Meine Meinung: Der Letzte macht das Licht aus – klimaneutral, versteht sich

Ein Kommentar von Hartmut Waack

In Deutschland tagen derzeit tausende Fachleute aus fast 200 Ländern, um die nächste UN-Klimakonferenz, die vom 9. bis 20.11.2026 stattfindet, vorzubereiten.

 

Unser Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Carsten Schneider, stellt sich dabei an die Spitze derer, die für eine Vorreiterrolle Deutschlands bei der Bekämpfung des Klimawandels durch erneuerbare Energien eintreten – ohne Rücksicht darauf, dass Deutschland im internationalen Ranking nur eine marginale Rolle spielen kann. Er ist auch nach wie vor der Auffassung, dass Elektroautos weitestgehend klimaneutral sind.

 

Unsere Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, setzt im Gegensatz dazu mehr auf den Neubau von fossilen Gaskraftwerken, um die Dunkelflauten, die durch Solar- und Windenergie entstehen, überbrücken zu können.

 

Zwei Bundesminister einer Bundesregierung, die jeweils am anderen Ende des Seils in verschiedene Richtungen ziehen. Die deutsche Wirtschaft kann sich an diesem Gezerre überhaupt nicht mehr orientieren, da der Ausgang sehr teuer, aber ungewiss ist! Sie verschwindet irgendwann ins Ausland oder die Insolvenz.

 

Die CDU/CSU trieb ausgerechnet unter einer promovierten Physikerin, Frau Dr. Merkel, den Ausstieg aus dem Atomstrom seit 2011 voran, und es waren federführend die Grünen, die dafür gesorgt haben, dass Deutschland ein Kohleausstiegsgesetz und ein Klimaschutzgesetz hat, das den Ausstieg aus der Kohle bis 2038 festlegt und eine in Europa vorgezogene Klimaneutralität bis 2045 durch die Reduzierung von Treibhausemissionen auf 0 beinhaltet.

 

Diese Ziele sind ohne Wenn und Aber ambitioniert und visionär, dürfen aber nicht starr ausgelegt werden, wenn es um die Sicherung der wirtschaftlichen Energieversorgung unseres Landes, unserer Wirtschaft und unserer Bevölkerung auf dem Weg dorthin geht. Man kann doch nicht Vorhandenes einfach abschaffen, ohne zu wissen, wodurch es ersetzt wird und wie es wirtschaftlich weitergeht.

 

Auf keinen Fall Atom, ein bisschen Solar, ein bisschen Wind und Wasser, ein bisschen Batterie- und Pumpspeicher, ein bisschen Biogasanlage, ein bisschen Geothermie und dann auf einmal wieder H2-Ready-Gaskraftwerke, die anscheinend noch nicht in konkreter Planung sind. Und wenn nicht einmal ansatzweise geklärt ist, ob 2045 genügend Wasserstoff kostengünstig zur Verfügung steht, kann man deren Einsatz doch nicht so vehement verfolgen.

 

Abgesehen davon gibt der Bundeshaushalt ab 2029 solch umfassende Investitionen nur noch über zusätzliche Schulden, äääh Sondervermögen, oder ein Umlageverfahren auf den Steuerzahler her. Die Gaskraftwerke sind übrigens eine Vision des Kinderbuchautors, Dr. phil. Robert Habeck, der in seiner Amtszeit Kraftwerkskapazitäten von insgesamt 30 GW zur Abdeckung der Dunkelflauten in Deutschland für erforderlich hielt.

 

Frau Reiche, die diese Visionen lediglich von den Grünen übernommen hat, wurden von der EU 12 GW Kraftwerkskapazitäten technologieoffen genehmigt, ohne dass wir darüber aufgeklärt werden, wieviel GW denn nun wirklich in Deutschland zur Überbrückung der Dunkelflauten gebraucht werden.

 

Nur eines steht bei einem starren Festhalten am Kohleausstieg 2038, und in Nordrhein-Westfalen bereits ab 2030, ganz sicher fest: Die Energiepreise schlagen Purzelbaum, wenn wir jetzt komplett auf LNG, egal aus welchem “demokratischen” Ausland auch immer, setzen und Atomstrom teuer in der Welt einkaufen müssen. Unsere Ressourcen sind nun einmal sehr begrenzt und derartige Abhängigkeiten vom Ausland führen zum Ausverkauf unserer Wirtschaft.

 

Warum wird die Bevölkerung verunsichert mit Begriffen wie „Gas- und Ölheizungen raus”, oder „Biotreppen”, oder der Aussage, dass Millionen Wohnungen vom Markt verschwinden könnten, wenn wir weiter ohne ein konkretes Ziel vor den Augen in der Dunkelflaute umherirren. Dient das alles nur der ungezügelten Aufnahme neuer Schulden, da unserer Regierung die Ausgabenseite längst aus dem Ruder gelaufen ist?

 

Wo sind die Experten und Ingenieure, die wissenschaftlich und nicht politisch motiviert ein bindendes Szenario mit einem vernünftigen Mix aus erneuerbaren und fossilen Energiequellen entwickeln, um den Wirtschaftsstandort Deutschland als solches zu erhalten, ohne den Blick auf eine sinnvolle, aber sukzessive Schaffung der Klimaneutralität unter Ausnutzung unserer Rohstoffressourcen aus den Augen zu verlieren? Logisch, dass dabei die erneuerbaren Energien im Vordergrund stehen sollten! Wo sind die Experten und Ingenieure, die lautstark Investitionen in die diesbezügliche Forschung und Bildung zum beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien einfordern? Und wo sind die Politiker, die sich unvoreingenommen der Wissenschaft anschließen und nicht den zahlreichen ausschließlich profitorientierten Lobbyverbänden?

 

Wann ziehen unsere Politiker an einem Strang und in eine Richtung, ohne gegenseitig über sich herzuziehen? Wann kommt vom Kanzler endlich mal ein Reformvorschlag, dem der Vizekanzler nicht gleich ein „aber” folgen lässt?

 

Ansonsten geht das Licht unweigerlich aus, und wie es aktuell aussieht, nicht einmal klimaneutral.

Nr. 306 vom 24. Juni 2026, Seite 9

Veranstaltungen im mach|werk

Edit Template

Über uns

KOMPAKT MEDIA als Printmedium mit über 30.000 Exemplaren sowie Magazinen, Büchern, Kalendern, Online-Seiten und Social Media. Monatlich erreichen wir mit unseren verbreiteten Inhalten in den zweimal pro Monat erscheinenden Zeitungen sowie mit der Reichweite unserer Internet-Kanäle mehr als 420.000 Nutzer.