist der Beginn einer wahren Titelhatz. Innerhalb von acht Wochen fallen dann für die deutschen Vereine die wichtigsten Entscheidungen des Jahres: Pokal, European League, Meisterschaft, Champions League. In dieser Reihenfolge.
Das Schöne daran: In allen drei für ihn möglichen Wettbewerben ist der SC Magdeburg, um es bescheiden zu formulieren, aussichtsreich vertreten. Es ließe sich fast schon mantrahaft herunterbeten: Für die Grün-Roten gilt der alleinige Fokus dem nächstliegenden, also dem Pokal-Finalwettbewerb in der Lanxess-Arena, mit einer Kapazität von 19.750 Plätzen Deutschlands größten Spielsporthalle. Und ganz Handball-Deutschland träumt da schon vom Finale, dem Klassiker zwischen dem SCM und den Füchsen Berlin, den Top-Teams der bisherigen Saison. Dass sich beide in den Halbfinals (Magdeburg gegen den Bergischen HC, die Hauptstädter gegen TBV Lemgo) durchsetzen, wird dabei fast wie selbstverständlich vorausgesetzt.
Die sportliche Seite mit Halbfinals und Finale und all der zu erwartenden Dramatik ist das eine. Aber das genügt den Machern offenbar nicht – oder nicht mehr. „Wir werden daraus den Super Bowl des Handballs machen”, hatte der Chef der übertragenden Streaming-Plattform Dyn, Christian Seifert, bereits im Vorjahr vollmundig angekündigt. „Das muss auch unser Selbstverständnis sein – in einem Land mit der stärksten Liga, mit den stärksten Spielern”, rechtfertigt Seifert seinen Anspruch. Dyn überträgt nahezu sämtliche wichtigen Handballspiele live.
Man wolle den Handball „auf ein neues Level heben”, so wird Seifert auch in diesen Tagen nicht müde zu werben. Das Pokalfinale sei „eines der vier wichtigsten Handballspiele der Welt” neben dem WM- und EM-Finale und dem Endspiel in der Champions League. Auf der Suche nach ständig neuen Anreizen ist es dem Veranstalter diesmal gelungen, wieder eine Neuigkeit aus dem Hut zu zaubern. Diesmal geht es um eine technologische Innovation.
Gespielt wird in Köln erstmals auf einer Art Glasboden. Auf einem „vollflächigen LED-Videosportboden aus Glas“, wie es in der Fachsprache heißt. Dieser kann mithilfe von Millionen von LED-Punkten individuell angepasst werden, um animierte Inhalte wie Team-Logos, Partnerwerbung, Echtzeitstatistiken und – nicht ganz unwichtig – selbstverständlich auch die Spielfeldmarkierungen anzuzeigen. Kann man darauf denn nicht mächtig ausrutschen, wird nun der Laie naiv fragen. Nach Angaben des Herstellers biete die „patentierte keramisch gepunktete Oberfläche” eine „hervorragende Rutschhemmung, welche herkömmliche Holzsportböden übertrifft”. Luftkissen zwischen den Keramikpunkten sollen zudem Reibungsverbrennungen verhindern, die durch Stürze entstehen können. Der Boden sei zudem „wesentlich elastischer” als andere, was sich – so die frohe Botschaft – „positiv auf die Gelenke der Athleten“ auswirke.
Nr. 301 vom 14. April 2026, Seite 24
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