Wenn Mutti früh zur Arbeit geht

Im Leben eines Kindes ist die Mutter die wichtigste Person überhaupt. Und umgekehrt gilt bei gesunder Psyche der Mutter das Gleiche. Eine harmonische Mutter-Kind-Beziehung ist einer der wichtigsten Schlüssel für ein erfülltes Leben. Wissen dies auch unsere Politiker? Eine Betrachtung zum Muttertag. | Von Prof. Dr. Reinhard Szibor 

Die Zeiten, in denen biedermeierliche Vorstellungen die soziale Rolle der Frau ausschließlich in der Wahrnehmung von Aufgaben im Bereich der drei K (Kinder, Küche, Kirche) sahen, sind vorbei. Heute ist es ein Ausweis politischer Kompetenz, Frauen eine gestaltende Rolle in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens nicht nur zuzubilligen, sondern sogar abzuverlangen. Doch sind die Versprechen unserer Politiker, die Karrierewünsche junger Frauen und zugleich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern, ernst zu nehmen? Sind die propagierten Konzepte überhaupt frauenfreundlich? Nehmen die Politiker zur Kenntnis, dass für Frauen die Geburt ihrer Kinder das größte Ereignis ihres Lebens ist und dass die innige Beziehung zu ihrem Nachwuchs das Beglückendste ist, was Frauen erfahren können? Demzufolge müsste man annehmen, dass für Feministinnen die Stärkung der Mütterrechte eine Forderung sein sollte. Auffällig ist aber, dass gerade für jene, die sich den Feminismus auf die Fahnen geschrieben haben, das Mütterwohl und die Mütterrechte keine Rolle spielen.

 

Was ist Feminismus?

 

Auf der Website der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung steht es so (leicht gekürzt): „Der Begriff Feminismus beschreibt gesellschaftliche Bemühungen, die Rechte von Frauen zu stärken und Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu erreichen …

 

 Um Gleichberechtigung zu erreichen und die Unterdrückung von Frauen zu beenden, ist ein Ziel des Feminismus die Überwindung des Patriarchats. Patriarchat beschreibt eine Gesellschaftsstruktur, in der Männer gegenüber anderen Geschlechtern (sic) eine bevorzugte Stellung einnehmen. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass Frauen und diverse Menschen deutlich seltener in den Führungsetagen von Unternehmen oder im Bundestag sitzen, häufiger geringfügig beschäftigt sind, im Vergleich selbst für gleichwertige Arbeit niedriger bezahlt werden und einen Großteil der unbezahlten Sorgearbeit für Kinder und andere Angehörige übernehmen.“ Die Rolle der Frau als Mutter wird in diesem Zusammenhang kaum thematisiert. Es geht nur um Rechte der Frauen im Erwerbsleben und bei der politischen Machtausübung. Das Wort „Mutter“ erscheint in diesem Artikel nur in negativem Bezug. Es wird darauf hingewiesen, dass im Nationalsozialismus Frauen in stereotype Geschlechterrollen gedrängt und die Rolle als Hausfrau und Mutter zum Idealbild der Frau verklärt wurde. Die Rolle der Frau als Kindergebärende wird nur unter dem Aspekt des Rechts auf Abtreibung thematisiert. Auf der Website der Heinrich-Böll-Stiftung, der politischen Stiftung der Grünen, wird der Feminismus ganz ähnlich erklärt, aber das Wort „Mutter“ kommt hier nicht ein einziges Mal vor. Besondere Rechte von Frauen, die sich aus ihrer Rolle als Mütter ableiten sollten, werden in den erwähnten Artikeln nicht gefordert.

 

Nicht alle Frauen wollen Führungspositionen

 

Der Maßstab für den Erfolg der Durchsetzung der Frauenrechte scheint für unsere Regierung, die meisten Medien und auch andere gesellschaftliche Formationen zu sein, wie viele Frauen sich in Führungspositionen befinden. Da sich die Dinge offenbar spontan nicht so entwickeln, wie politisch gewünscht, hat die Politik nachgeholfen. Seit 2016 regelt eine verordnete Frauenquote eine Mindestanzahl von 30 Prozent Frauen in Aufsichtsräten großer Unternehmen. Während der Frauenanteil in Aufsichtsräten der DAX-Unternehmen auf über 35 bis 39 Prozent gestiegen ist, bleibt der Anteil in den Vorständen und der breiten Wirtschaft unter 20 bis 25 Prozent. Letzteres wird vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der linken Presse sowie von Politikern, außer denen von der AfD und von Teilen der CDU/CSU, als Unglück wahrgenommen. Beklagt wird auch, dass sich unter den Abgeordneten des Deutschen Bundestages „nur“ 32,4 Prozent Frauen befinden. Nicht viel anders sieht es aus in den Leitungspositionen der Behörden, wissenschaftlicher Institute, Gesundheitseinrichtungen usw. Aber das Lamentieren ist fehl am Platz. Vielmehr ist es so, dass viele Frauen mit hohem Bildungsgrad und einer gesunden Psyche gar keine Spitzenpositionen anstreben. Die sind meist glücklich damit, einen qualifizierten Beruf auszuüben, aber in ihrer Lebensphase als junge Mütter die berufliche Karriere als zweitrangig einzuschätzen und hauptsächlich für ihre Kinder da zu sein. Vereinzelt wollen Frauen sogar längerfristig ganz auf berufliche Tätigkeit verzichten und finden ihre Erfüllung darin, eine größere Anzahl von Kindern zu gebären und großzuziehen. Das sind Rechte einer jeden Frau, die unsere Gesellschaft respektieren sollte, zumal es dafür gute Gründe gibt.

 

Mütter und Kinder leiden unter einer falschen Politik

 

Wenn Frauen mehrere Kinder optimal betreuen und diese zu psychisch gesunden sowie leistungsfähigen und -bereiten Menschen erziehen, sind sie diejenigen, die einen Kader rekrutieren, der in der künftigen Gesellschaft Großes leisten wird, z. B. in der Wirtschaft, im Gesundheitswesen, in der Wissenschaft u. a. m. Außerdem ist dieser Nachwuchs derjenige, der das Rentensystem und andere Sozialsysteme stabilisiert. Auf jeden Fall leisten diese Mütter, auch wenn sie im Erwerbsleben nur halbtags oder auch gar nicht tätig sind, mehr für unsere Gesellschaft als ganztagsbeschäftigte Frauen, die etwa Lehrstühle für Genderstudies oder „Angewandte Freizeitwissenschaft“ besetzen und damit Jugendliche davon abhalten, Ausbildungen in nützlichen Fachrichtungen, wie beispielsweise den MINT- oder Gesundheitsdienstfächern, zu absolvieren.

 

Aber Mütter, die ihre Erwerbstätigkeit zugunsten einer intensiven Nachwuchsbetreuung aufgeben oder reduzieren, sind von Altersarmut bedroht. Davor hat vor einiger Zeit die damalige Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) gewarnt, dies aber nicht, um eine bessere Mütterförderpolitik einzuleiten, sondern um Frauen von diesem Weg abzubringen. Eine mütterfreundliche Politik hatte zuvor die Familienministerin der CDU, Kristina Schröder, versucht. Die spielt aber heute leider keine gestaltende Rolle mehr. Erfreulicherweise hat sich die SPD aber dazu durchgerungen, einen Herzenswunsch der CSU zu erfüllen und im Koalitionsvertrag der Erhöhung der Mütterrente zuzustimmen. Das beseitigt zwar noch nicht die Gefahr der Altersarmut, ist aber ein Schritt in die richtige Richtung. Die Partei der Grünen protestiert dagegen. Wieso sie gegen eine angemessene Versorgung von Großmüttern stimmen, obwohl sie sich als feministische Partei ausgeben, bleibt ein Rätsel. Aktuell wollen Minister der SPD und der CDU das Ehegattensplitting bzw. die beitragsfreie Mitversicherung von nicht berufstätigen Ehefrauen bei den Krankenkassen abschaffen.

 

Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil argumentiert, dass die gegenwärtige Situation Frauen dazu verleite, sich ganz auf ihre Mütterrolle zu reduzieren und auf Vollbeschäftigung zu verzichten. Gelänge es ihm, die vermeintlichen „Fehlanreize“ abzuschaffen, und alle Mütter gäben ihre Kinder sofort in die Kinderkrippen, würden nicht nur die Steuereinnahmen noch kräftiger sprudeln, sondern die SPD würde sich auch einen langgehegten Wunsch erfüllen können: „Wir [die Regierung] wollen [mit dem Ausbau der Ganztagsbetreuung] eine kulturelle Revolution erreichen … Und vielleicht kann man das so sagen: Wir wollen die Lufthoheit über den Kinderbetten erobern.“ – Olaf Scholz am 3. November 2002 im Interview mit Karl-Heinz Gehm. Wer sagt der SPD, dass dieses Bestreben dem Geist des Grundgesetzes widerspricht und dass es so etwas bisher nur in totalitären Regimen wie der Nazi-Diktatur und der DDR gab? Das Grundgesetz regelt das Recht zur Kindererziehung in Artikel 6 ganz anders, als es die SPD will!

 

Mütter, die ihre Kleinkinder selbst betreuen möchten, haben recht!

 

Nein, hier soll nicht der Stab gebrochen werden über Eltern, die ihre Kinder frühzeitig in Kinderkrippen bringen. Der Autor dieses Artikels bekennt, dass wir es selbst getan haben, teils weil es in der DDR das Normale war und teils, weil wir manche Informationen, die heute zugänglich sind, nicht hatten. In den 90er Jahren wurde das Stresshormon Cortisol bei Krippenkindern untersucht. Man fand heraus, dass diese in den ersten Wochen in der Krippenbetreuung um 70 bis 100 Prozent höhere Werte aufweisen als Vergleichskinder in ihren Familien. Diese Spiegel sinken zwar mit der Zeit, jedoch sind sie nach fünf bis sechs Monaten noch deutlich erhöht.

 

Bei Krippenkindern kann die Erhöhung zurückgeführt werden auf den psychosozialen Stress durch Trennung von der primären Bezugsperson. Im Gegensatz zu familiär betreuten Kindern, deren Cortisol-Spiegel morgens am höchsten ist und sich während des Tages abbaut, stieg der Cortisol-Level selbst bei gehobener Betreuungsqualität der Kinder in Gruppenbetreuung im Laufe des Tages ständig weiter an. Das zeigt, dass diese Kinder ganz offenbar immer mehr unter Stress geraten. Viele Studien belegen, dass selbst bei sehr guter Betreuungsqualität der erhöhte Cortisolverlauf besonders auffällig ist bei Kindern unter drei Jahren.

 

Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass vor allem die Trennung von den Eltern und die Gruppensituation die Kinder emotional überfordern. Die Qualität der Einrichtung scheint zweitrangig zu sein. Nach Einschätzung des Psychologen R. Böhm entsprechen die Cortisolspiegelverläufe bei Krippenkindern etwa denen eines Managers mit extremer Berufsbelastung. Frühkindlicher Stress, der durch negative Bindungserfahrungen entsteht, aktiviert im Gehirn dauerhaft ähnliche Schaltkreise wie Panikzustände und körperlicher Schmerz. Die Zahl der stationären Behandlungen aufgrund psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen ist in den letzten 20 Jahren um 36,5 Prozent gestiegen. Psychische Probleme sind zu einem Hauptgrund für Klinikaufenthalte geworden, wobei Depressionen und Verhaltensstörungen besonders zunehmen. Etwa 20 bis 23 Prozent der jungen Menschen weisen psychische Auffälligkeiten auf. Das mag viele Ursachen haben, aber die frühkindlichen psychischen Traumata durch Unterbrechung der Mutter-Kind-Bindung bei Fremdbetreuung gehören mit Sicherheit dazu.

 

Gleichbehandeln von Ungleichen ist keine Gerechtigkeit

 

Erschreckend ist, dass viele von unseren Politikern es nicht begriffen haben, dass sich Männer und Frauen grundlegend unterscheiden, vor allem hinsichtlich ihrer Rolle im Fortpflanzungsgeschehen. Sie wollen Ungleiche (Männer und Frauen) als Gleiche behandeln und verkaufen uns das als Geschlechtergerechtigkeit. Aber es ist Ignoranz und Mangel an Bildung.   Ausgerechnet die Frauenunion fordert, dass künftig auch Frauen den Wehrdienstfragebogen ausfüllen müssen – mit Aussicht auf einen Pflichtdienst beim Militär oder auf ein soziales Pflichtjahr. Auch Johann Wadephul argumentiert, dass bei der Wehrpflicht in heutiger Zeit keine Unterscheidung mehr zwischen den Geschlechtern gemacht werden dürfe. Und auch Friedrich Merz hat sich offen für eine Einbeziehung von Frauen gezeigt.

 

Die Grünen erheben in diesem Zusammenhang einmal mehr ihren Sexismusvorwurf. Nehmen all diese Menschen nicht wahr, dass Frauen, sofern sie Mütter werden, ohnehin mehr als ein soziales Pflichtjahr abliefern und die meiste Zeit ihres Lebens damit verbringen, eine soziale Aufgabe für unser Volk zu leisten? Dieser Dienst ist um ein Vielfaches höher, als es Männer jemals erbringen können, selbst wenn sie als Väter maximal verantwortungsbewusst handeln. Das liegt einfach an der Biologie. Im dringend nötigen Reproduktionsprozess sind Frauen pro Kind neun Monate schwanger und fallen danach zur Kinderpflege aus dem Ausbildungs- oder Arbeitsprozess aus, wenn sie verantwortungsbewusst sind, sogar für längere Zeit. Wenn die Gesellschaft es mit den Frauenrechten ernst nehmen würde, müsste sie alles dafür tun, dass jede Frau es erreichen kann, ihre Berufsausbildung (selbst eine akademische) bis zum 24. Lebensjahr abzuschließen und bis etwa zum 26. im Beruf Fuß gefasst zu haben. Sie hätte dann die Möglichkeit, in Harmonie mit den biologischen Entwicklungsphasen einer Frau bis zum 30., spätestens bis zum 32. Lebensjahr ihre Kinder zu gebären, im Idealfall zwei bis drei (wahlweise natürlich weniger oder mehr).

 

An der Reproduktion offenbart sich eine dekadente Gesellschaft

 

Wir haben in unserem Land die verhängnisvolle Situation, dass die Frauen aufgrund der politischen Rahmenbedingungen das Kinderkriegen immer mehr in ihr höheres Lebensalter verschieben. Aber schon mit 30 nimmt die Empfängnisfähigkeit signifikant ab. Die Fertilitätspraxen (Kinderwunschpraxen) haben daraufhin reichlich zu tun. Als besonders dekadente Erscheinung ist das „Social Freezing“ zu betrachten. Dabei handelt es sich ums Einfrieren unbefruchteter Eizellen bei ca. -200 °C. Frauen wollen damit ihre biologische Uhr überlisten, um die Geburt eines Kindes in einen Lebensabschnitt zu verlegen, der eigentlich jenseits der Fertilisationszeit liegt, aber den beruflichen Aufstieg in höhere Gefilde nicht stört. Lange bekannt ist auch, dass mit dem Alter der Mütter das Risiko für Geburten von Kindern mit erheblichen genetischen Störungen hochsignifikant steigt. Es kommen vermehrt Chromosomenanomalien vor, die mit schweren Entwicklungsstörungen und Krankheitserscheinungen verbunden sind. Man kann seit einiger Zeit mit einem nicht-invasiven Pränataltest (NIPT) das Down-Syndrom (Trisomie 21) oder noch schwerere Entwicklungsstörungen, die mit Trisomien 13 und 18 verbunden sind, schon während der Schwangerschaft erkennen. Die Folge eines positiven Befundes ist dann die Abtreibung des Föten. Die Fassungslosigkeit des Autors dieses Artikels ergibt sich aus dem Unverständnis darüber, dass selbst die Politikerinnen und Politiker der CDU die Anzahl der Abtreibungen in die Höhe treiben, indem sie dafür sorgen, dass die Frauen ihre Schwangerschaften in immer höhere Lebensalter verlegen.

 

Wunsch zum Muttertag

 

Ich wünsche allen Müttern, dass wir Regierungen bekommen, die Mütterrechte stärken. Mütter und Väter sollen selbst entscheiden können, wie sie ihren Nachwuchs aufziehen. Und wie auch immer die Entscheidung ausfällt, es darf nicht dazu führen, dass Mütter deshalb in Altersarmut geraten. Ich wünsche allen Müttern Partner (im Idealfall Ehepartner), die ihre kleinen Kinder dazu anhalten, ihrer Mutter eine Liebesbezeugung zu schenken, also einen selbstgepflückten Blumenstrauß, ein selbstgemaltes Bild oder etwas Adäquates. Ich wünsche Müttern mit schon erwachsenen Kindern, dass diese mit einem Blumenstrauß gratulieren und ihre Mütter einladen, zu Hause, in ein Restaurant und/oder zu einem Konzertbesuch. Wenn schon die Politiker die Mütter nicht wertschätzen, so sollen es wenigstens die Familien tun!

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