Unsere Heimat
Der Begriff „Heimat“ ist en vogue. Die AfD hat sich die Verteidigung „unserer Heimat“ auf ihre Fahnen geschrieben und folglich definieren links orientierte Organisationen den Begriff in ihrem Verständnis. Alle sehen unsere Heimat bedroht. Das sieht auch der Autor des Artikels so. Und zwar von rechts und von links. | Von Reinhard Szibor
Das, was wir als Heimat empfinden, ist sehr individuell und niemand hat das Recht, uns da etwas vorzuschreiben. Es waren in neuerer Zeit die AfD und die CDU, die mit der Verwendung von Begriffen wie „Heimat, Vaterland und Leitkultur“ die Wähler für sich einnehmen wollten. Daraufhin haben alle Parteien ihre eigene Definition entwickelt, was unter Heimat zu verstehen sei. Aus strategischen Gründen fordern Politiker wie Sigmar Gabriel und Nancy Faeser, den Begriff positiv zu besetzen, um die Deutungshoheit nicht den „Rechtspopulisten“ zu überlassen.
Heimatbegriff der Parteien
Google fasst die Sicht der Parteien zusammen, so auch das Konzept der AfD. Der Heimatbegriff der AfD basiert auf einem exkludierenden, ethnokulturellen und defensiven Verständnis, das Identität stark an gemeinsame Herkunft, Sprache und Tradition bindet.
Für die CDU ist Heimat ein zentraler Wert für gesellschaftlichen Halt, der untrennbar mit der deutschen Leitkultur, regionaler Identität und gleichwertigen Lebensverhältnissen verknüpft ist. Heimat sei kein rein geografischer Begriff, sondern ein Wertgefühl. „Bewusstsein von Heimat und Zugehörigkeit“ sei fester Bestandteil der geforderten deutschen Leitkultur. Für die Parteien des linken Spektrums basiert der Heimatbegriff auf gesellschaftlicher Kohäsion, Solidarität und sozialer Sicherheit. Heimat sei ein gestaltbarer, inklusiver Raum, in dem alle Menschen gleiche Chancen haben.
Heimatgefühl des Bürgers
Jenseits von allen Konstrukten der Parteien ist Heimat für den Normalbürger eher ein Gefühl. Für viele der älteren Generation, wozu ich gehöre, ist Heimat dort, wo die Lebensgewohnheiten so sind, wie man sie gewohnt ist und wie man sie weiterhin wünscht. Zur Normalität in der Heimat gehört, dass ich meine Muttersprache unverfälscht schreiben und sprechen darf und auch andere in meiner Umgebung dasselbe tun. In Deutschland ist das die Sprache Joseph von Eichendorffs und Bettina von Arnims, Annette von Droste-Hülshoffs, Friedrich Hölderlins, Rainer Maria Rilkes, Heinrich Heines, der Gebrüder Thomas und Heinrich Mann, Erich Kästners und vieler anderer mehr. Und da kennt man keinen Gendergap in den geschriebenen Worten und schon gar keinen sprachverhunzenden „Glottisschlag“, der als kurze Pause quasi das Gendersternchen in der gesprochenen Sprache repräsentiert.
Für Deutsche sollte sich ein gutes Heimatgefühl einstellen, wenn sie sich unter den Farben Schwarz-Rot-Gold versammeln, Farben, die für die deutsche Einheit, Freiheit und Demokratie stehen, die von den Nazis quasi verboten waren und nicht, wie einige Linke behaupten, für Nationalismus. Heimat ist dort, wo innerer Frieden herrscht, wo man die Meinung anderer respektiert und sie nicht von vornherein kriminalisiert.
Unsre Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer
Bei diesem Werk handelt es sich um ein DDR-Lied, das dazu gedacht war, Kindern ein positives Verhältnis zu ihrer Heimat zu vermitteln. Wir haben es gern gesungen, zumal es nicht nur eine positive Botschaft, sondern auch eine schöne Melodie hat. Wenn man das zitiert, kommt man in den Verdacht, DDR-Nostalgiker zu sein oder gar, dass man die DDR zurückhaben wolle. Aber nichts liegt mir ferner als das, denn wir waren wirklich zu Recht froh, als der SED-Bonzen-Staat 1989 unterging. Aber eine Liebe zur Heimat hatten wir schon, auch wenn wir die politischen Verhältnisse anders haben wollten. Wir hätten uns nicht vorstellen können, dass in Deutschland ein Mensch, der das Singen der Nationalhymne verweigert und der geschrieben hat: „Vaterlandsliebe fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland noch nie etwas anzufangen und weiß es bis heute nicht“ , genügend Wählerstimmen erhält, um Vizekanzler zu werden. Es hat nichts Anrüchiges, die positiven Beiträge der Menschen aus der DDR zur Kultur des deutschen Volkes zu würdigen. Nur allzu oft entstanden sie nicht wegen, sondern trotz der DDR-Kulturpolitik und ganz häufig sogar in Opposition zu ihr. Für mich gehören die Schriften von Erwin und Eva Strittmatter, Stephan Hermlin, Christa Wolf, Jurek Becker, Günter Kunert und vieler anderer zum Kulturgut meiner Heimat. Ebenso Skulpturen bzw. Bilder von Fritz Cremer, Heinrich Apel und von Werner Tübke, sowie die wunderbaren Filme von den Regisseuren Heiner Carow, Konrad Wolf und Frank Beyer. Verwerflich ist es nicht, die Kultur der DDR-Zeit im eigenen heimatlichen Kulturgut zu belassen und zu bekennen, dass dieses unser Heimatgefühl mit prägt, sondern schlimm ist es, die hässliche Fratze der DDR auferstehen zu lassen. Und das geschieht gegenwärtig!
Wie man uns Heimat vermiest
In Deutschland werden wieder Meldestellen für Meinungsäußerungen unterhalb der Strafbarkeitsgrenze eingerichtet, u. a. in der Regie der Amadeu Antonio Stiftung, die weitgehend staatlich finanziert wird und von der inoffiziellen Stasi-Mitarbeiterin Anetta Kahane (IM „Victoria“) gegründet wurde. Der neu erfundene § 188 StGB (Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens) atmet den Geist des Politbüros der SED. Nach § 188 StGB ist es rechtens, dass der Fahrkartenkontrolleur mehr Beleidigungen einstecken muss als Politiker.
In die Zeit der DDR versetzt fühle ich mich, wenn ich das Fernsehen einschalte und der ÖRR mir die Sicht seiner Journalisten auf die Welt vermittelt. Wir erleben eine Berichterstattung, die einseitig und selektiv ist. Die Journalistin Anja Reschke hat, nachdem Interna nach außen gedrungen sind, erstaunlich offen Ziel und Handhabung des Erziehungsfernsehens durch die Veröffentlichung des Framing-Handbuches der ARD zugegeben. Das bestätigt: Es ist wie in der DDR. Nachdem wir die „Aktuelle Kamera“ des DDR-Fernsehens gesehen hatten, haben wir auf Westkanäle umgeschaltet. Da waren damals noch Journalisten tätig, die sich dem Berufsethos des Journalismus verpflichtet fühlten, also solche wie Friedrich Nowottny, Gabriele Krone-Schmalz, Johannes Gross, Peter Merseburger, Peter Scholl-Latour u. a. Heute ist unser „Westfernsehen“, mit dem wir uns ordentlich informieren können, im Internet zu finden: die „Neue Zürcher Zeitung“ und die Weltwoche mit Roger Köppel. Das kommt leider nicht aus der eigenen Heimat.
Heimat ist dort, wo man Kinder mag
In einer lebenswerten Heimat sind Kinder willkommen. Man tut alles, damit sie glücklich sind, sie sich gut entwickeln und sie allein schon durch ihre Anwesenheit die älteren Generationen erfreuen. Für die meisten psychisch gesunden Menschen ist es das höchste Glück, Kinder zu haben und später Enkelkinder. Das bedeutet Lebensqualität. Der MDR ist, obwohl er geographisch nahe ist, nicht mehr mein Heimatsender. Er lässt, von uns gebührenfinanziert, so am 28. Mai geschehen, die Journalistin Elisabeth Winkler für Kinderlosigkeit werben. Kinderlose Frauen wären, nach ihrer Aussage, beruflich erfolgreicher, wären demnach auch (was sowieso skandalös ist) besser vor Altersarmut geschützt, hätten mehr Freiheit und weniger Verpflichtungen, blieben als Sexualpartnerin länger attraktiv usw. Kinderlos bleiben, um das Klima zu schonen, ist eine weitere Forderung, die in unseren gebührenfinanzierten Medien verbreitet wird. Jedes Kind, das nicht geboren wird, würde 58,6 Tonnen klimaschädlichen CO₂-Ausstoß vermeiden, lautet die Milchmädchenrechnung. Dabei könnten gerade die heute geborenen Kinder, wenn wir sie denn gut ausbilden, später einmal die Anpassung der Menschheit an den Klimawandel, der auch ohne menschliches Zutun stattfindet, ermöglichen. Der in unserer Heimat zu verzeichnende Geburtenrückgang ist jedenfalls eine Katastrophe und alle, die ihn schönreden, sind egoistische Misanthropen.
Heimat von Kulturschaffenden
Inhaltlich enthält das Statement einige richtige Aussagen, es ist aber einseitig. „Heimat ist dort, wo Verschiedenheit gelebt und dem Anderen und Fremden mit Respekt begegnet wird (das ist richtig!). Heimat ist dort, wo Kulturen als gleichwertig anerkannt werden und wir uns auf Augenhöhe begegnen.“ Das ist ein ideologisch motiviertes Vorurteil. Der deutsch-amerikanische Philosoph Leo Strauss karikiert es so: „If all cultures are equal, then cannibalism is just a matter of culinary taste.“ Wenn eine Kultur, in der alle Menschen gleiche Rechte haben, auf eine Kultur trifft, die die Würde und Freiheit jedes Menschen nicht anerkennt, sind die Kulturen nicht gleichwertig! Wir treffen auf eine Kultur, in der (auch in Deutschland!) Mädchen sich häufig dem Gebot fügen müssen, dass jeder Mann das Recht hat, seine Cousine väterlicherseits zu ehelichen. Dieses „Recht“ wird vielfach mittels Zwangsehe durchgesetzt.
Eine Kultur ist der unseren nicht gleichwertig, wenn in ihr die körperliche Züchtigung von Ehefrauen gemäß des Korans (Sure 4, Vers 34) rechtmäßig ist. Wir treffen auf eine Kultur, in der es als erstrebenswert angesehen wird, Mädchen und Frauen einer Genitalverstümmelung zu unterwerfen. In einer Pressemitteilung vom 10. Dezember 2025 der parlamentarischen Staatssekretärin Mareike Wulf heißt es: „Dass heute fast 123.000 Frauen und Mädchen in Deutschland von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen oder bedroht sind, ist erschütternd. Das ist eine besonders schwere Form geschlechtsspezifischer Gewalt.“
Wir treffen auf eine Kultur, in der Hass gegenüber Juden als Tugend gilt und in der das Existenzrecht Israels negiert wird. Wir müssen den Willen, Israel zu vernichten, der in der eingewanderten Kultur vorherrscht, ablehnen!
Im Statement steht: „Rechtspopulistische Kräfte greifen die Freiheit der Kunst gezielt an, schüren Verunsicherung und arbeiten an einer rückwärtsgewandten Kultur der Ab- und Ausgrenzung. Demokratische Werte werden infrage gestellt, kulturelle Arbeit delegitimiert und Einfluss auf Inhalte und Programme genommen … Die Freiheit der Kunst und Wissenschaft ist nicht verhandelbar.“ Das Statement richtete sich nur gegen „rechts“ und kümmert sich nicht darum, dass wir die Angriffe auf Kunstfreiheit und Wissenschaftsfreiheit von links schon lange haben. Leidtragende sind z. B. der Evolutionsbiologe Prof. Ulrich Kutschera, der nicht mehr an allen Universitäten sprechen darf, weil er die klassische Biologie vertritt und Fakten zur Zweigeschlechtlichkeit zu Gehör bringt. Aus gleichen Gründen erhielt die Biologiedoktorandin Marie-Luise Vollbrecht Redeverbot an der Humboldt-Universität. Als mein Kollege Prof. Gerald Wolf an der O. v. G. U. einen Vortrag zum Geschlechtsdimorphismus des menschlichen Gehirns halten wollte, wurde er von einem linken Mob nicht nur niedergeschrien, sondern auch physisch angegriffen. Der Berliner Historiker Prof. Jörg Baberowski, der zum Stalinismus forscht, kann seine Tagungen nur an geheim gehaltenen Orten abhalten, weil sie sonst von linken Terroristen gesprengt werden. Von linker Seite gemobbt und behindert werden auch so fabelhafte Persönlichkeiten wie die Politikwissenschaftlerin Prof. Ulrike Guérot, die Schriftstellerin Monika Maron u. a., so etwas findet keine Berücksichtigung im Statement.
Leider ist die linke Gemeinschaft der Kulturschaffenden nicht einmal bereit, faschistische Entgleisungen aus den eigenen Reihen zu verurteilen, z. B. wenn Herbert Grönemeyer dazu aufrief, Haltung gegen „rechte Ratten“ zu zeigen“. Ich war bisher davon überzeugt, dass Menschen-Ratten-Gleichsetzungen in Deutschland nicht mehr zustimmungsfähig sind, nachdem die Nazis auf Anregung Göbbels in dem Propagandafilm „Jud Süß“ die Juden mit Ratten gleichgesetzt hatten. Wir wissen, wie das endete. In erstaunlicher Offenheit hat die Linken-Politikerin Bianca Deubel es auch schon auf Twitter geschrieben: „Alle AfDler gehören in die Gaskammer.“ Wo bleibt der Aufschrei gegen die Faschisten in den eigenen Reihen? Im Statement steht: „… Heimat ist dort, wo Vielfalt gelebt und Kunstfreiheit verteidigt wird.“ Die AfD lehnt die Bauhauskultur, die zur kulturellen DNA unseres Bundeslandes gehört, scharf ab und betrachtet sie als „Irrweg der Moderne“ sowie als „linksideologisch“. Sie positioniert sich auch gegen eine staatliche Förderung für Besuche von KZ-Gedenkstätten, insbesondere im Rahmen von Schulausflügen. Das alles ist unerträglich!
Aber auch linke bzw. sogar linksextreme Organisationen bedrohen meine Heimat. Auch die journalistische Institution CORRECTIV, deren Berichterstattung zur sogenannten „Potsdamer Geheimkonferenz“ das Berliner Landgericht „im Wesentlichen unwahr, unklar, ungenau und unvollständig“ gebrandmarkt hat, gehört dazu. Auch die „Omas gegen rechts“ wollen unsere Demokratie einschränken. Rechts zu sein ist legitim! Hervorragende Künstler und Intellektuelle gelten als rechts: Rupert Scholz, Uwe Tellkamp, Botho Strauß, Ernst Jünger, Gottfried Benn und der Maler Neo Rauch.
Fähigkeit zum interkulturellen Dialog
Für einen interkulturellen Dialog ist man qualifiziert, wenn man die Geschichte seiner Heimat kennt und stolz auf die historischen Leistungen des eigenen Volkes ist. Die humanistischen Normen, die in der Welt gelten, haben maßgeblich auch die Deutschen mitgeprägt: Dr. Martin Luther, Immanuel Kant, Georg W. F. Hegel, Gotthold Ephraim Lessing, Albert Schweitzer u. a. m. sind Namen, die dafür stehen. Und dann sind da auch noch die großen Wissenschaftler und Erfinder, die Deutschland Geltung verschafft haben. Die alle aufzuzählen, würde den Umfang der Kompaktzeitung sprengen. Erwähnenswert scheint mir, dass der Anteil deutsch-jüdischer Persönlichkeiten wie z. B. Albert Einstein, Fritz J. Haber, Lise Meitner, Paul Ehrlich, Otto Warburg, Hannah Arend usw. überproportional hoch ist. Nicht zu vergessen, dass in der Welt Musik deutscher Komponisten wie J. S. Bach, Ludwig van Beethoven, Georg Philipp Telemann, Richard Wagner, Richard Strauß, Johannes Brahms, Felix Mendelssohn Bartholdy usw. die Konzertbühnen dominiert. Ein ehrbarer Deutscher zu sein, bedeutet aber ebenso, auch wenn die heute Lebenden keine persönliche Schuld trifft, in gleichem Maße auch, sich in Demut an die Gräueltaten und Verbrechen zu erinnern, die während des Nationalsozialismus im Namen des deutschen Volkes verübt worden sind.
Aus unserer festen Verwurzelung in der deutschen Geschichte und Kultur können wir den interkulturellen Dialog führen mit Immigranten, die hierherkommen, um zu studieren oder sich in einem nicht akademischen Beruf ausbilden zu lassen, die hier arbeiten wollen oder/und berechtigterweise politisches Asyl beantragt haben. Die Erfahrung lehrt, dass eben diese Menschengruppen auch tatsächlich am interkulturellen Dialog teilnehmen. Allerdings gibt es auch jede Menge Angriffe auf unsere Kultur aus Kreisen, die überwiegend nicht zu den genannten Immigrantengruppen gehören. Die allseits beklagte Wählerwanderung nach rechts lässt sich umkehren, wenn Heimat und Kultur auch wieder in der Mitte der Gesellschaft verteidigt werden.
Nr. 308 vom 22. Juli 2026, Seite 10-11
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