„Kein zweites Mal in der Liga“

SCM-Geschäftsführer Marc Schmedt spricht im Kompakt-Interview über die Erwartungen an die neue Saison, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die neue Publikumsoffensive des Handballs.

: SCM-Geschäftsführer Marc Schmedt. Foto: Peter Gercke

Kompakt: Die Eröffnung einer neuen Saison nimmt beim SCM immer mehr Volksfestcharakter an. Weit über 5.000 Menschen tummelten sich in der vergangenen Woche vor und in der Halle. Ist es so, wie Sie sich die Zukunft des Handballs vorstellen?

 

Marc Schmedt: Es ist zumindest ein sehr großer Teil davon. Erfreulich, dass sich daran in Magdeburg immer mehr unserer Partner beteiligen.

 

Und was wäre der andere Teil?

 

Generell: Handball ist im Wachsen begriffen. Da reicht es heute nicht mehr aus, nur die Hallen voll zu bekommen. Ich will Menschen gewinnen, Handball nicht nur live mitzuerleben, sondern beispielsweise auch zu Hause vor dem Fernseher.

 

Mit welcher Zielstellung?

 

Das Gesagte hat Auswirkungen auf die Marke, auf das Merchandising. Zum Vergleich greife ich jetzt einmal ganz hoch ins Regal: In Asien tragen junge Leute das Fußball-Trikot von Real Madrid, sie werden aber wahrscheinlich nie ein Spiel im Bernabeu-Stadion live miterleben. Übertragen auf uns: Man muss jetzt schrittweise versuchen, die Marke SC Magdeburg noch präsenter zu machen. Eine jüngste Analyse von Dyn (das Portal, das die Bundesliga überträgt, d. Red.) zeigt, wo die Vereine die meisten Zuschauer anziehen. Da werden der SCM und die Füchse Berlin als positive Beispiele genannt. Wobei unsere Schwerpunkte im gesamten mitteldeutschen Raum liegen, aber auch schon im angrenzenden Niedersachsen.

 

Ein wichtiger Faktor dieser, nennen wir es Publikums-Offensive des Handballs sind die sozialen Medien. Wie steht es da derzeit beim SCM?

 

Wir haben diesen Sektor in jüngster Zeit stark ausgebaut und einige Kraft darin investiert. So wurden die Homepage und die Apps aufwendig und völlig neu gestaltet, wir haben mit einem neuen eigenen Spotify-Kanal bisher gute Erfahrungen gesammelt und zusätzlich auch einen Podcast eingerichtet. Quer über alle Kanäle freuen wir uns jetzt über 300.000 Follower.

 

Etwas, was, direkt oder indirekt, auch die wirtschaftliche Situation des Vereins tangiert. Nach allem, was zu hören ist, ist die wirtschaftliche Situation des SCM nicht die schlechteste.

 

Wir sind stabil aufgestellt und über die letzten Jahre stetig und organisch gewachsen. Aber das ist immer eine Momentaufnahme.

 

Apropos Momentaufnahme. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass der US-Konzern Intel sein Sponsoring beim 1. FC Magdeburg und beim SC Magdeburg beendet hat. Wie hart trifft es den SCM?

 

Der Intel-Ausstieg zum 30. Juni 2026 hat uns nicht kalt getroffen, da dieser Schritt seit einem Jahr kommuniziert und abzusehen war. Intel hatte noch einmal um ein Jahr verlängert, uns nicht hängenlassen. Dafür sind wir sehr dankbar. Aber zur Einordnung: Insgesamt hat der Intel-Anteil nur knapp 1,5 Prozent unseres Umsatzes 2025/2026 ausgemacht.

 

Es macht sich also einmal mehr bezahlt, dass das Sponsorenfeld des SCM sehr, sehr breit gefächert ist?

 

Auf jeden Fall. Wir haben derzeit Verträge mit 705 Wirtschaftspartnern. Das gibt es kein zweites Mal in der Bundesliga. Das ist auch deshalb wertvoll, weil wir angesichts der gesamtwirtschaftlichen Situation in Deutschland damit rechnen müssen, dass die Zahl der Insolvenzen weiter steigt. Es ist eine Herausforderung der Zukunft, hier ständig für eventuelle Ausfälle gerüstet zu sein. Insofern ist ein breites Fundament sehr wertvoll.

 

Um den sportlichen Part werden wir in diesem Gespräch nicht ganz herumkommen. Also: Wo geht die Reise für den SCM in der Saison 26/27 hin?

 

Wir sind in drei Wettbewerben vertreten: Meisterschaft, Champions League, DHB-Pokal. Und wie im letzten Jahr sage ich auch diesmal: Wir wollen in allen drei bis zum Ende aussichtsreich dabei sein.

 

Einen Wettbewerb haben Sie nicht erwähnt, die Vereins-Weltmeisterschaft. Da ist der SCM, der immerhin drei Mal den Super Globe gewann, diesmal in Ägypten nicht dabei. Wie schwer trifft das den Verein?

 

Gar nicht einmal so sehr wie vielleicht manche denken. Weil die Gründe dafür bekannt sind, der Weltverband diesmal erneut nur drei  europäische Teams zulässt: Nachvollziehbar den Titelverteidiger FC Barcelona und den Zweiten der Champions League, die Füchse Berlin. Die Wild Card für den dritten europäischen Klub ging an Veszprem.

 

Schon komisch. Haben Sie dafür eine Erklärung?

 

Es ist das souveräne Recht des Weltverbandes, dies so zu handhaben. Es könnte vielleicht damit zusammenhängen, dass die Ungarn einige ägyptische Spieler in ihren Reihen haben und die IHF sich dadurch Effekte vor Ort erhofft.

 

In den Prognosen der Fachleute wird Magdeburg fast immer als Anwärter Nummer eins auf die deutsche Meisterschaft genannt. Trotz einiger prominenter Abgänge und fünf Zugängen. Stets wird darauf verwiesen, dass der SCM über den ausgeglichensten Kader der Liga verfügt.

 

Und ich füge hinzu: Es ist ein Kader, der gegenüber der letzten Saison sogar abgeschmolzen wurde. Statt 19 Spieler haben wir jetzt 17 unter Vertrag. Aber wir verfügen über die Mittel, in Situationen, die das erfordern, auf dem Markt reagieren zu können.

 

Und mit Malte Elze und Tim Thielicke stammen zwei aus dem eigenen Nachwuchs. Das hat es seit mehr als einem Dutzend Jahren nicht gegeben. Ist da jemand über seinen Schatten gesprungen?

 

Nein, keineswegs. Das haben sich die beiden mit ihren Leistungen redlich verdient. Man muss dabei sehen, unsere A-Jugend ist deutscher Meister geworden, im deutschen U-18-Junioren-Europameisterteam standen vier Aktive aus Magdeburg. Wir wollen die beiden langsam an das Spitzenniveau heranführen, wobei Einsätze bei den Youngsters weiter dazugehören werden.

 

Lange gab es Gerüchte um einen Abgang von Elvar Jonsson. Jetzt trägt der Isländer regelmäßig weiter das grün-rote Trikot. Ist ein Wechsel damit endgültig vom Tisch?

 

Dazu kann ich so viel sagen: Elvar wird weiter für den SCM auflaufen.

 

Bange Fragen der vergangenen Monate rankten sich nicht etwa um sportliche Auftritte, sieht man einmal vom ärgerlichen Pokal-Aus gegen den Bergischen HC ab. Ängstliche Blicke galten vielmehr dem baulichen Zustand der Halle. Steht die Getec-Arena auch in Zukunft als Spielstätte zur Verfügung?

 

Die defekten Dachbinder wurden jetzt abgedichtet, die Halle hat alle Tests, selbst die letzten Extremwetter, gut überstanden. Die Zeitvorgaben wurden eingehalten, hier ein großes Lob an den Betreiber und die Stadt Magdeburg. Im nächsten Sommer werden die Arbeiten am Dach fortgesetzt. Die Maßnahmen, die jetzt ergriffen wurden, machen mich ziemlich sicher, dass wir auch in den nächsten zehn bis 20 Jahren hier spielen können.

 

Es klingt so, als sei das noch nicht alles.

 

Nein. Das Wichtigste vielleicht: Nach 13 Jahren wurde im Sommer der Hallenboden ausgetauscht. Wir haben uns entschieden, vom alten Belag, auf dem der SCM drei Mal deutscher Meister wurde, Quadrate in der Größe 16 x 16 Zentimeter herausschneiden zu lassen und sie, auf einer Plexiglasscheibe fixiert, Liebhabern zum Verkauf anzubieten. Die Unikate sind mit einem Echtheitszertifikat versehen und tragen die Unterschrift von Cheftrainer Bennet Wiegert.

 

Fragen: Rudi Bartlitz

Nr. 310 vom 19. August 2026, Seite 50

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