Grüße von ganz unten

Eine der großen Trainerwahrheiten des Fußballsports lautet: Leistungen lassen sich beeinflussen, Ergebnisse nur bedingt. An dieser herben Erkenntnis kam auch FCM-Coach Petrik Sander am Wochenende bei der 3:4-Niederlage beim Spitzenteam SC Paderborn nicht vorbei. Ausgerechnet in einer Partie, in der die Magdeburger, als Abstiegskandidat in den Westen gereist, ihr wohl bestes Auswärtsspiel in dieser Saison überhaupt absolvierten. Sie präsentierten sich in einer Verfassung, wie sie seit Monaten nicht von ihnen zu sehen war. Der Unterschied zu einem Top-Team wie dem Tabellenzweiten aus Ostwestfalen war, wenn überhaupt, nur zu erahnen. 

Wenn sie dennoch mit leeren Händen – ob letztlich verdient oder unverdient spielt keine Rolle – in die Börde zurückkehrten, liegt es an einer alten Last, die man glaubte, in den zurückliegenden Wochen abgelegt zu haben: die Löcher in der Defensive. Immer wieder hatten sie die Abwehr von Standardsituationen geübt. Nur: In Paderborn fielen die ersten beiden Gegentreffer genau auf diese Weise. Beim 1:2 standen neun (!) Blau-Weiße im oder nahe des Torraumes. Sie bekamen den Ball nicht weg. „Wichtigste Aufgabe muss es sein“, konstatierte Sander hinterher zu Recht, „das eigene Tor zu schützen“. Dreimal hätten seine Spieler eben dies nicht getan. Dass sie Paderborns Torjäger Filip Bilbija, der vier Mal ins Magdeburger Tor traf, nie in den Griff bekamen, tat ein Übriges.

Wenn außer dem überzeugenden spielerischen Auftritt unbedingt etwas Positives an der Paderborn-Niederlage gefunden werden soll, dann vielleicht das: In Zeiten astronomischer Spritpreise war der Trip, gemessen an anderen Zweitliga-Distanzen, nicht allzu weit: gut 280 Kilometer. Die Tankrechnung fällt also nicht übermäßig üppig aus. Andererseits könnte man dieser Tage sicher mit einem populären Satz daherkommen und einfach konstatieren, dass einmal volltanken – im Pkw wohlgemerkt – inzwischen teurer ist als ein FCM-Trikot.pf pur. Die Gegner heißen Düsseldorf, Nürnberg, Hertha BSC, Kiel und Kaiserslautern. Drei davon empfängt man zu Hause. Das wäre an sich eine Nachricht zum Frohlocken, würde dem nicht die Tatsache entgegenstehen, dass die Magdeburger mit nur elf Punkten das mit Abstand schlechteste Team der 2. Liga stellen.

Wenn schon nicht unbedingt im Heimvorteil, wo könnten also für das Sander-Team die größten Hoffnungen liegen? Antwort: Ganz einfach in der Tatsache, dass es im Abstiegskampf – inzwischen zu einer Binse geworden – noch nie so eng zuging wie diesmal. „Herrlich spannend und verrückt“ nannte ihn der TV-Sender Sky am Wochenende. Acht Mannschaften, also fast die halbe Liga, sind noch darin verwickelt. Den Letzten trennen vom Elften magere vier Punkte. Dass der FCM, derzeit auf Rang 15, dabei vom Potenzial her nicht zu denen gehört, die als erste genannt werden, wenn von der 3. Liga die Rede ist, liegt nach dem Paderborn-Spiel auf der Hand. Nur: Die Leistungen müssen – siehe den Eingangssatz – in Ergebnisse umgemünzt werden.
„Maximales Potenzial für den Klassenerhalt“ sieht auch der neue Sportdirektor Peer Jaekel. Seit Ende März ist der 43-Jährige im Amt. Er übernimmt, wenn auch noch in anderer Funktion, einen Teil der Aufgaben des abgelösten Sportgeschäftsführers Otmar Schork. Er will, daran ließ er bei seinem ersten Presseauftritt keine Zweifel, einiges anders machen als sein Vorgänger. So werde er näher an die Mannschaft rücken und die FCM-Spiele von der Bank aus verfolgen. Spielerisch schwebt ihm ein „mutiger und intensiver Fußball“ vor. Vorerst kennt er jedoch nur ein Ziel: nicht abzusteigen. „Es gibt keine Zeit zum Lamentieren.“

Abstiegskampf hin, Abstiegskampf her. Eines bleibt vielleicht nicht ganz unwichtig anzumerken: In einer Phase, in der es normalerweise wenig zu lachen oder zu scherzen gibt, sind den Blau-Weißen, wie es scheint, Humor und gar feine (Selbst)Ironie nicht verlorengegangen. Den besten Beweis dafür lieferte Sander, der nach dem 4:1 gegen Bochum auf die Frage, wieviel Glück der neue Sportdirektor bei seinem ersten Spiel dem Club denn gebracht habe, trocken und mit unbewegter Miene witzelte: „ich glaube, das war der wichtigste Punkt, um dieses Spiel zu gewinnen.“

Nr. 301 vom 14. April 2026, Seite 25

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