Handwerk, Natur und der perfekten Augenblick

Clemens Gentsch macht besondere Augenblicke sichtbar. Seine Kunst entsteht nicht auf klassischer Leinwand, sondern aus Holzpolygonen, die er zu großformatigen Mosaiken zusammensetzt. Mit viel handwerklichem Aufwand entstehen daraus Darstellungen von Menschen in Momenten voller Konzentration und Leichtigkeit: beim Sport, in der Natur oder in Situationen, in denen der Alltag für einen Augenblick in den Hintergrund rückt.

 

„Ich versuche Situationen zu zeigen, in denen Menschen vollkommen in ihrem Element sind“, beschreibt Gentsch seine künstlerische Idee. Seine Werke sollen daran erinnern, dass es neben Stress, Terminen und digitalen Reizen auch Augenblicke gibt, in denen man ganz bei sich sein kann.


Der Weg zur Kunst begann für den gebürtigen Ostthüringer eher nebenbei. Ursprünglich arbeitet Clemens Gentsch als Ingenieur und Gruppenleiter. Doch irgendwann merkte er, dass ihm neben der Arbeit etwas fehlte: eine Tätigkeit, bei der er mit den eigenen Händen etwas erschaffen und sich kreativ ausleben konnte. Zunächst baute er Möbel, bis er schließlich die Kunst für sich entdeckte. Der entscheidende Moment kam auf einem Festival. Dort sah Gentsch einen aus Pressspan gefertigten Hirschkopf in Polygonoptik. Die Idee faszinierte ihn, doch er dachte sofort darüber nach, wie sich dieses Prinzip weiterentwickeln ließe. Gemeinsam mit seiner damaligen Freundin begann er, erste eigene Arbeiten zu gestalten. Nach einem gemeinsamen Projekt entstand schließlich sein erstes eigenes Werk, ein Wolf. Dabei erkannte er, dass diese Technik genau das verband, wonach er gesucht hatte: Handwerk, Kreativität und die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen.


Seitdem hat sich seine Kunst entwickelt. Seine Motive findet Gentsch häufig in Situationen, die ihn selbst faszinieren. Freunde beim Surfen, Klettern oder Paragliden liefern ebenso Inspiration wie eigene Beobachtungen. Gentsch reduziert die Motive auf ihre wesentlichen Formen und überträgt Bewegung, Dynamik und Atmosphäre in seine charakteristische Holztechnik. Dabei beginnt der Prozess mit der Gestaltung der Polygonstruktur. Die einzelnen Holzstücke müssen so angeordnet werden, dass trotz der begrenzten Detailtiefe die Wirkung des Motivs erhalten bleibt. Anschließend werden die Elemente ausgeschnitten, geschliffen und eingefärbt. Besonders die Farbgestaltung spielt für Gentsch eine wichtige Rolle, denn verschiedene Farbtöne können einem Werk eine völlig neue Wirkung verleihen. Nach dem Ölen und Zusammensetzen entsteht schließlich das fertige Kunstwerk. Die Inspiration für seine kreative Arbeit findet Gentsch nicht nur in der Kunstwelt. Besonders geprägt hat ihn seine Mutter, die selbst keine Künstlerin war, aber immer kreativ gearbeitet hat. Sie nähte Kleidung, restaurierte Möbel und förderte schon früh seine eigene Kreativität. Diese Offenheit begleitet ihn bis heute.


Für Gentsch ist die Teilnahme an KUNST/MITTE eine besondere Gelegenheit. Der Künstler, der ursprünglich aus Altenburg stammt und bisher unter anderem in München und Norddeutschland ausgestellt hat, freut sich besonders auf den Austausch mit Menschen aus der Region. Denn für ihn lebt Kunst nicht nur vom fertigen Werk, sondern auch vom Gespräch darüber.

 

Am Ende bleibt für Clemens Gentsch die wichtigste Botschaft seiner Arbeiten: Es gibt immer wieder Momente, die uns aus dem Alltag herausholen können. Seine Kunst möchte genau diese Augenblicke bewahren und sichtbar machen.

 

Christian Aßmann

Nr. 309 vom 05. August 2026, Seite 24

Veranstaltungen im mach|werk

Neuigkeiten aus Magdeburg

Weitere Artikel

Edit Template

Über uns

KOMPAKT MEDIA als Printmedium mit über 30.000 Exemplaren sowie Magazinen, Büchern, Kalendern, Online-Seiten und Social Media. Monatlich erreichen wir mit unseren verbreiteten Inhalten in den zweimal pro Monat erscheinenden Zeitungen sowie mit der Reichweite unserer Internet-Kanäle mehr als 420.000 Nutzer.