Es geht gleich richtig los
Für die SCM-Handballer beginnt am 22. August wieder der Ernst des Lebens. Dann treffen sie im DHB-Supercup auf Erzrivalen Füchse Berlin.
46 Tage herrscht bei den SCM-Handballern so etwas wie vermeintliche Ruhe, unterbrochen zuletzt lediglich durch diverse Testspiele. Bevor es dann aber gleich richtig losgeht! Am 22. August erfolgt beim DHB-Supercup – dem alljährlichen Duell des Landesmeisters und des Pokalsiegers – sozusagen der scharfe Start. Und viel schärfer kann es eigentlich gar nicht zugehen, denn da treffen im Münchner SAP Garden die dominierenden deutschen Teams der letzten Jahre aufeinander: der SCM und die Füchse Berlin. Noch Mitte Juni standen sich beide in Köln im Halbfinale der Champions League gegenüber –mit dem besseren Ausgang für die Füchse (40:35).
In jüngster Vergangenheit sammelten die Elbestädter alles ein, was Vereine in der Handballwelt gewinnen können: Champions League, Klub-Weltmeisterschaft, deutscher Titel, DHB-Pokal. Nur etwas fehlte komischerweise: der seit 1994 ausgespielte Supercup. Genau ein Vierteljahrhundert ist es mittlerweile her, dass die Grün-Roten diese Trophäe mit nach Magdeburg brachten. 2001 besiegten sie, gerade unter Trainer Alfred Gislason Meister geworden, den HSV Hamburg mit 28:25. Es wäre also wieder einmal an der Zeit …
Und keine Woche später, am 27. August, beginnt dann schon die Punktehatz in der Bundesliga. Die seit Jahren als stärkste und ausgeglichenste Spielklasse der Welt gilt. Selten lagen, so das Urteil der meisten Experten, die Spitzenteams leistungsmäßig so eng beieinander wie in den zurückliegenden Jahren. Selbst wenn die Abschlusstabelle 2026 etwas anderes suggerieren mag. Denn da besaß der SCM neun Punkte Vorsprung auf den Zweiten (Berlin) sowie sage und schreibe 22 Zähler (!) mehr als Rekordmeister THW Kiel, am Ende enttäuschender Sechster.
War in jüngster Zeit immer von einem Titel-Vierkampf zwischen Berlin, Magdeburg, Flensburg und Kiel die Rede, dürften für die „Zebras“ nach einer für sie katastrophalen Vorsaison die Meisterträume vorerst ad acta gelegt sein. Das heißt nicht, dass es weniger Spannung gibt. Das geht gleich zum Auftakt los: Mit Berlin und Melsungen stehen sich zwei Teilnehmer der Champions League gegenüber, Kiel trifft mit seinem neuem Trainer Börge Lund auf Lemgo (mit Florian Kehrmann, dem dienstältesten Liga-Coach), Meister Magdeburg reist zum aufstrebenden VfL Gummersbach. Und bereits eine Woche darauf kommt es erneut zur derzeitigen Mutter aller Spiele: SCM gegen Füchse.
Dass der Titelverteidiger aus Sachsen-Anhalt zum absoluten Favoritenkreis gehört, ist kein Geheimnis. Viele Fachleute setzen auf ihn. Ein sogenanntes Power-Ranking des Fachportals „handball world“ sieht die Wiegert-Truppe ganz oben, gefolgt von Flensburg und Berlin. Obwohl: Beim SCM halten sie nicht viel von Begriffen wie „Mission Titelverteidigung“. Alles beginne wieder bei null, hält man dem entgegen. „Wenn alles normal läuft, sehe ich Magdeburg klar vorne”, sagt dennoch Maik Machulla, Trainer der Rhein-Neckar Löwen. Vor allem Qualität und Tiefe des Kaders spreche für den SCM. „Wenn keine Verletzungen kommen, hat Benno den besten Kader.“
Ein Kader, der 17 Akteure umfasst und nach einer Reihe von Abgängen mit fünf Neuverpflichtungen ergänzt wird. Neben dem kroatischen Torhüter Dominik Kuzmanovic sind dies der dänische Rechtsaußen Oskar Vind, der spanische Rückraumspieler Antonio Serradilla (trug bereits 2024/25 Grün-Rot) sowie die 18-jährigen Eigengewächse Malte Elze (Kreis) und Tim Thielicke (Rückraum). „Wir haben einen Kader zusammengestellt“ sagt Cheftrainer Wiegert, „von dem wir grenzenlos überzeugt sind. Jetzt müssen wir zeigen, dass diese Überzeugung nicht nur in uns, sondern auch für andere sichtbar ist.“
Eine für die Magdeburger bittere Nachricht könnte in den Turbulenzen der Fußball-WM etwas untergegangen sein: bei der Klub-WM sind sie diesmal nicht dabei. Zuletzt war der SCM dort Stammgast. Dreimal konnte das Team diesen mit über einer Million Euro dotierten Wettbewerb (Sieger: 400.000 Euro) sogar gewinnen. Letztes Jahr sprang Platz drei raus. Für das Turnier (ab 24. September in Kairo) erhielten die Grün-Roten nun, wie befürchtet, aufgrund der Länderregelung keine Wildcard. Da Barcelona als Titelverteidiger und Champions-League-Sieger qualifiziert ist, ging das Ticket für Europa an die Füchse Berlin als Finalist der Königsklasse.
Gewöhnen muss sich der gemeine Handball-Freund an einen wiederum neuen Namen der deutschen Spielklasse. Nämlich den des Auto-Riesen Opel. „Jetzt schlägt der Rüsselsheimer Blitz beim Handball ein – und das gleich doppelt“, hatte der Verband den Wechsel von Daikin zu Opel euphorisch bejubelt. Der Autohersteller wurde im Juli „strategischer Partner“ der Nationalmannschaften – sowohl Frauen als auch Männer. Das Engagement erstreckt sich über drei Jahre. Zum gleichen Zeitpunkt übernimmt Opel die Namensrechte an der Liga. Sie sind der insgesamt fünfte Namensgeber in der Historie der HBL. Erster Partner war 2007/08 der Automobilhersteller Toyota, es folgte die DKB (2012-2019). Von 2019 bis 2023/24 war Liqui Moly fünf Jahre Titelpartner; zuletzt kam Daikin. Dem japanischen Wärmepumpen-Produzenten war zuletzt etwas die (finanzielle) Luft ausgegangen.
Dass nicht alles Gold ist, was derzeit glänzt in Handball-Deutschland, zeigt ein kleiner Blick übers Parkett hinaus. Wieder gibt es Ärger mit der Lizenzierung, diesmal im Fall Nordhorn. Gerichtsverfahren drohen. Das imageschädliche Erstliga-Theater um den HSV Hamburg und den Bergischen HC vor zwei Jahren ist nicht vergessen. Damals ging es um Hamburgs Lizenz und die sportlichen Folgen für den BHC, der absteigen musste. Es wirkt so, als habe der Liga-Verband – was die Lizenzvergabe betrifft – nicht allzu viel hinzugelernt. Von Rudi Bartlitz
Nr. 309 vom 05. August 2026, Seite 35
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