Traue dem Team einiges zu

FCM-Präsident Jörg Biastoch spricht im Kompakt-Interview über den neuen Kader, das Saisonziel und die wirtschaftliche Lage des Vereins.

Blickt mit einiger Zuversicht auf die neue Saison: FCM-Präsident Jörg Biastoch. Foto: Peter Gercke

Kompakt: Der Verein geht am Wochenende nun bereits in seine fünfte Zweitliga-Saison nacheinander. War von einem solchen Weg bei Ihrem Amtsantritt im Juli 2022 auszugehen? Haben Sie das seinerzeit für möglich gehalten?

 

Jörg Biastoch: In dieser Form war das damals nicht absehbar. Natürlich hatten wir den Anspruch, den Verein nachhaltig in der 2. Bundesliga zu etablieren, aber dass wir nun bereits in die fünfte Zweitliga-Saison in Folge gehen, ist alles andere als selbstverständlich. Das ist das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit vieler Menschen im Verein und ein Erfolg, auf den wir stolz sein können.

 

Sie wurden kürzlich vom Aufsichtsrat als FCM-Präsident bestätigt. Was wollen Sie in der zweiten Amtszeit eventuell anders machen, welche Fehler, so es sie denn gab, nicht wiederholen?

 

Wir werden den eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen. Mir ist weiterhin eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit allen Gremien, Trainerinnen und Trainern, Spielerinnen und Spielern, den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern des Vereins, unseren Partnern und Fans besonders wichtig. Nur gemeinsam können wir erfolgreich sein.

 

Personell gab es im Zweitliga-Team in diesem Sommer nach einem Dutzend Abgängen und nunmehr neun Zugängen einen unübersehbaren Umbruch. Was trauen Sie dem neu zusammengestellten Kader zu? Reicht es, um ein beim FCM mittlerweile geflügeltes Wort aufzugreifen, zu einer „sorgenfreien“ Saison?

 

Den Begriff der „sorgenfreien Saison“ hat seinerzeit Otmar Schork geprägt. Ich traue unserer Mannschaft einiges zu. Der Kader hat durch die in diesem Sommer getätigten Transfers an Qualität dazugewonnen. Auch die Vertragsverlängerung von Mateusz Zukowski war ein Fingerzeig. Entscheidend wird in dieser Spielzeit sein, dass sich das Team schnell findet, damit wir unser Ziel – den Klassenerhalt – schneller erreichen, als dies in der letzten Saison der Fall war. Erst dadurch haben wir dann die Planungssicherheit, die es für alle Bereiche erfordert.

 

Es gibt also ein konkretes Saisonziel?

 

Unser klares Ziel ist der Klassenerhalt.

 

Zuweilen war zuletzt des Öfteren von der DNA des FCM die Rede. Gibt es sie, und wenn ja, wie würden Sie sie skizzieren?

 

Wir orientieren uns seit vielen Jahren an unserem Leitbild. Der 1. FC Magdeburg ist ein Traditionsverein mit Wurzeln, die eng mit dem Schwermaschinenbau und der Stadtgeschichte verbunden sind. Wir verstehen uns als Arbeiterverein – bodenständig, ehrlich, direkt und nahbar. Diese Werte prägen unseren Verein bis heute.

 

Ihr Geschäftsführer Martin Geisthardt hat kürzlich in einem Interview schon einmal eine Vision vom FCM in der ersten Bundesliga umschrieben. Denken Sie auch so weit?

 

Jeder verfolgt doch das Ziel der Selbstoptimierung. Visionen gehören dazu. Gleichzeitig müssen wir auch realistisch bleiben und Schritt für Schritt hart weiterarbeiten. Unser Fokus liegt darauf, den Verein nachhaltig auf soliden Boden zu stellen.

 

Als Sie Präsident wurden, gab es beim FCM noch gar keinen Frauenfußball. Nun spielt das Team schon zwei Jahre in der Regionalliga. Wo geht die Reise hin?

 

Auch im Frauenfußball gilt derselbe Anspruch wie im gesamten Verein: Wir wollen den nächsten Schritt machen. Die Entwicklung, vor allem im vergangenen Jahr, war sehr positiv. Wir werden den Bereich weiterhin fördern und dann sehen, wohin uns dieser Weg führt.

 

In Ihrem ersten „Kompakt“-Interview vor vier Jahren sagten Sie, finanzielle Abenteuer seien mit Ihnen nicht zu machen. Nun hat der Verein zuletzt gehörig Geld in die Infrastruktur (Campus, neue Plätze) investiert. Hat er sich dabei vielleicht übernommen? Oder anders gefragt: Fehlen die Mittel am Ende, um verstärkt in den Kader zu investieren?

 

Sämtliche Investitionen in unsere Infrastruktur basieren auf soliden kaufmännischen Entscheidungen und einer entsprechenden weitsichtigen Planung. Der Verein befindet sich wirtschaftlich in einer sehr guten Verfassung. Die Investitionen stärken den FCM langfristig und sind kein Widerspruch dazu, auch den sportlichen Bereich verantwortungsvoll aufzustellen.

 

Nach den Krawallen beim Dresden-Spiel im Januar hatte der FCM zugesichert, die eigenen Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken. Und das nächste Dresden-Spiel kommt bestimmt. Wie ist der Stand derzeit?

 

Die entsprechenden Maßnahmen wurden bereits vorgestellt. Darüber hinaus stehen wir weiterhin in einem engen und vertrauensvollen Austausch mit sämtlichen Behörden. Unser gemeinsames Ziel ist es, den Stadionbesuch für alle Beteiligten so sicher wie möglich zu gestalten, ohne dabei die besondere Atmosphäre, die ein Stadionbesuch mit sich bringt, aus den Augen zu verlieren.

 

Fragen: Rudi Bartlitz

 

KOMPAKT

 

Dr. Jörg Biastoch

 

Seit dem 1. Juli 2022 ist Dr. Jörg Biastoch Präsident des 1. FC Magdeburg. Er trat die Nachfolge von Peter Fechner an, der zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde. Biastoch (62) wurde in Torgau geboren und lebt seit 1973 in Magdeburg. Hier studierte er Medizin und ist approbierter Arzt. Biastoch ist geschäftsführender Gesellschafter der Humanas-Gruppe und mit seinem Unternehmen Trikotpartner des 1. FC Magdeburg. Der Pflege-Dienstleister Humanas wurde 2006 ins Leben gerufen und eröffnete drei Jahre später seinen ersten Wohnpark. Inzwischen gibt es zwei Dutzend derartige Standorte in ganz Sachsen-Anhalt. Während der Corona-Pandemie war Biastoch für den Verein zudem ehrenamtlich als Hygienebeauftragter tätig. Biastoch ist passionierter Läufer und Golfer. (rb)

Nr. 309 vom 05. August 2026, Seite 34

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