Stadtarchiv zeigt Industriegeschichte
Oberbürgermeisterin Simone Borris hat die neue Dauerausstellung zur Geschichte des Stadtarchivs in der Neuen Neustadt eröffnet. Unter dem Titel „Von der Zuckerfabrik zum Stadtarchiv“ beleuchtet sie die wechselvolle Geschichte des Gebäudes in der Mittagstraße 16. Die Ausstellung wurde von den Archivaren gemeinsam mit Krister Hennige, einem Nachfahren der früheren Zuckerfabrikanten, grundlegend überarbeitet und zeigt erstmals bisher unbekannte Zeugnisse aus dem Privatarchiv der Gründerfamilie.
Vom Industriebetrieb zum Archiv
Das Gebäude blickt auf rund 200 Jahre Industriegeschichte zurück. 1839 entstand es als Runkelrüben-Zuckerfabrik, in der rund 200 Arbeiter das in der Magdeburger Börde angebaute Zuckerrübenprodukt veredelten. Nach der Übernahme durch Jacob Hennige im Jahr 1852 entwickelte sich die Raffinerie zu einem führenden Unternehmen der Branche.
Mit der Weltwirtschaftskrise endete die große Phase der Magdeburger Zuckerindustrie. Während des Zweiten Weltkriegs nutzten die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke Magdeburg das Gebäude als Betriebsteil „Hennige“. Nach 1946 zog die Magdeburger Werkzeugmaschinenfabrik auf das Gelände und produzierte dort Hochleistungsdrehmaschinen.
Seit 2013 beherbergt das Gebäude das Stadtarchiv. Damit dient der historische Industriebau heute als Ort, an dem Magdeburgs schriftliches Kulturgut bewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.
Erweiterung steht bevor
Borris informierte bei ihrem Rundgang auch über die geplante Erweiterung des Stadtarchivs. Im historischen Zentrifugensaal der ehemaligen Zuckerfabrik soll ein moderner Vortrags- und Seminarraum entstehen. Gleichzeitig soll die Bildungsarbeit des Archivs ausgebaut werden. Borris erklärte: „Im lebendigen Lernort Stadtarchiv können beispielsweise Schülerinnen und Schüler mehr über diese Geschichte erfahren. Diese Bildungsarbeit soll weiter ausgebaut werden.“
Die Baumaßnahme soll die Magazinkapazitäten des Archivs um etwa 50 Prozent erhöhen. Zudem wird das Gebäude umfassend energetisch saniert, damit es künftig klimafreundlicher betrieben werden kann.
Ausweichstandort in Sudenburg
Für die mehrjährige Bauphase verlagert das Stadtarchiv sein schriftliches Kulturgut an einen Ausweichstandort. Deshalb schließt die Einrichtung am 1. Dezember 2026 für die Öffentlichkeit. Die Wiedereröffnung an der Sudenburger Wuhne 47 ist für den 1. April 2027 vorgesehen.
Besucher können die Ausstellung bis zum 30. November während der Öffnungszeiten des Stadtarchivs besichtigen.
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