Blick nach oben
Magdeburgs Automobil-Profipilot Dominique Schaak geht hoffnungsvoll in die letzten Saisonstarts. 2027 locken Rennen in den USA. | Von Rudi Bartlitz
Sommerpausen besitzen im Sport zuweilen zwiespältigen Charakter. Meist erscheinen sie den Beteiligten zu kurz; bestes Beispiel die alljährlichen (in der Regel berechtigten) Klagen von Fußballern und Handballern über zu kurze Regenerationszeiten. Bei anderen, wie den Leichtathleten, fällt eine Auszeit in diesen Monaten komplett weg. Für Dominique Schaak, Magdeburgs einzigen professionellen Automobil-Rennfahrer, fiel die sommerliche Unterbrechung diesmal hingegen ausgesprochen lang aus.
„Neun Wochen, das hatten wir noch nie“, sagte der 36-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung, die ihn seit Jahren auf seinem Weg begleitet. Hauptverantwortlich dafür war der komplette Ausfall eines Wochenendes mit zwei Rennen auf dem Oval-Kurs im niederländischen Venray. Umso mehr Zeit blieb Schaak, der sich „nebenbei“ um alle Belange seines Klein-Unternehmens selbst kümmern muss, für ausgedehnte Präparationen auf die zweite Saisonhälfte, sowohl sportlich wie wirtschaftlich. Selbst für einen Kanaren-Urlaub mit Familie blieb diesmal Zeit.
Mit neuem Schwung ging es dann am letzten August-Wochenende in der Nascar Euro Serie – in der der Magdeburger einen 500 PS starken Chevrolet Camaro steuert – in zwei Rennen im Autodrom im tschechischen Most wieder los. Dort sprangen für ihn in wahrhaft turbulenten Läufen (Schaak: „Zuweilen wie beim Survival-Training“) zwei Masters-Podien und zwei Top-10-Resultate heraus. Es sei für ihn, kommentierte das Magazin „Motorsport XL“, eines „seiner stärksten Rennwochenenden der Saison“ gewesen.
In der Masters Championship befindet sich Schaak jetzt mitten im Kampf um den Titel. Die Sonderwertung, die sich vom sportlichen Gedanken her mit einem Silber-Fahrerstatus aus dem GT- und Formelsport vergleichen lässt, ist mit elf Piloten hart umkämpft. Doch Schaak hat nicht nur die Masters Championship im Blick. Auch in der Gesamtwertung verfolgt er ein klares Ziel: Am Saisonende soll der Sprung in die Top 8 gelingen. Damit würde er sein Ergebnis aus dem Vorjahr verbessern, als er die Euro-Nascar-Saison auf Gesamtrang zehn abschloss.
„Mit klaren Zielen reisen wir jetzt nach Italien“, so der Magdeburger; konkret nach Vallelunga vor den Toren Roms. Gleichzeitig bildet dieses Rennwochenende das Playoff-Finale, bei dem doppelte Meisterschaftspunkte vergeben werden. Entsprechend groß ist die Bedeutung für den weiteren Verlauf der Titelkämpfe. Und da hat sich Schaak anspruchsvolle Ziele gesetzt. „Die Masters, wo ich derzeit Zweiter bin, will ich unbedingt gewinnen“, unterstreicht er selbstbewusst. „Wer weiß, vielleicht läge ich jetzt schon vorn, wenn mir bei den Auftaktrennen in Valencia nicht zweimal ein Missgeschick passiert wäre.“ Einmal brach die Lenkung, das andere Mal bereiteten die Reifen Probleme.
Und noch etwas hat Schaak im Blick: Mit seinem Bremotion-Team aus Frankfurt/Main will er nach dem Mannschaftstitel greifen. Bereits im vergangenen Jahr gehörte Bremotion – obwohl mit dem kleinsten Etat im Fahrerfeld ausgestattet – zu den stärksten Crews der Serie und beendete die Saison auf dem dritten Gesamtrang. „Diesmal“, erklärt er, „soll zusammen mit meinem US-amerikanischen Teamgefährten Garrett Lowe der Coup gelingen.“ In Most habe man gezeigt, „dass wir nicht umsonst um Titel fahren. Die gesamte Saison war solide. In Valencia hatten wir technisches Pech, doch wir haben seitdem als Team einen super Job gemacht. In Most haben wir starke Rennen gezeigt. Wir wollen das Momentum mit nach Italien nehmen und das Ganze natürlich wiederholen. Wenn uns das gelingt, dann könnten wir beim Finale in Zolder vom Titel träumen.“
Doch die Gedanken des Piloten gehen schon über 2026 hinaus. Bei Bremotion besitzt er bereits einen Vertrag bis Ende 2027. „Auf jeden Fall werde ich die nächste Saison noch fahren und anschließend von Jahr zu Jahr entscheiden.“ Dabei soll es künftig nicht bei Wettkämpfen in Europa bleiben. Schaak drängt es im Herbst seiner Karriere dorthin, wo für Nascar alles begann – in die USA: „Das war immer schon ein Traum von mir.“ Im Februar nächsten Jahres, das steht jetzt schon fest, wird er mit seinem Teamchef und einem Renningenieur über den großen Teich fliegen und beim Traditionsrennen „Daytona 500“ erste Verhandlungen führen. Angedacht ist der Start in ein oder zwei Rennen. „Ich würde dort der erste Deutsche sein, der in den Staaten an Nascar-Läufen teilnimmt.“ Der Stolz ist dabei unüberhörbar.
Kompakt:
Nascar-Rennen gehören in ihrer Heimat USA zu den populärsten Sportveranstaltungen des Landes. Sie besitzen oft Volksfestcharakter. Die vermeintliche Seriennähe der Fahrzeuge sowie akzeptable Eintrittspreise und ein relativ offenes Fahrerlager sind Gründe dafür. Wobei die Abkürzung NASCAR für „National Association for Stock Car Auto Racing“ steht. Der Name leitet sich von „Stock Car“ (dt. Serienfahrzeug) ab, da ursprünglich nur modifizierte Großserienfahrzeuge eingesetzt werden durften. Inzwischen kommen bei den auf Ovalkursen gefahrenen Rennen streng reglementierte, fast identische Fahrzeuge mit Tourenwagen-Silhouetten zum Einsatz, die aktuellen Serienmodellen nur äußerlich ähneln. Das Antriebskonzept, ein 5,7 Liter großer V8-Motor mit zentraler Nockenwelle und Hinterradantrieb, spiegelt den technischen Stand der frühen 1970er-Jahre in den USA wider. Dennoch werden Höchstgeschwindigkeiten über 350 km/h erreicht. 2004 fuhr ein gewisser Rusty Wallace bei einem Test mit einer Höchstgeschwindigkeit von 367 km/h einen inoffiziellen Rundenrekord von 355 km/h. (rb)
Nr. 312 vom 23. September 2026, Seite 26
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