Gedanken- & Spaziergänge im Park: Fußball – Hitze – Erfurt

Gerd fühlte sich mal wieder in seinem Glauben bestätigt: Er glaubt nämlich, dass der Ausgang bei Fußballweltmeisterschaften für Deutschland mit dem politischen und wirtschaftlichen Zustand zusammenhänge! „Schau doch mal“, sagte er, „1954 wurden wir das erste Mal Weltmeister, da war das Wirtschaftswunder und alles prosperierte. Das zweite Mal 1974, da hatten wir Heimvorteil. Damals kam Helmut Schmidt an die Macht, nachdem Willy Brandt infolge der Spionageaffäre zurücktrat. 1990 gab es die große Freude über die Wiedervereinigung und 2014 war die Wirtschaft noch stabil und Frau Merkel hatte noch nicht ihre „Wir-schaffen-das-Politik“ beschlossen. Danach ging es bergab. Atomkraftwerke wurden abgeschaltet und 2018 schied Deutschland schon in der Vorrunde aus. Unter der Ampelregierung und ihrem wirtschaftlichen Desaster war es 2022 für Deutschland ebenfalls in der Vorrunde zu Ende, dazu kam noch die ideologische Bürde mit der „One-Love-Armbinde“, mit der die Mannschaft belastet und die von der FIFA untersagt wurde. Na und jetzt? Die deutsche Wirtschaft ist in einem beängstigenden Abwärtstrend. Das Neueste: VW will 50.000 Stellen streichen, andere Mitteilungen sprechen sogar von 100.000. Große Automobilfirmen verlagern die Produktion in andere Länder und Erdteile, wo die Energie noch billig ist und nicht durch ideologisch begründete CO2-Abgaben und andere Steuern belastet wird. Oder nimm die Bahn, bei kürzlich der gesamte Bahnverkehr infolge einer Computerstörung zum Erliegen kam. Ebenso der Stuttgarter Bahnhof, dessen Bau 2010 begonnen und dessen Eröffnung achtmal verschoben wurde, zuletzt auf das Jahr 2031. Die FAZ erwartet die endgültige Fertigstellung erst 2045. Kürzlich war zu lesen, dass 1.000 km Kabel falsch verlegt worden wären! Der Kolumnist Harald Martenstein, zitierte in diesem Zusammenhang Frau Merkel, die bei Baubeginn gesagt habe: „Stuttgart 21 ist der Maßstab für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands.“ Sein sarkastischer Kommentar dazu lautete, dass Frau Merkel mit diesem Satz den Nagel auf den Kopf getroffen hätte! Und die deutsche Mannschaft ist jetzt folgerichtig bei der ersten K.o.-Runde der Weltmeisterschaft ausgeschieden. Meine Hypothese wurde also bestätigt.“
 
 
Schauspieler an die Macht?
 
„Das stimmt schon alles, was Du sagst“, meinte ich, „aber dass es da einen inneren Zusammenhang geben soll, erscheint mir zweifelhaft. Übrigens: Die übelste Äußerung nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft kam vom Sprecher der Grünen-Jugend Luis Bobga, der schrieb, dass er froh sei, dass Deutschland raus sei und fragte: „Wie viele Männer haben heute Nacht um halb zwei rotzevoll die Wut auf Paraguay an ihren Frauen rausgelassen und nach einem Fehlschuss beim Elfer ihre Frau zusammengeschlagen?“ Anschließend forderte er: „So, und jetzt hängt eure scheiß Deutschland-Flaggen wieder ab.“ Ich frage dich, was geht in so einem Gehirn vor?“ „Schlimm“, meinte Gerd, „wenn man bedenkt, dass er als Co-Vorsitzender der Grünen Jugend sicher irgendwann im Bundestag sitzen wird! Wer so über die Nationalflagge redet, die ihrer Tradition nach ein Symbol der deutschen Freiheit, Einheit und Demokratie ist, wie denkt der über die deutsche Nation und das deutsche Volk? Aber Nationalstolz, von Vaterlandsliebe ganz zu schweigen, gilt bei dieser Sorte von linken Politikern als rechtsextrem oder sogar faschistisch. Bei anderen Völkern finden sie es prima. Irre, nicht?“
 
„Aber eine Meldung passt zu dem von dir beklagten Zustand Deutschlands“, kam ich auf den Anfang des Gespräches zurück: „Die linkslastige Kampagnen-Organisation „campact“ hat eine Petition gestartet, dass der Komiker Hape Kerkeling Ende Januar 2027 zur Wahl als Bundespräsident kandidieren solle. Kerkeling meint dazu, wenn er die aktuelle Weltlage und die Führungspersönlichkeiten betrachte, sei er geneigt, mit „Ja“ zu antworten. Er traue sich das Amt zu.“ „Naja, im Film hatte er das schon fast geschafft“, sagte Gerd. „Der Film hieß „Horst Schlämmer – isch kandidiere!“, in dem ein Provinzjournalist eine Partei gründet, um für den Bundestag zu kandidieren. Übrigens hätte er da ein großes Vorbild: Selenskyj! Im ukrainischen Fernsehen wurde von 2015 bis 2017 eine Serie mit dem Titel „Diener des Volkes“ ausgestrahlt. Da spielte Selenskyj den Geschichtslehrer Wassyl Holoborodko, der nach langem auf und ab am Ende der Staffel als Volksbeglücker zum Präsidenten gewählt wird. Und welch ein Zufall: Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in der Ukraine am 21. April 2019 hat sich der Schauspieler Selenskyj gegen den Amtsinhaber Poroschenko durchgesetzt. Seine Partei, die ihn unterstützte, hieß wie in der TV-Serie „Diener des Volkes“. Alles nur Zufall?“ „Alle Achtung“, meinte ich, „das nenn ich eine perfekte Wahlvorbereitung! Aber ob das Hape Kerkeling mit der Karikatur-Figur des Horst Schlämmer so gelingt, wage ich zu bezweifeln. Leider ist es über den Vorschlag, die Schriftstellerin und Juristin Juli Zeh als Kandidatin in Betracht zu ziehen, still geworden. Ich finde das eine großartige Idee. Was ich von ihr las und hörte, zeigte eine ruhige, kluge und überlegte Frau, die neutral über politische Standpunkte und Situationen urteilt.“
 
Mittelalterlich tödliche Hitze
 
Wir, zwei alte weiße Männer, waren am Wochenende froh, dass es deutlich kühler war als in den Tagen zuvor. Der „wärmste Sommer seit Menschengedenken“ war in der Presse zu lesen und dass die Elbe einen Rekordtiefststand von 45 cm erreichen würde, was aber bis heute nicht wahr wurde. „Die Medien prophezeien gerne Katastrophen“, sagte ich. „Ich habe in den Fünfzigern noch in der Elbe schwimmen gelernt. Badeanstalt Sonnenschein. Was war da für ein reger Schiffsverkehr mit Dampfern mit bis zu zwei Lastkähnen. Und heute? Fast nichts. Könnte es nicht daran liegen, dass die Fahrtrinnen nicht mehr oder zu wenig ausgebaggert werden?“ „1904 gab es den sog. Jahrhundertsommer“, dozierte Gerd, „da wurden über 35° Celsius gemessen und seit Frühjahr herrschte eine schlimme Dürre. Vielerorts konnte man die Elbe zu Fuß durchqueren und es kam zu Missernten. Aber noch viel schlimmer war das Jahr 1540 mit einer Dürre, die ganz Mitteleuropa betraf. Es gibt viele zeitgenössische Berichte darüber. Es begann in Norditalien mit dem Winter 1539, der sich wie ein Juli anfühlte. Dann griff die Hitze auf Mitteleuropa über und fast elf Monate gab es keinen Regen. Nach Schätzungen der Klimaforscher muss es Temperaturen über 40° Celsius gegeben haben. Die großen Flüsse, wie Seine, Rhein oder Elbe trockneten fast aus und konnten zu Fuß durchquert werden. Der Grundwasserspiegel sank, so dass die meisten Brunnen schon im Mai versiegten. Das Vieh musste notgeschlachtet werden, es kam zu Missernten, Hungersnöten und Seuchen. Es kam zu riesigen Waldbränden, auch ganze Dörfer brannten ab. Die Luft muss dementsprechend ruß- und rauchgeschwängert gewesen sein. Man schätzt, dass damals ca. eine halbe Million Menschen gestorben sind. In der Magdeburger Chronik wird im Jahr 1540 von brennenden Dörfern und marodierenden Banden berichtet. Es muss furchtbar gewesen sein.“ „Wir sind heute gut dran. Mit Technik, Architektur und Wissen können wir erträglich machen, was vor 500 Jahren tödlich war.“
 
Der frühe Vogel fängt den Wurm
 
In Erfurt fand jetzt der planmäßige AfD-Parteitag statt. Im Vorfeld wurde von verschiedenen politischen Gruppen lange vorher strategisch geplant und sogar trainiert, wie man diesen Kongress verhindern oder doch wenigstens empfindlich stören könnte. Es sollte der große Schlag gegen den angeblich drohenden Faschismus werden. Man rechnete mit rund 50.000 Demonstranten, die durch Blockaden der Zufahrtstraßen und in Erfurt die Anreise und Teilnahme der Delegierten weitestgehend verhindern sollten. Tatsächlich waren es laut Polizei aber „nur“ rund 30.000. Seitens der Polizei wurde mit gewalttätigen linksextremistischen Gruppierungen gerechnet. Gerd fand das gar nicht gut. Er sagte: „Man kann über die AfD denken, was man will, sie auch total ablehnen. Aber die Verhinderung ihres Parteitages ist undemokratisch.“ „Warum?“, fragte ich, „wenn sie doch vom Verfassungsschutz in manchen Ländern als gesichert rechtsextremistisch eingestuft ist?“ „Das bedeutet gar nichts. Sie ist eine zugelassene Partei. Und eine zugelassene Partei hat nicht nur das Recht, sondern laut Parteiengesetz § 9 die Pflicht regelmäßig Mitglieder- oder Delegiertenversammlungen durchzuführen!“ Am ersten Tag war die Blockade in und um Erfurt zwar riesig, aber nutzlos. Denn während die Blockierer erst nach 7 Uhr mit ihrem „antifaschistischem Kampf“ begannen, waren die AfD-Delegierten früher aufgestanden und ihre Busse erreichten unter Polizeigeleit vorher den Versammlungsort. „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, kommentierte Chrupalla den Coup. Interessant wäre es gewesen, wie die Erfurter die Blockade der Straßen und Straßenbahnen beurteilten. Aber im öffentlich-Rechtlichen kamen nur Demonstranten zu Wort und die waren natürlich Befürworter. Die Blockaden waren im Allgemeinen friedlich – bis auf einen bösen Zwischenfall, wo drei Journalisten des Nachrichtenportals „Apollo-News“ von Linksradikalen angegriffen und geschlagen wurden. Im Vorfeld hatten manche Politiker vor solchen Aktionen gewarnt, weil diese ihrer Meinung nach nur der AfD nützen würden. Es scheint, dass sie recht behalten werden. Irgendwie ist es erschütternd, dass Politiker oft nicht begreifen, dass die von ihnen praktizierte Ausgrenzung der AfD nicht schadet, sondern sie stärker macht!
 
Paul F. Gaudi
 
Die Kolumnen von Paul F. Gaudi sind als Buch unter dem Titel „Der Spaziergänger“ Teil I (Nr. 1 bis 54) und Teil II (Nr. 55 bis 100), Teil III (Nr. 101 bis 155). Teil IV ist kann nun im KOMPAKT Medienzentrum erworben oder online unter www.kompakt.media bestellt werden.

Nr. 307 vom 06. Juli 2026, Seite 07

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