Was haben wir gelacht!

Lachen ist gesund, verbindet Menschen und unterscheidet uns von den Tieren – zumindest meistens. Doch was passiert eigentlich in unserem Gehirn, wenn wir glucksen, feixen oder schallend lachen? Und warum bleibt uns bei manchen politischen Stilblüten das Lachen eher im Halse stecken? Eine Spurensuche zwischen Evolution, Neurologie und unfreiwilliger Komik in der Politik. | Prof. Dr. Gerald Wolf 

Damals. Und heute? Klar, über die Politik. Auch wenn es den meisten dabei eher zum Heulen ist. Die Politiker selbst, die haben gut lachen, allzumal die althergebrachten. Sie lachen über ihr Volk, das sie melken und nicht mehr „Volk“ nennen, auch nicht „Nation“ – nein, sie sprechen von „unseren Menschen“ und von der „Zivilgesellschaft“, die sie bilden. Und die, die sich einst als Volk begriffen haben, die machen mit. Die meisten jedenfalls. – Zum Lachen?

 

Lachen tut gut

 

Grundsätzlich jedenfalls. Egal ob laut kichernd oder gackernd oder leise vor sich hin glucksend. Manche quietschen vor Lachen, oder sie feixen oder sie schmunzeln nur. Mitunter wird vor Lachen geschrien, zum Beispiel wenn jemand, stolz daherschreitend, über seine eigenen Füße stolpert und der Länge nach hinfällt. – Nein, dann besser nicht lachen! Denn jemanden ob einer Ungeschicktheit auszulachen, schickt sich nicht. Mitunter verlangt es der Anstand zu lachen. Zum Beispiel wenn da einer einen Witz erzählt, der nicht witzig ist. Oder der Witz ist gut, doch fehlt es dem Erzähler an Esprit. Anstandshalber lacht man dann doch. Vielleicht nur deshalb, weil man über das eigene Lachen lachen muss.

 

Dass vor Lachen laut geschrien wird, erlebt man heutzutage am ehesten noch auf dem Rummel. Zum Beispiel dann, während die Gondel bei einer Berg- und Talfahrt heftig in die Tiefe saust. Unsereinen überwältigt dabei eine eigenartige Mischung aus Angst und Freude. Früher wurde auf den Jahrmärkten viel lauter gelacht. Auch in den Kneipen und auf den Schulhöfen. Wirklich laut sind heutzutage gerade mal die Lautsprecher oder die Nachbarn. Kaum jemals Gelächter ist es dann, weit eher Streit. Im Fernsehen allerdings, da gibt es Spaß-Sendungen, in denen das Publikum laut und freudig lacht und begeistert klatscht. Einheitlich! So mancher Zuschauer mag sich dabei nach China in den Volkskongress versetzt fühlen. Die Leser wissen schon, was da – …tschuldigung, hin und wieder spielt das obsolete generische Maskulinum herein. Korrekt muss es heißen: „Die Leserinnen und Leser …“. Oder noch klarer: „Sowohl die Leserinnen als auch die Leser …“

 

Tiere lachen nicht. Oder?

 

Herrlich menschlich ist das Lachen. Doch wie sieht es damit bei den Tieren aus? Unter ihnen gibt es in puncto Intelligenz, Sozialität und Sprache so manche Mitbewerber, auch in Bezug auf Fertigungstechniken oder räumliche Orientierung. Allerdings finden sich bei den Tieren keine Allrounder, dahingehend sind wir Menschen spitze.

 

Und lachen, können das Tiere nicht vielleicht doch? Von Menschenaffen, unseren nächsten Verwandten, heißt es, sie äußern ein unserem Lachen ähnliches Geräusch, ein schnelles Ein- und Ausatmen bei offenem Mund. „Panting“ wird es genannt. Zum Beispiel, wenn sie gekitzelt werden oder sich sonst wie freuen. Das Panting wirkt ansteckend und erfüllt soziale Funktionen ähnlich dem menschlichen Lachen, nämlich im Sinne von: „Alles nur Spiel!“ Selbst Ratten wird eine Art von Lachen zugeschrieben. Sie stoßen „Lachlaute“ in Form von ultrahohen Tönen (50 Kilohertz) aus, wenn sie sich offenkundig wohlfühlen, so beim Spielen und Kuscheln. Hundehalter kennen von ihren Tieren schnelle hechelnde Geräusche, wenn sie mit wedelndem Schwanz und leicht zurückgezogenen Lippen („Spielgesicht“, „Feixen“) einen Ball ergreifen, um ihn Frauchen oder Herrchen zu präsentieren, von wegen, versuch’s doch mal! Und weg damit sind sie. Wieder und wieder. Wir selbst, ihre menschlichen Partner, müssen dabei lachen, ja, hundeähnlich feixen. Wie gern spielen wir dieses Spiel mit, einfach um unserem Liebling eine Freude zu machen. So wie der Hund uns! Auch Delphinen, ebenfalls hochentwickelten Säugetieren also, wird so etwas wie Lachen nachgesagt. Beim gemeinsamen Spielen oder spielerischen Jagen zeigen sie das „open-mouth play face“, das an das der Hunde erinnern mag.

 

Und andere Tiere, können die lachen? Rehe zum Beispiel, Karpfen, Stubenfliegen?

 

Homo ridens

 

Wenn schon Lachen bei der einen oder anderen Tierart, so schön lachen wie wir Menschen können sie alle nicht. Bei uns kommt das Lachen, wenn es echt ist, aus tiefster Seele. Nur eben, wie eigentlich geht das? Jeder kennt es aus sich heraus, kann es aber nicht wirklich definieren. Mitunter bleiben wir mit dem Lachenmüssen allein. Dann möchten wir gern erklären, was da so lustig ist. Bloß wie? Man stelle sich vor, Wesen von fernen Planeten besuchten uns. Intelligent, ja hochintelligent sind sie, und so möchten sie gern verstehen, warum wir mitunter so eigenartig lachen. Und worüber. Wie aber sollten wir diesen Wesen das erklären. Zum Beispiel dass das mit Humor zusammenhängt. Ja, dass wir uns selbst nicht nur als „weise“ begreifen, uns deshalb „Homo sapiens“ nennen, sondern auch als „Homo ridens“ bezeichnen, als zu Humor befähigte Wesen. Ohne sagen zu können, was Humor eigentlich ist. Oder?

 

Versuch: Humor ist, wenn ein an und für sich harmloses Geschehen eine Wendung nimmt, die aus bisherigen Erfahrungen heraus unerwartet ist, uns verblüfft. Typisch dafür der Moment, in dem man die Pointe eines Witzes versteht. Verstanden? Nein? Oder etwas ist so sinnlos, dass es schon deshalb witzig ist und zum Lachen reizt. Ist doch lustig, oder? Wie schrecklich leer ist eine Gesellschaft, in der nie gelacht wird. Denn das Schönste am Lachen ist, dass es die Menschen miteinander verbindet. Sympathien entwickeln sich daraus, Mitmenschlichkeit. Man stelle sich vor, kurz vor der Hinrichtung gäbe man dem Delinquenten die Möglichkeit zu einem kurzen Statement. Er nutzt sie, um einen Witz zu erzählen, einen deftigen. Alle müssen lachen, schallend. Auch die Henker. Taugen sie hernach noch für ihren Job?

 

Lachen kann auch ein Ätzmittel sein, spöttisch, verächtlich, hämisch. Typischenfalls dann, wenn man es eigens dazu einsetzt, um jemanden zu verletzen. Oder bei Schadenfreude. Es gibt auch ein Lachen aus Verzweiflung, allemal dann, wenn man sich selbst nicht zu helfen weiß. „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ (Otto Julius Bierbaum, um 1900). Ähnlich das Lachen aus Scham, oft in der Art von Kichern. Um den Anderen zu signalisieren, man wisse um den Konflikt. Oder als Appell „Bitte versteht mich!“, nämlich wie peinlich, wie „blöd“, die Situation ist, man daran aber nichts zu ändern vermag.

 

Und das Gehirn, lacht das mit?

 

Um das Wichtigste vorwegzunehmen: Ohne Gehirn sind wir tot, bestenfalls eine lebende Hülle. Und wenn wir lachen, egal worüber und ob echt oder nur aufgesetzt, das Gehirn ist es! Doch gibt es da kein „Lachzentrum“, keinen Knopf, über den so etwas wie ein „Lachsystem“ an- und abgeschaltet wird. Menschen mit bestimmten Hirnschädigungen können mitunter noch reflexartig lachen, obwohl sie völlig humorlos sind. Durchaus gibt es im Gehirn Regionen, die am Lachen unterschiedlich beteiligt sind. Namentlich die vorderen Anteile der Hirnrinde, der Präfrontale Cortex, bewerten die Situation, etwa ob sie „lustig“ ist. Der Humor ist ihre Sache. Die Gefühle aber, die dabei ausgelöst werden, sind eher Sache tiefer gelegener Hirnstrukturen, die als Limbisches System zusammengefasst werden. Welche Färbungen dem Lachen jeweils zugrunde liegen, ist Sache eines höchst komplizierten Wechselspiels zwischen den einzelnen Aktionsgebieten, die nie wirklich enträtselt werden können. Nie! Jeder von uns trägt in seinem Kopf etwa 100 Milliarden Nervenzellen mit ungefähr ebenso vielen Begleitzellen herum, den mit den Nervenzellen interagierenden Gliazellen. Jede der Nervenzellen hat mit anderen Nervenzellen zig oder hunderte oder gar hunderttausende informationelle Kontakte, Synapsen genannt. Dies ergibt ein System mit überastronomisch (!) vielen Kombinationsmöglichkeiten, das unter anderem entscheidet, worüber und wie gelacht wird und ob überhaupt. Viel besser also ist zu lachen, als sich darüber Gedanken zu machen.

 

Wende gern, aber nicht um 360°!

 

Besonders lustig ist es, wenn Macht habende Politiker unfreiwillig für Humor sorgen. Annalena Baerbock trug auf diese Weise mehrfach zu Lachern bei. So als sie von einer 360-Grad-Wende oder einem vermeintlich hunderttausende Kilometer entfernten Land sprach. Oder in einer Diskussion über Batterien von „Kobold“ anstatt von Kobalt. Berühmt, wenn auch wenig witzig, die Behauptung von Norbert Blüm in den 1980er Jahren: „Denn eins ist sicher: die Rente“, woraus dann „Die Rente ist sicher“ gemacht wurde. In die Geschichtsbücher eingegangen ist der Ausspruch Walter Ulbrichts kurz vor dem Bau der Berliner Mauer: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“. In dieser Zeit machte sich das Volk gern seine eigenen Witze. Zum Beispiel hieß es: „Der Sozialismus siegt! Schon hat er ein Sechstel der Erdoberfläche erobert. Bald werden es ein Siebtel sein, ein Achtel und so weiter.“

 

Die Wahlversprechen des heutigen Bundeskanzlers Friedrich Merz sind ebenfalls zum Lacher geworden. Ähnlich der Ausdruck „Sondervermögen“. Im Volk heißt es seitdem, man habe ein Sondervermögen angehäuft, wenn es um Schulden auf der Bank oder bei den Schwiegereltern geht.

 

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Wie gern würde der Autor dieser Zeilen mit einer Gruppe hochbezahlter Grünen-Politiker eine Exkursion in die heimische Natur machen, um ein paar Pflanzen- und Tiernamen abzufragen. Und um mit diesen Leuten an Ort und Stelle die Ursachen für den allgemeinen Artenschwund zu diskutieren. Oder wieso sich der auf unserer Erde über Milliarden Jahre hin erstreckende Klimawandel seit kurzem „menschengemacht“ sei und zwar durch Kohlendioxid, den Pflanzennährstoff. Würde ein solches Unterfangen zum Lachen reizen? Und wenn, dann zu einem der bitteren Art.

Nr. 304 vom 27. Mai 2026, Seite 8-9

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