„Unsere Kandidaten haben kein Studium abgebrochen“
Roland Zander, Vorsitzender der Magdeburger Gartenpartei, zur Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt über SERO, den „Rückbaucent“ für Kleingärten und unkonventionelle Finanzierungsideen.
Kompakt: Herr Zander, im September 2026 wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Ihre Präambel liest sich wie eine Abrechnung mit dem politischen Personal: Sie betonen, dass Ihre Kandidaten „kein Studium abgebrochen“ und „nicht Politikwissenschaften studiert“ haben. Was qualifiziert Ihre Leute stattdessen?
Roland Zander: Unsere Kandidaten kommen aus der Region, sind bodenständig und wissen aus eigener Erfahrung, wo die Herausforderungen im Alltag liegen. Wir sind keine klassischen Berufspolitiker, sondern Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung und echter Lebenserfahrung. Wir wissen nicht nur vom Hörensagen, wo bei den Menschen in Sachsen-Anhalt der Schuh drückt. Viele Wähler haben das Gefühl, dass ihnen die echte Wahl fehlt, um bekannte politische Muster zu durchbrechen. Das wollen wir ändern.
Sie kritisieren etablierte Parteien für ideologische Diskussionen, etwa beim Klimawandel. Gleichzeitig fordern Sie massive Eingriffe: 50 Prozent der staatlichen Parteizuschüsse sollen in die Aufforstung des Harzes fließen, 50 Prozent der Mittel für „Kunst am Bau“ in Renaturierung. Ist das nicht populistisch?
Die Natur ist die Grundlage unseres Lebens und soll für kommende Generationen erhalten bleiben. Worte allein reichen nicht aus – entscheidend sind konkrete Maßnahmen. Deshalb fordern wir diese Umwidmungen. Wir wollen auch, dass die Hälfte der Einnahmen aus Verkehrs- und Geschwindigkeitskontrollen gezielt zur Beseitigung von Umweltschäden eingesetzt wird. Jeder Schüler soll im Laufe seiner Schulzeit aktiv Bäume pflanzen. Das ist keine Ideologie, das ist praktischer Umweltschutz.
Sie wollen auch die Hundesteuer abschaffen und Tierheime bei der Förderung mit politischen Parteien gleichstellen. Das reißt Löcher in kommunale Kassen. Wer soll das bezahlen?
Hunde sind für viele Menschen feste Familienmitglieder und Sozialpartner. Deshalb setzen wir uns für die Abschaffung der Hundesteuer ein. Tierheime müssen ihre Aufgaben zuverlässig erfüllen können, deshalb fordern wir die Gleichstellung in der Förderung. Zur Finanzierung: Wir richten den Blick auf die tatsächliche finanzielle Lage des Landes. Die Schuldenentwicklung und steigende Ausgaben schränken Handlungsspielräume ein. Deshalb setzen wir auf ein einfaches, transparentes System, bei dem ein klarer prozentualer Anteil des Einkommens nach Steuern und Abgaben herangezogen wird.
Was genau meinen Sie damit? Eine neue Steuer? Eine Abgabe? Ihr Programm bleibt hier vage.
Unser Ansatz ist eindeutig: Politik muss Belastungen und Chancen fair verteilen. Wir wollen ein System, das ohne unnötige Bürokratie auskommt. Im Sozialbereich haben wir sehr klare Vorstellungen: Alle Einkommensarten sollen in die Finanzierung der Sozialversicherungen einbezogen werden. Sehr hohe Einkommen müssen stärker beteiligt werden, indem Beitragsbemessungsgrenzen angepasst werden. Ziel ist die langfristige Stabilisierung von Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung.
Das sind Bundesforderungen. Ein Kernthema für Sachsen-Anhalt sind Kleingärten. Sie wollen Grünflächen rechtlich schützen, aber ungenutzte Anlagen zurückbauen und landwirtschaftlich nutzen. Sie bringen einen „Rückbaucent“ ins Spiel. Wer soll den zahlen?
Über einen eventuellen „Rückbaucent“ und weitere Maßnahmen muss gesprochen werden. Das gesamte Kleingartenwesen muss den geänderten Rahmenbedingungen und Zielen angepasst werden. Dieses bedarf der Zusammenarbeit aller Beteiligten und kann nicht auf Einzelne abgewälzt werden. Die Probleme sind nicht durch einen demografischen Wandel, sondern durch die Änderung der Verhältnisse entstanden.
In der Bildungspolitik beklagen Sie Lehrermangel und fehlende Digitalisierung. Sie fordern, Seiteneinsteiger besser zu qualifizieren und Lehrpläne auf Kernkompetenzen auszurichten.
Ein gegliedertes Schulsystem sowie eine engere Zusammenarbeit mit den Nachbarbundesländern bleiben wichtige Bestandteile unserer Bildungspolitik. Wir befürworten die freie Schulwahl und die gleichwertige Finanzierung freier Schulen. Wir brauchen einheitliche, modulare Systeme bei der Digitalisierung und müssen den Lehrermangel aktiv bekämpfen.
Zur Klimapolitik: Sie nennen den Begriff „erneuerbare Energie“ irreführend und wollen eine „sachliche Diskussion“. Sie fordern den Ausbau von Radwegen, wollen aber das Auto nicht verdrängen. Wie soll das in Städten wie Magdeburg funktionieren?
Wir konzentrieren uns auf technologische Entwicklungen und innovative Lösungen zur Energieerzeugung und -speicherung. Kosten müssen fair verteilt werden, auch die Industrie ist einzubeziehen. Wir wollen den Radverkehr vorantreiben, ohne das Auto zu verdrängen. Den Güterverkehr wollen wir stärker auf Schiene und Wasser verlagern. Ökologisch und sozial handeln heißt auch: kurze Wege für Pendler, die oft über 200 Kilometer pro Tag zurücklegen.
Ein überraschender Punkt: Sie wollen das SERO-System aus der DDR wiederbeleben.
Viele kennen den Begriff „SERO“ noch und wissen, wie effektiv dieses System war. Leider konnte sich dieses in der Praxis bewährte System nicht in das System der BRD hinüberretten. Der Grüne Punkt hat die Menge des Verpackungsmaterials nicht reduzieren können, weil wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen. Deshalb setzen wir uns für die Wiederbelebung des SERO-Systems ein und fordern die Reformierung des Grünen Punkt Systems.
Beim Thema Sicherheit fordern Sie mehr Polizei, Prävention und konsequente Verfolgung. Sie verlangen aber auch, dass Tatmittel, etwa bei illegalen Autorennen, bis zum Abschluss des Verfahrens eingezogen werden.
Wir setzen uns dafür ein, dass alle Mittel, die zur Verübung einer Straftat, zum Beispiel bei Eigentumsdelikten und illegalen Autorennen, bis zum Abschluss des Verfahrens eingezogen werden. Damit wird die Mobilität des Straftäters erheblich eingeschränkt. Nicht einmal zu dieser einfachen Lösung war die Politik bisher fähig. Wir wollen zudem organisierte Einbrecherbanden durch aktive Streifentätigkeit unschädlich machen. Es muss sich wieder ein Gefühl der Sicherheit einstellen.
Letzte Frage: In der Asylpolitik fordern Sie den Schutz des Menschenrechts auf Asyl, aber auch Rückkehrperspektiven. In der Landespolitik fordern Sie die Aufhebung des Fraktionszwangs. Wo liegt der rote Faden?
Asyl ist ein grundlegendes Menschenrecht. Gleichzeitig müssen Verfahren klar geregelt und effizient sein. Integration soll gefördert, aber Perspektiven für eine Rückkehr geschaffen werden. Und was die Parlamente betrifft: Wir setzen uns für die Aufhebung des Fraktionszwangs ein, damit gewählte Vertreter unabhängiger entscheiden können. Politik soll und muss sich am Willen der Bürger orientieren. Das ist unser roter Faden.
Fragen: Thomas Wischnewski
Nr. 310 vom 19. August 2026, Seite 15
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