Rot, Schwarz und Grün. Und Blau.

Wie wäre eine Welt ohne Farbe? Farblos! Und Farben gibt es unzählbar viele. Die Physik allerdings, die kennt keine Farben. Nur Licht unterschiedlicher Wellenlänge. Um Farben zu sehen, muss man Tier sein, oder – seit ein paar Millionen Jahren möglich – Mensch. Wir Menschen wissen zudem von Farben, die kein Tier kennt: die politischen Farben. Althergebracht ist das Rot. Zum einen Symbol der Befreiung und des Klassenkampfes, zum andern wurden unter roten Fahnen und solchen mit knallroten Anteilen Millionen und Abermillionen von Menschen zu Opfern gemacht. Stalin hat dafür gesorgt, Mao, Pol Pot und – die Spitze des Grauens – der National-Sozialismus unter Adolf Hitler. ChatGPT nach der Anzahl der Todesopfer befragt, gibt für die derzeitigen Parteien Deutschlands „Null“ an. Auch für die von gewissen (parteifreien?) Richtern als „extrem“ eingestuften. Entsprechend ist an der durch die Farbe Blau symbolisierten Partei noch niemand gestorben.

 

Das Spiel der Farben

 

Ob Wiesen, Felder und Auen, die Welt der Korallen, ein Wochenmarkt, eine CSD-Demo oder Wahlkampfplakate – bunt geht es dort zu! Da gibt es wohl keine Flagge, keine Art von politischer Symbolik, die auf Farben verzichten. Rot, eine schiere Warnfarbe zunächst, dann aber, während der Französischen Revolution, Symbol des Kampfes gegen die herrschende Klasse. Später wurde Rot zum Attribut der Arbeiterbewegung, des Sozialismus und des Kommunismus. Braun, stofflich gesehen eine Mischung aus Rot und Grün, war in Deutschland und Österreich zum Wahrzeichen für den Nationalsozialismus geworden. Grün steht für Umwelt und Umweltschutz. Schwarz ist in Deutschland traditionell die Tönung der Unionsparteien, abgeleitet von der Symbolik der katholischen Kirche. Blau steht seit längerem für Frieden, Zusammenarbeit, internationale Verständigung und Konservativismus, etwa bei den Vereinten Nationen oder der Europäischen Union.

 

Die Farbe Grün symbolisiert für uns die Umwelt, aus der wir einst hervorgegangen sind. Wenn der Winter vorbei ist und es draußen wieder grünt, dann – ja, früher war das so: Dann nahmen Vater und Mutter ihre Kinder bei der Hand und wanderten mit ihnen durch die Felder und Auen, um das frische Grün zu genießen. Heutzutage eher nicht. Oder gar nicht. Selbst jene nicht, die sich „die Grünen“ nennen und aus ihrer politischen Haltung heraus stets und ständig die Natur im Munde führen. Und angeben, sie schützen zu wollen oder zu sollen und zu müssen. Diese Leute sind in Wirklichkeit der Natur zumeist abhold. Überhaupt Wandern und heute: Spazierengehen durchaus, einfach „um frische Luft zu schnappen“ oder Bello auszuführen. Aber Wandern im Sinne von sich in der Natur ergehen und immer wieder anzuhalten, um zu sehen, was denn hier wächst, da krabbelt und dort fliegt?

 

Der Autor macht das so, auch einige Freunde und Bekannte machen das so.  Die Mitglieder der Partei „Bündnis 90, die Grünen“ sind da draußen, so ich sie kenne, kaum jemals anzutreffen. Oder nie. Auch niemanden von denen, die als Mitarbeiter entsprechender Verwaltungen in Frage kommen, von Ministerien, Landesämtern oder – gar! – von Naturschutzbehörden. Wer schon weiß von denen etwas Konkretes über die Natur zu sagen, die sie zu verwalten haben? Denn das setzt Kenntnisse voraus. Oder sollte man sich in aller Öffentlichkeit der Verarmung unserer Natur schämen, ihrer Verelendung durch die Agrarindustrie oder durch monotone Forste? Und was ist mit den Bio-Lehrer:innen? Sie mögen sich in den Bio-Schullehrbüchern auskennen, aber gibt es den Typus des klassischen Biologie-Lehrers überhaupt noch? Den da, der Bescheid wusste, wenn jemand mit ein paar Blumen in der Hand oder einem Insekt im Marmeladenglas kam, um nach deren Namen zu fragen.

 

Anders als Grün oder Rot oder Blau oder Gelb ist Schwarz keine Farbe, sondern fehlendes Licht. Je schwärzer, um so licht- und farbärmer. Das ist gleichsam symbolisch für die Probleme, mit denen sich die Schwarzen in unserer Parteienlandschaft herumschlagen. Wofür eigentlich stehen heutzutage die Unionsparteien, fragt sich der Bürger. Andere Parteien mögen zwar ähnlich farblos sein, aber sie werden durch Symbolfarben repräsentiert, für die wir in der Netzhaut unserer Augen spezielle Sinneszellen zu bieten haben. Drei verschiedene Zapfenarten sind das, solche für die Farben Rot, Grün und Blau. Sie sprechen zudem auf alle möglichen Kombinationen an und lassen uns damit Tönungen der unterschiedlichsten Art wahrnehmen. „Uns“, das sind wir Farbtüchtigen. Die bald mehr, bald weniger Farbblinden haben da Probleme, am meisten jene, denen die Farbwahrnehmung vollständig fehlt und sie statt Farben nur Graustufen sehen.

 

Es gibt Tiere, bei denen Mängel im Farbensehen zur Natur gehört. Hunde haben nur zwei Zapfenarten, Wale gerade mal einen Typ. Entsprechend werden diese Tiere die Welt sehen. Und uns. Auch völlig blinde Tiere gibt es. Solche zum Beispiel, die in totaler Finsternis leben und daher ihre Augen während der Evolution eingebüßt haben. Viele Tiefseefische betrifft das und den in lichtlosen Höhlen lebende Grottenolm. Die Augen mancher Vögel hingegen verfügen über vier Zapfentypen. Viele Arten von Papageien, Tauben und Falken gehören dazu. Sie sehen damit auch im Bereich von Ultraviolett, der für uns unsichtbar ist.

 

Farb-Psychologie und -Ideologie

 

Man stelle sich vor, jemanden, der total farbenblind ist, erklären zu wollen, wie unsereiner Rot sieht oder Blau. Völlig unmöglich! Noch nicht einmal Normalsichtigen vermögen wir zu schildern, wie wir die jeweiligen Farben erleben. Tatsache ist, dass die Bestückung unserer Netzhaut mit den Farbsinneszellen, den Zapfen, von Mensch zu Mensch verschieden ist. Die einen von uns haben mehr Zapfen für Grün und weniger für Rot oder Blau, beim nächsten ist das anders, vielleicht sogar umgekehrt. Wir alle aber unterscheiden uns nicht in der Benennung der Farben, die wir gerade sehen. Bei dem Gelb einer Sonnenblume sind vor allem die L-Zapfen und die M-Zapfen beteiligt. Erstere für langwelliges Licht (rot), die anderen für den mittleren Bereich. Die S-Zapfen für kurzwelliges (blaues) Licht sind hieran weniger beteiligt. Wie aber tauschen wir uns untereinander über das Gelb einer Sonnenblume aus, wie es beschreiben? Mit allen anderen Empfindungen ist das genauso. Der Einfachheit halber meinen wir, uns darin nicht zu unterscheiden, nicht sonderlich. Diejenigen, die sich für Liebe oder Hass, für Wärme oder Kälte weniger berührt geben, oder für Schön und Hässlich mehr als wir, die – wie einfach! – „tun vielleicht nur so“. Auch der Psychopath, der kein Mitleid empfindet?

 

Die Farben beeinflussen unsere Gefühle, sie wirken sich auf unsere Wahrnehmung und auf Entscheidungen aus. Weiß steht für Reinheit und das Schlichte, Rot warnt oder es vermittelt Energie oder, ins Gelbliche gehend, für lauschige Wärme. Schwarz lässt uns Eleganz empfinden oder, je nachdem, Trauer. Gegenstand der Farbenpsychologie ist es zu erklären, auf welche Weise und in welchem Ausmaß persönliche Erfahrungen und die jeweilige Situation die Wirkung der Farben beeinflusst. Das gilt individuell wie auch in massenpsychologischer Hinsicht. Die Werbung profitiert davon und nicht zuletzt die Politik. Rot sorgte als Wahrzeichen der Arbeiterbewegung, des Sozialismus und des Kommunismus für Kampfeswillen. Braun wurde speziell für Deutschland und Österreich zum Symbol für das Verhängnis unter dem Nationalsozialismus. Wie auch immer, da gibt es wohl keine Flagge, keine Art von sozialer oder politischer Symbolik, die auf Farben verzichten. Gern auch in Kombinationen und geometrischen Formen.

 

Von besonderer Brisanz heute ist die Frage, wie mit dem politischen Blau umgehen? Die Vereinten Nationen und die Europäische Union schmücken sich damit und, nicht zu vergessen, zu DDR-Zeiten waren die Pionierhalstücher und die FDJ-Hemden blau. Im heutigen Deutschland wird Blau vor allem mit der AfD assoziiert, der „Alternative für Deutschland“. Blau ist in unserem Land dabei, den anderen politischen Farben den Rang abzulaufen und für eine besonders große Aufmerksamkeit zu sorgen. Gleich welcher Farbe, bewaffnet sind sie alle, die Parteien wie auch die assoziierten Medien. Die schärfste Waffe ist die Verleumdung, stumpf und dennoch hochwirksam die Vertuschung.

 

Einige Menschen können Töne, Zahlen oder Buchstaben als Farben wahrnehmen. Für andere trifft das auf Stimmen oder Musik zu. Auch können Wörter einen bestimmten Geschmack haben. Man spricht dann von Synästhesie, einer Vermischung von ganz verschiedenen Sinnesebenen. Den Ton F zum Beispiel schildern manche als gelb, das Fis, unmittelbar daneben, als Blau. Viele Menschen, die über ein absolutes Gehör verfügen, verdanken diese Gabe einer solchen Wahrnehmungsform, die uns „Normale“ absonderlich erscheint. Viele Synästhetiker genieren sich, ihre Fähigkeit Anderen zu offenbaren, weil sie befürchten, als Spinner dazustehen. Eher umgekehrt ist es, die Synästhesie muss als eine Begabung gesehen werden. Und Begabungen sind nun mal nicht erlernbar. So wunderbar und selten die Wahrnehmungsform der Synästhesie ist, wenn sie aber auftritt, dann in den jeweiligen Familien gehäuft. Die zugrundeliegenden Gene sind bis heute unbekannt.

 

Faszinierend der Gedanke, dass die Farbsymbolik der Parteien zu synästhetischen Wahrnehmungserlebnissen führen könnte und die rote oder die Regenbogenfarben als Braun imponierten und das Schwarz als Blau!  

 

Prof. Dr. Gerald Wolf

Nr. 310 vom 19. August 2026, Seite 44

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