Frieden ist die wichtigste Aufgabe

Das Schill-Friedensfest 2026, Gedenken an die Toten und die Not der Menschen im Kriege. Der Kampf um Frieden ist unsere wichtigste Aufgabe. Der Freundeskreis Ferdinand von Schill e. V. möchte das Gedächtnis an Schill und seine Zeit wachhalten.

 

von Prof. Dr. Josef Kluba

Der Kupferstich von Ludwig Buchhorn zeigt Ferdinand von Schill in Husaren-Uniform.
Am 5. Mai 1809 fanden auf dem historischen Platz in Langenweddingen menschliche Tragödien statt. Das Schillsche Freikorps verlor im Gefecht bei Dodendorf 70 Soldaten und 12 Offiziere. Es waren viele Verwundete zu beklagen. Nach dem Gefecht sammelte Schill sein Gefolge in der Senke von Langenweddingen. Es gab keine Schmerzmittel, die Verwundeten krümmten sich vor Schmerzen, weinten, schrien, die Schwerstverletzten waren still in ihrer Ohnmacht. Bestimmte Verletzungen, wie einen Kopf- oder Bauchschuss konnte man damals medizinisch nicht versorgen. Die Menschen waren zum Sterben verurteilt.
 
Die Marketenderin war damals für die medizinische Versorgung zuständig. Sie ging durch die Reihen der Verwundeten und sprach: „Einen Stiefel ausziehen, das hieß pflegen und auf den Trek mitnehmen, zwei Stiefel ausziehen, hieß Abtransport auf den hier abseits liegenden Sterbeplatz“.
 
Der Schillsche Zug ging bald weiter nach Wanzleben, die Schwerverletzten mussten zurückgelassen werden. Sie staben und wurden später von den Dorfbewohnern Langenweddingens, weil sie keine letzte Ölung erhalten haben, außen an der Friedhofsmauer von St. Georg begraben. Da die Namen der Soldaten nicht bekannt waren, wurden später die noch heute vorhandenen zwei Kanonensteine in die südliche Friedhofsmauer eingelassen.
 
Der Freundeskreis Ferdinand von Schill hat sich vorgenommen, den 20,3 km langen Schillweg als Rad- und Wanderweg von Sülldorf über Osterweddingen nach Dodendorf und weiter nach Langenweddingen bis zu Burg Wanzleben zu gestalten. Es werden dazu Wegweiser und Schautafeln aufgestellt. Die erste Schautafel haben wir im vorigen Jahr am Schilldenkmal in Langenweddingen der Öffentlichkeit übergeben. Es gibt unzählige Bilder von den Befreiungskriegen, aber keins von sterbenden Soldaten. Da hier Menschen gestorben sind, hat uns der Künstler Helmut Menzel ein Bild angefertigt. Künftig werden die beiden Kanonensteine an der Kirchhofsmauer St. Georg nach historischem Vorbild erneuert, Schautafeln und Wegweiser von Sülldorf über Dodendorf zur Burg Wanzleben aufgestellt.
 
In welcher historischen Situation fanden die Ereignisse statt?
 
Von 1813 bis 1815 fanden die Befreiungskriege statt. Sie waren eine erfolgreiche Erhebung der Völker gegen Napoleon und seine „Große Armee“, die zuvor in Russland 1812 untergegangen war.
 
Schon 1806 kam es zum Konflikt zwischen Frankreich und Preußen. Der preußische König Friedrich Wilhelm III erklärte Napoleon am 7. Oktober 1806 den Krieg. Bereits eine Woche später wurde in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt Preußen von Napoleon und seinen Truppen besiegt.  Im Frieden von Tilsit am 7. Februar 1807 verlor Preußen fast die Hälfte seines Territoriums und seiner Einwohner. Unser Gebiet gehörte zu dem neu geschaffenen Königreich Westphalen, das von Kassel aus von dem Bruder Napoleons Jerome regiert wurde. Es musste eine extreme Reparationssumme von über 202 Millionen Franc gezahlt werden. Das Land wurde ausgepresst. Es folgte ein Kunstraub großen Stils, sogar die Viktoria vom Brandenburger Tor in Berlin musste nach Paris gebracht werden.
 
Das Volk litt große Not
 
Nach Erhebungen und Aufständen in anderen durch Napoleon besetzten Gebieten reiften auch in Preußen Pläne zu Befreiung vom französischen Joch. Bei Ausbruch eines Krieges zwischen Frankreich und Österreich sollte ein Aufstand im Königreich Westphalen entfesselt werden. Im Elb-Department machten im Herbst 1809 zwei Männer von sich reden: Friedrich von Katte und Ferdinand von Schill.
 
Alle waren vom Wunsch beseelt, Preußen wiederherzustellen. Mangels Unterstützung durch die Bevölkerung und die Krone (Ruhe ist die erste Bürgerpflicht) waren allerdings die ehrenhaften Bemühungen zum Scheitern verurteilt. Die Menschen wollten nicht Preußen wieder herstellen, sie wollten ihre Ernte einbringen. Preußen war nicht nur durch das aggressive Militär, sondern auch durch fortschrittliche Reformen gekennzeichnet – verbunden mit den Namen von und zu Stein, von Hardenberg, von Staufenberg, von Gneisenau und den Gebrüdern Humboldt.
 
Am 6. Juni 1909 wurde im Andenken an diese Geschehnisse im Rahmen eines Landwehrfestes das Schill-Denkmal in Langenweddingen eingeweiht. Er trägt die wertvolle Bronzeplatte des Majors von Schill, die in der Kunstgießerei Herrmann Gladenbeck in Berlin-Friedrichshagen gefertigt wurde. Wie der Neptunbrunnen in Berlin oder die Goldmarie auf der Siegessäule. Danach verfiel das Denkmal, bis es 2008 historisch getreu restauriert und wieder eingeweiht wurde. Ferdinand von Schill hat – gefangen in seiner Zeit – ein erstes Zeichen der Zivilcourage im Kampf um die Freiheit des deutschen Volkes gegen die französische Fremdherrschaft gegeben. Zivilcourage, an der es heute vielfach fehlt.
 
Und die Lehren daraus?
 
Kriege sind die Fortsetzung der Politik mit militärischen Mitteln. Sie verfolgen ökonomische Interessen. Es geht um Geld und Gewinn. Der Zeitgenosse Schills, der General Carl von Clausewitz, begraben in Burg, sagte schon vor über 200 Jahren: „Im Kriege darf die Politik nicht aufhören. Der Krieg beginnt in einer bestimmten politischen Situation und er endet ebenfalls in einer politischen Situation. Und wenn der Frieden Bestand haben soll, dann muss er politisch verhandelt worden sein“. Derzeit ist bei uns dieser Fakt ausgeblendet und das ist gefährlich.
 
Der ranghöchste General der Bundeswehr, Harald Kujat – jetzt a. D., war von 2002 bis 2005 Vorsitzender des Militärausschusses der Nato, dem höchsten Gremium der Nato. Er sagte zum Ukrainekrieg:  „Das Missverständnis im Westen ist, man glaubt durch Waffenlieferungen könnte die Ukraine in die Lage versetzt werden, die strategische Lage an der Front zu ihren Gunsten wenden zu können. Das ist ein Irrglaube. Dieser Glaube an Wunderwaffen, den kennen wir aus unserer eigenen Geschichte zur Genüge.
 
Diese Wunderwaffen gibt es nicht. Das Ergebnis ist, dass die ukrainischen Streitkräfte personell erschöpft sind und ihre Moral immer tiefer sinkt. Eine Armee in diesem Zustand kann keinen entscheidenden militärischen Sieg erringen. Es muss der Krieg gestoppt werden und es müssen sofort ernsthafte Verhandlungen geführt werden“. Auf beiden Seiten sterben unschuldige Menschen, mehr Zivilisten als Soldaten, für den Gewinn von Einzelnen.
 
Skeptisch reagiert auch der Chef von Rheinmetall, Armin Papperger, auf die Bemühungen, die Wunderwaffe Taurus liefern zu wollen: „Deutschland besitzt nur wenige Hundert Stück, davon sind viele gar nicht einsatzfähig. Damit verändert man im Krieg nichts. Der Taurus ist kein Gamechanger“. Forderungen nach der Lieferung von langstreckigen Raketen, um Ministerien in Moskau zu zerschießen, müssen unterlassen werden.
 
Es macht nachdenklich, wenn unser Bundeskanzler neben Herrn Selensky steht und meint, „wir gewinnen den Krieg an der Seite der Ukraine gegen Russland“ und Herr Wadephul äußert, „Russland bleibt auch nach dem Ukraine Krieg unser Feind“.  Das geht nicht. Wir müssen uns davor hüten, nicht in den Ukrainekrieg hineingezogen zu werden. Die Atommacht Russland ist nach Meinung namhafter Fachleute nicht zu besiegen. Deutschland wird nach dem ersten Kriegstag nicht wiederzuerkennen sein. 
 
Lassen wir uns nach General a. D. Harald Kujat „nicht weiter von einer unverantwortlichen Kriegslogik leiten, sondern von unserer Verfassung, der Verantwortung und der Vernunft.

Nr. 307 vom 06. Juli 2026, Seite 11

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