Zwischen Ruhe, Bewegung und der abstrakter Malerei
Für Lorenz Behr ist Malerei vor allem eine Möglichkeit, Stimmungen zu erzeugen. Seine abstrakten Arbeiten sollen eine Balance schaffen: Sie wirken beruhigend und gleichzeitig spannend, zurückhaltend und dennoch voller Details. Dabei geht es ihm nicht darum, eine bestimmte Botschaft zu vermitteln, sondern um die ästhetische Erfahrung. Es geht um Formen, Farben und die Wirkung eines Bildes auf den Betrachter. „Ich versuche dabei Bilder zu machen, die irgendwie eine beruhigende und gleichermaßen spannende Atmosphäre kreieren“, beschreibt Behr seinen künstlerischen Ansatz. Seine Werke sollen nicht aufdringlich sein, sondern Menschen dazu einladen, genauer hinzusehen und sich länger mit ihnen auseinanderzusetzen. Seine bewusste Hinwendung zur Kunst entwickelte sich bereits nach dem Abitur. In dieser Zeit stellte sich Behr die Frage, was er als sinnvoll für sein Leben empfindet. Die Antwort war für ihn damals eindeutig: Kunst. Ein anderer Weg kam für ihn kaum infrage, weshalb er ein Kunststudium begann.
Während seines Studiums beschäftigte sich Behr zunächst auch mit figürlicher Malerei und persönlichen Themen. Seine Arbeiten kreisten damals stärker um Fragen der eigenen Identität und Persönlichkeitsentwicklung. Mit der Zeit veränderte sich jedoch sein Blick auf Kunst. Nach seinem Abschluss vor zwei Jahren und einer zusätzlichen Ausbildung zum Kunsttherapeuten entwickelte sich seine Arbeit in eine neue Richtung. Heute interessiert ihn weniger die persönliche Selbstdarstellung. Stattdessen beschäftigt er sich stärker mit den Möglichkeiten der Malerei selbst: Was kann ein Bild leisten? Welche Wirkung können Formen, Farben und Kompositionen erzeugen?
Ein wiederkehrendes Thema in seinen Bildern ist die Verbindung von Ruhe und Bewegung. Behr beschreibt seine Arbeiten als Auseinandersetzung mit Rhythmen, Entwicklungen und Übergängen. Besonders wichtig sind ihm dabei die Beziehungen zwischen einzelnen Flächen, Farben und Formen. Klare Farbflächen, präzise Setzungen und eine ausgewogene Komposition bestimmen seine Werke. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch das Zusammenspiel von Planung und Intuition. Neue Ideen entstehen häufig aus inneren Bildern oder Momenten der Ruhe. Behr beschreibt diese Inspiration als eine Art Tagträumerei: Formen entstehen zunächst in seinem Kopf, werden anschließend in Skizzen festgehalten und später zu fertigen Arbeiten entwickelt. Seit einiger Zeit arbeitet Behr an einer Serie mit dem Titel „Textfelder“. Dabei nutzt er ein festgelegtes Format und entwickelt abstrakte Kompositionen, die für ihn eine Verbindung zu Versen oder Gedichten haben. Die Skizzen betrachtet er oft über mehrere Wochen, bevor er entscheidet, ob sie als Gemälde funktionieren können. Erst danach setzt er die Ideen auf der Leinwand um.
Neben der Ölmalerei zeigt Behr bei der KUNST/MITTE auch Collagen. Dafür bemalt er Papier mit Acrylfarben, schneidet diese Flächen aus und setzt sie anschließend zu neuen Kompositionen zusammen. In seinen Arbeiten spielt er häufig mit Mustern, Kontrasten und optischen Effekten. Flächen können dabei zwischen Vorder- und Hintergrund wechseln, sodass das Auge immer wieder neu gefordert wird.
Was seine Kunst heute ausmacht, beschreibt Behr vor allem mit einer optimistischen und angenehmen Atmosphäre. Seine Bilder sollen Wohlbefinden auslösen, ohne oberflächlich oder beliebig zu sein. Sie laden dazu ein, innezuhalten, sich auf Farben und Formen einzulassen und immer wieder neue Facetten zu entdecken.
Christian Aßmann
Nr. 309 vom 05. August 2026, Seite 23
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